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01.02.12

Philips Fidelio L 1 im Kurztest: Einer der Erwartungen weckt

Philips hat mit dem Fidelio L 1 einen ansehnlichen Kopfhörer im Sortiment. Der Kurztest zeigt, klanglich bleibt der L 1 hinter hohen Erwartungen zurück.

«Obsessed with sound», prangt viel versprechend auf der edlen matt-schwarzen Kartonverpackung, die technischen Daten machen neugierig: Frequenzbereich 10 - 25'000 Hz, Impendenz 26 Ω und Klirrfaktor kleiner als 0.1%.

Wer den Kopfhörer zum ersten Mal in den Fingern hält, wird sich ein leises «Wow» kaum verkneifen können. Die Ohrmuscheln sind aus massivem Aluminium, ebenso Bügel und Aufhängung. Geschmeidiges Echtleder überzieht die Bügel- und Ohrpolsterung.

Tatsächlich sitzt der Kopfhörer perfekt: Die Ohrmuscheln liegen satt aber nicht zu druckvoll auf, Umgebungsgeräusche werden gut unterdrückt. Der breite Bügel mit dem weichen Polster verteilt die Last des Edelkopfhörers, immerhin 250 gr, regelmässig auf dem Kopf.

Auch beim Kabel haben sich die Ingenieure – oder waren es eher die Designer? – nicht lumpen lassen. Der Schwachstrom aus iPod, Stereoanlage und Co fliesst durch Kupferfasern in Richtung Neodym-Treiber, die von hochwertigem Kunstfasergewbe umschlossen sind.

«Fein, fein», denkt sich der Audiogeek und stöpselt den gut CHF 450 (UVP) teueren Fidelio L 1 an den MP3-Player, um das edle Teil beispielsweise mit einem Track von Hidden Orchestra auf die Probe zu stellen…

 

Die Enttäuschung ist gross! Nicht weil, der Fidelio L 1 schlecht klingen würde. Er klingt ganz einfach nicht gut genug. Die hohen Erwartungen, welche Design, Materialien, Kennzahlen und nicht zuletzt der Preis wecken, können nicht erfüllt werden. Werden die mittleren und hohen Frequenzen noch transparent wiedergegeben, lassen Mitteltiefen und insbesondere Tiefen etwas Druck, vor allem aber Transparenz vermissen. Klassik (Hindemiths «Mathis der Maler»), Jazz (Bugge Wesseltofts «Black Pearl Makes Dream») und Progressive Rock (Dream Theaters «Count of Tuscany») und Rock (Elbows «Mirrorball») leiden besonders unter dieser Schwäche. Lediglich Electro- (Modeselektors «2000007»), Hip-Hop- (Radio 2000s «Hose») oder R'n'B-Tracks (The Roots' «Don't say Nuthin'»), denen beim Abmischen ordentlich Bass mitgegeben wurde, klingen akzeptabel; wird's aber etwas komplexer im Bassbereich, verfliegt die Freude aber schnell wieder. Wer das HiFi-Segment anpeilt, muss mehr bieten.

Audiophilen ist dieser Kopfhörer nicht zu empfehlen. Wer Wert auf satten und klaren Klang legt, sollte beispielsweise den Sennheiser HD 25-1 II genauer anschauen. Dieser spielt klanglich ein paar Ligen höher und belastet das Budget viel weniger – dafür kann er aber auch nicht die herausragende Materialanmutung des Fidelio L 1 bieten. Wer dagegen auf edle Materialien und hochwertige Verarbeitung steht und nicht unbedingt auf herausragende Klanqualität, darf sich den Fidelio ruhig näher anschauen. Fazit: «Obsessed with Design» wäre der ehrlichere Slogan gewesen.

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