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03.03.16

Kuriose Erfindungen

Pavlok: Das „Fitnessarmband“ für Masochisten

Schluss mit den schlechten Angewohnheiten. Bye, bye, Zigaretten und fettiges Essen. Das smarte Armband Pavlok erzieht den Besitzer – mit Stromschlägen. Wir haben uns das ziemlich ungewöhnliche Konzept angeschaut.


Pavlok (Bild: Behavorial Technology Group Inc.)

Das Wearable mit Elektroschock-Therapie

Über neun Milliarden Euro – so viel Umsatz soll im Jahr 2018 in Europa mit Wearables generiert werden. Stimmt die Prognose, dann entwickelt sich da gerade ein neuer, großer Markt. Verständlich, dass diverse Hersteller mit unterschiedlichen Konzepten auf den Markt drängen. Während Apple seine Smartwatch Apple Watch positioniert, setzen Firmen wie beispielsweise Fitbit auf Fitnessarmbänder.

Der US-amerikanische Hersteller Behavorial Technology Group Inc. hat einen anderen Ansatz: Er will bei seinem Produkt namens Pavlok mit Stromschlägen punkten. Stromschläge? Ja, das ist der USP des kuriosen Wearable. Der Name erinnert zurecht an den Pawlowschen Hund. Aber anstatt den User mit Futter zu konditionieren, soll er mit Schmerzen seine schlechten Eigenschaften ablegen.

Und das geht so: Der Pavlok-Besitzer muss sich etwas vornehmen, was er unbedingt umsetzen will – zum Beispiel das Rauchen aufzuhören oder endlich mal Joggen zu gehen. Jedes Mal, wenn er an seinem Vorhaben scheitert, kriegt er einen Stromschlag über das Armband. Die Konditionierung funktioniert somit nicht über das Belohnungsprinzip, sondern über Bestrafung. Somit setzt Pavlok auf die negative Form der extrinsischen Motivation.

Funktioniert das Konzept? Bestens – das meint zumindest der Hersteller. Angeblich habe der Pavlok-Erfinder auf diesem Wege in kurzer Zeit 13 Kilo abgenommen. Laut der offiziellen Webseite könne man bereits nach fünf Tagen mit dem Anti-Fitnessarmband die ersten Ergebnisse feststellen. Dafür gibt Behavorial Technology Inc. auch auf verschiedenen Channels (z.B. über Youtube oder den Firmen-Blog) diverse Ratschläge. Zum Beispiel, dass man das Stalking seiner Ex-Partnerin auf Facebook durch vier Elektroschocks pro Minute „heilen“ könne.

Das ist doch ein Witz, oder? Nein, Pavlok ist wirklich ernst gemeint und erhältlich. Über die offizielle Webseite kann das ungewöhnliche Wearable für 199 US-Dollar bestellt werden. Und es kommt tatsächlich an. Wir haben es getestet.


Pavlok (Bild: Behavorial Technology Group Inc.)

Kein Jux, sondern schmerzhafte Realität

Auf den ersten Blick sieht Pavlok wie ein Fitness-Tracker aus. Die Inbetriebnahme gestaltet sich als ganz einfach: Man drückt auf die Oberseite und schon erhält man einen Stromstoß. Und was für einen! 450 Volt werden in den Arm gejagt, das schmerzt ganz schön.

Zum Glück kann über die kostenlose Smartphone-App, die sich mittels Bluetooth mit dem Wearable verbindet, die Stärke reguliert werden. Doch selbst in der niedrigsten Stufe zuckt man vor Schmerzen zusammen. Das ist definitiv kein Jux, sondern harte Realität.

Das „Vergnügen“ scheint nicht ganz ungefährlich zu sein: Im Handbuch wird darauf hingewiesen, dass Schwangere, Kinder, Tiere und herzkranke Menschen Pavlok nicht benutzen dürfen. Zusätzlich heißt es, man solle vor der Benutzung des tragbaren Folter-Gerätes am besten einen Arzt konsultieren.

Smart? Nicht wirklich…

Für Pavlok gibt es bislang zwei Apps. Die eine dient als Konfigurator (z.B. für die Stromstärke) und als eine Art Ratgeber, um sich lästige Angewohnheiten abzugewöhnen; Die andere ist eine Wecker-App. Damit stellt man ein, wann man geweckt werden will - und wie. Hier hat man mehrere Möglichkeiten, denn Pavlok kann nicht nur unangenehme Elektroschocks austeilen, sondern auch noch vibrieren und einen Piepston von sich geben.

Das war es, mehr hat das Wearable bislang nicht auf dem Kasten. Wer also denkt, dass er für knapp 200 Dollar eine smarte Technologie erhält, die selbständig erkennt, wenn man ein Ziel nicht erreicht, der irrt sich. Das kann das Armband nicht. Auch die Apps stellen sich als ziemlich "un-smart" und unnütz heraus.

Wer sich durch negative Konditionierung zu einem besseren Mensch verändern will, der muss sich selbst bestrafen, indem er jedes Mal von Hand auf den Knopf drückt. Wir denken: Wer so etwas wirklich macht, greift sicherlich auch zur Peitsche zwecks Selbstkasteiung.

Fazit

Die Grundidee von Pavlok mag zwar seltsam klingen, aber sie hat Potential. Dafür müsste aber das Armband in Verbindung mit seiner App „klüger“ sein, indem beispielsweise das Fehlverhalten automatisch erkannt wird. Das bietet das 200-Dollar teure Wearable aber nicht.

Zudem ist das Sadomaso-Armband viel zu heftig. Die Stromstöße tun richtig weh, so dass man nach wenigen Versuchen das Ding schmerzerfüllt in die Ecke pfeffert. Nein, so etwas wie Pavlok braucht kein Mensch!

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