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24.03.10

Plantronics Voyager Pro im Test: Bluetooth auf zwei Kanälen

Plantronics Voyager Pro ist eines der wenigen Headsets, die via Bluetooth gleichzeitig zwei Geräte bedienen können. Das macht es zum idealen Voip/Handy-Headset für Vieltelefonierer und Heimarbeiter, die mit mehr als einer Linie hantieren.

Ich spreche durch das Voyager Pro Bluetooth-Headset mit meiner eigenen Voicemail-Box und bewege mich langsam quer durch meine ganze (winzige) Wohnung, aus der Totenstille im Schlafzimmer durch die Musikberieselung im Wohnzimmer in die Küche unmittelbar neben den heulenden Dampfabzug.

In der Aufnahme der Voicemail ist meine Stimme zu hören - und zwar nur meine Stimme, von Anfang bis Ende der Aufnahme. Der Hintergrundlärm ist schlicht und ergreifend wegradiert.

Das ist sehr beeindruckend, und dabei noch nicht einmal der Grund, warum ich Plantronics Bluetooth-Headset Voyager Pro gekauft habe. Den Zuschlag bekam das 80 Dollar/70 Euro-Headset, weil es Multipoint beherrscht:

Bisher haben sich Bluetooth-Headsets im Alltag fast ausschliesslich für die Benutzung als Handfrei-Geräte im Auto durchgesetzt. Mit der Verbreitung von Skype und anderen, vor allem auf dem PC genutzten IP-Telefonie-Angeboten ist ein kabelloses Headset für Unterhaltungen zunehmend auch im Büro ein Muss.

Das Problem dabei ist, dass die meisten Bluetooth-Headsets sich nur mit einem Gerät verbinden können. Sobald zwei Geräte gleichzeitig genutzt werden sollen - PC und Handy, beispielsweise, in meinem Fall - wird es mühsam.

Dafür gibt es Geräte mit "Multipoint"-Technologie wie das Plantronics Voyager Pro, das sich gleichzeitig mit zwei Geräten verbindet. Und darüberhinaus dank Equalizer und zwei Mikrofonen die eingangs beschriebene, absolut erstaunliche Audio-Qualität mit Lärmausblendung bietet.

Retro-Design für Klangqualität und Tragekomfort

Dabei hilft der längliche Arm, der dem Headset etwas Retro-Design verleiht, näher an der Stimme des Sprechers liegt und eine klare Trennung des Lärm- und des Sprachmikrofons erlaubt: Das vom Gesicht des Trägers nach aussen orientierte Mikrofon nimmt den Umgebungslärm auf, das nach innen gerichtete die Sprache, und der Prozessor im Plantronics Voyager Pro kann so mit einem Vergleich der beiden Aufnahmen exakt eruieren, was gewünschte Sprache und was Lärm ist.

Ich benutze das Voyager Pro vor allem zusammen mit dem PC und VoiP-Telefonie, die in dieser Konstellation durchwegs eine bessere Audioqualität bietet als das Festnetztelefon es je geschafft hat.

Im Auto klappt es mit der Lärmunterdrückung ebenfalls recht gut, wenigstens solange, wie die Fenster geschlossen bleiben: Entgegen der eigens beworbenen Windgeräuschunterdrückung ist das Plantronics Voyager Pro sehr auf externe Windgeräusche anfällig, was auch in den Rezensionen der Käufer in einschlägigen Foren immer wieder zu Worte kommt.

Wer aber nicht gerade als Installateur in windiger Höhe auf Starkstrommasten arbeitet und mit dem Plantronics Voyager Pro eher in Auto- und Büroumgebung telefonieren will, dürfte von der Lärmunterdrückung und der Equalizer-Leistung begeistert sein. Respektive seine Gesprächspartner, die allerdings nichts davon mitkriegen - denn genau darin liegt ja die Qualität.

Die Borg-Telefonie

Aber wie gesagt: Gekauft habe ich das Voyager Pro, Weil es Multipoint beherrscht und ich es ständig mit dem Handy und dem PC zugleich nutze. Solange ich zu Hause bin, habe ich deswegen das Gerät auch faktisch permanent am Ohr und fühle mich nur jeweils bei einem zufälligen Blick in den Spiegel wie ein assimilierter Borg.

Dabei ist klar, dass sich etliche Anwendungen wie Sprachbefehle oder auch nur schon Tastendrucke am Headset nicht mehr oder nicht mehr ohne weiteres nutzen lassen, weil sie sich ständig an beide Zielgeräte richten würden.

In der Benutzung mit nur einem Zielgerät verhält sich das Voyager Pro so, wie man es erwarten würde: Es nimmt per Tastendruck Anrufe an, legt auf oder schaltet für die Sprachwahl per Telefon durch.

Ist das Headset allerdings mit zwei gepaarten Geräten zugleich verbunden, dann funktioniert es im wesentlichen nur noch als Ein-/Ausgabegerät. Das Makeln der Verbindung zwischen zwei Geräten beispielsweise wickelt man vorteilhafterweise über diese und nicht über das Headset ab, obwohl das grundsätzlich in bestimmten Fällen auch funktioniert.

Das kleine Handbuch in der Packung listet allerdings so viele Optionen, Möglichkeiten und Tastenkombinationen auf, dass ich schon bald nach der Durchsicht entschieden habe, auf Steuerbefehle jenseits eines einfachen Tastendrucks zu verzichten.

Dafür sind die Rückmeldungen des Headsets eindeutig und klar. Mit angenehmen und eindeutigen Tonfolgen zeigt es an, wenn es sich mit einem der gepaarten Geräte verbunden hat (leider aber auch, wann immer eine Chatmeldung auf Skype reinkommt, was etwas viel Gefiepe sein kann und mich das Skype-Signal schnell hat ausschalten lassen).

Ich nutze das Plantronics Voyager Pro mit dem Nexus One von Google als Handy-Headset, und am PC zugleich mit Skype und einem Voip-Client (Eyebeam); mit insgesamt drei Voip-"Festnetz"-, einer Handy- und einer Skypeverbindung. Die Audioqualität ist dabei in allen Fällen wie beschrieben geradezu sensationell, solange ich nicht im Sturmwind an der kalifornischen Küste zu telefonieren versuche.

Der Tragekomfort des optisch recht klumpigen Geräts ist erstaunlich gut: Der gesamte hintere Teil des Geräts, der Schwarze Block mit Akku, Lautsprecher und Prozessor, ist mit einer samtig-weichen Gummihaut überzogen, der U-Bügel ist flexibel.

Das Headset lässt sich mit einer Hand hinter eines der beiden Ohren schieben (es kann auf links- oder rechts gedreht werden) und sitzt dann fast wie angegossen, ohne dass es trotz seines Gewichts Druckstellen verursacht. Der Lautsprecher am hinteren Ende des Mikrofon-Stabs reicht dabei gerade soweit in den Ohrkanal hinein, dass die weiche Silikon-Umhüllung, die in drei Grössen und einem Schaumstoffüberzug geliefert wird, den Kanal knapp abschliesst, aber praktisch keinerlei Auflagefläche hat.

Alles in allem ist das doch eher gross geratene Voyager Pro zumindest in meinem Ohr deutlich weniger zu spüren als das billige Vorgängermodell, das mit einem schmalen Hartplastik-Bügel hinters Ohr gehängt wird und mit einem Hartgummi-Kanal den Ton in der Ohrmuschel abliefert.

Die Akku-Laufzeit - ein Druck auf den Ein-/Ausschaltknopf als lässt zur Ladestand-Anzeige das LED einmal, zweimal oder dreimal blinken - beträgt nach einer vollen Ladung problemlos zwei Tage trotz Dauereinschaltung und mehrstündigen Gesprächen auf allen Anschlüssen.

Die Stromversorgung erfolgt über den inzwischen an immer mehr Kleingeräten als Standard implizierten Micro-USB-Anschluss; das mitgelieferte Netzteil liefert rund 0.4 Ampère, die auch ein USB-Anschluss am Rechner abgibt, und füllt den Akku in etwas über einer Stunde. An einem der Hochleistungsladegeräten wie es der Kindle oder das Nexus One mitbringen, die beide ein volles Ampere abgeben, ist der Akku entsprechend schneller voll. Mir ist es jedenfalls noch nie passiert, dass ich ohne Strom am Headset herum sass.

Was hingegen passiert, sind Verbindungspannen via Bluetooth mit meinem Notebook. Zunächst bringt das Asus UL30A, das ich zu meinem Hauptrechner befördert habe, schon gar kein Bluetooth mit und musste deswegen mit einem der 5$-Bluetooth-USB-Dongles ergänzt werden. Positiv daran ist, dass diese kleinen Steckmodule meistens mit dem Widcom-Bluetooth-Stack kommen. Das ist der weitaus umfangreichere Treibersatz, als ihn auch Windows 7 noch mitbringt, welches viele Bluetooth-Protokolle schlichtweg nicht unterstützt.

Nun muss allerdings sowohl das Bluetooth-Modul (das ich permanent in einen der drei USB-Anschlüsse gepflanzt habe) ständig eingeschaltet sein als auch das Headset. Denn sobald der Rechner aus dem Standby aufwacht und Bluetooth oder Headset nicht laufen, ist das Headset auch in den Anwendungen wie Skype und Eyebeam nicht vorhanden, und ein initiierter Anruf geht schon mal ungewollt auf die Lautsprecher des Rechners.

Wenn das Gespräch dann schon läuft, ist die nachträgliche Verbindung zum Headset dermassen mühsam, dass ich meistens ins (lausige) Mikrofon des Asus brülle, ich würde gleich nochmals anrufen, aufhänge, Skype und Eyebeam beende, Bluetooth starte, das Headset verbinde und die Programme neu aufstarte. Klingt umständlich, ist aber vertretbar und der bequemste Weg sicherzustellen, dass die Verbindungen stehen.

All das hat mit dem Headset nur am Rande zu tun. Das ist immerhin so freundlich, eine Verbindung mit dem Rechner wie auch jede Aktion in einem der Programme, die es benutzen, mit kurzen Signaltönen anzuzeigen.

Und sollte sich herausstellen, dass das Headset versehentlich ausgeschalteterweise aufgesetzt wurde, lässt es sich dank der Anordnung des Einschaltknopfs hinter dem Ohr leicht an Ort und Stelle einschalten. Auch die Lautstärkeregelung oben auf dem Bügel ist leicht erreichbar.

Was hingegen unverständlich ist und nervt, sind Form und Platzierung des Rufannahmeknopfs. Er sitzt aussen auf dem Kopfhörerteil, welches ja wie oben beschrieben keinerlei direkten Kontakt mit dem Kopf hat, sondern locker knapp am Gehörgang "schwebt". Will man nun ein Gespräch beenden - was ohnehin fast nur mit dem Handy praktikabel ist, obwohl Windows die Funktion anbietet, sie dann aber fest einem der Telefonieprogramme, also in meinem Fall Skype oder Eyebeam - zuordnet - dann drückt man sich unwillkürlich den Kopfhörer ins Ohr hinein, auch wenn weniger Druck ausreichen würde.

Ich habe mir deshalb und wegen der vielen Verdindungsoptionen ohnehin angewöhnt, das Headeset nur passiv zu benützen und alle Funktionen an den verschiedenen Telefongeräten/Programmen zu bedienen.

Dafür kann ich, wenn ein Gespräch initiiert ist, locker in meiner kleinen Wohnung herumspatzieren und dank der Lärmunterdrückung sogar den Abwasch erledigen oder mit laufendem Dampfabzug das Nachtessen kochen.

Alles in allem bin ich mit der Entscheidung, das Headset anzuschaffen, mehr als zufrieden. Es hat mich nicht nur vom Kabel-Headset am PC befreit und mit Multipoint die Bedienungsfreundlichkeit geliefert, die ich haben wollte.

Es liefert ausserdem eine exzellente Audio-Qualität, ist ausserordentlich bequem zu tragen und dank seiner Grösse mit einer Akkustärke versehen, die keinen "Auflade/Nutzungsplan" nötig macht.

Voyager Pro Bluetooth-Headset mit Multipoint und Lärmunterdrückung, zirka 70 Euro.

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