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26.10.09

Palm Pre I im Test: Durchaus edel und gut

Palm will mit dem Pre wieder zur Spitze der Smartphone-Hersteller aufschliessen. Wir haben den Pre einem ausführlichen Test unterzogen.

In den 90er Jahren war Palm, neben dem "Visor" des mittlerweile untergegangenen Herstellers "Handspring", ein Muss für jeden Büroschreibtisch.

Ein Palm konnte schon damals Dinge, die Smartphones heute noch lernen müssen. Kalender, Handschrifterkennung, Dokumentenbearbeitung, Synchronisation auf Knopfdruck. Man hatte ein kleines Büro in der Hand, und für den Visor gab es sogar einen Aufsatz, mit dem man telefonieren konnte. Irgendwie hat Palm im neuen Jahrtausend dann den Anschluss verpennt, und Handyhersteller wie Nokia und RIM zogen vorbei.

Das soll sich mit dem Palm Pre alles ändern. Kann der Pre mit dem iPhone und Android mithalten?

1. Die Verpackung

Der Pre wird in Deutschland über O2 ausgeliefert. Und das in einem sehr fairen Modus. Man kann ihn mit einem Vertrag bekommen, und die Kaufsumme langsam abstottern, oder man bekommt ihn Net- und Simlockfrei zum vollen Kaufpreis von 481 Euro, kann dafür aber eine SIM-Karte seiner Wahl reinstopfen. O2 hat um den ansonsten schneeweißen Karton eine durchsichtige, blau eingefärbte Banderole gepackt, auf der es schon ein paar Infos zu lesen gibt.

Beim Auspacken lacht einem zunächst der Pre entgegen, dessen Bildschirm ausgeschaltet so dunkel ist wie die Hülle. Er sieht ein wenig wie ein schwarzer Stein aus, was durchaus edel wirkt. Eine Etage tiefer findet sich das Zubehör. Das besteht aus einem Stromadapter, dem USB-Kabel und einem Kopfhörer. Eine Kurzanleitung gibt es auch, so dass man sofort loslegen kann.

Der Palm macht einen sehr wertigen Eindruck und liegt gut in der Hand. Allerdings fällt schon in den ersten Momenten auf, dass die Hülle sehr glatt ist.

2. SIM-Karte einlegen und Akku aufladen

Die Rückseite des Palm lässt sich nach einem Blick in die Kurzanleitung recht schnell öffnen. Man muss einen kleinen Knopf drücken, gleichzeitig aber mit dem Fingernagel die Hülle leicht anheben. Mit ein wenig Übung geht das. Der Akku ist schnell entfernt, die SIM-Karte lässt sich gut einlegen. Auch von innen wirkt der Palm gut verarbeitet. Die Rückseite lässt sich mit sanften Druck wieder verschliessen.

Der Akku wird mit einer gewissen Restspannung geliefert, muss aber aufgeladen werden. Das geht mit als Zubehör erhältlichen "Touchstone" mit Induktionsübertragung sehr gut. Man legt den Pre einfach auf die Ladefläche, und schon bekommt der Akku wieder Saft. Deutlich schwieriger wird es allerdings, wenn man das Gerät über den USB-Anschluss aufladen möchte. Die Klappe sitzt auf der rechten Seite des Pre und lässt sich so gut wie nicht öffnen. Man braucht schon sehr lange Fingernägel, um die extrem hakelige Klappe aufzubekommen. Das ist nicht gut gelöst und gibt schon mal einen Hinweis auf die Probleme, die da noch kommen werden.

3. Erstes Einschalten

Der Palm braucht für den ersten Start lange. Sehr, sehr lange. Man kann sich zwischendurch auch einen Tee machen. Das gilt zwar für Android auch, aber tatsächlich startet mein Magic dann doch schneller als der Pre. Hat man lange genug auf das langweilige Palm-Logo gestarrt, erscheint eine Begrüßungseite, auf der man aufgefordert wird, ein Palm-Konto anzulegen. Dafür braucht man unbedingt eine schon freigeschaltete Karte, die auch auf das Netz zugreifen kann (In der Schweiz gibt es massive Probleme für Swisscom-Kunden, weil deren Datenanbindung im Betriebssystem des Pre falsch registriert und somit kein Konto anlegbar ist. Es klappt nur, wenn man zuerst eine andere Simkarte einlegt und damit das Online-Konto anlegt). Der Vorgang ist aber relativ schnell erledigt, und man wird durch ein Startmenü geführt. Nebenbei lernt man auch die Gestensteuerung kennen.

Denn der kleine Trackball beim Palm ist nicht die einzige Navigationshilfe. Der gesamte Bereich um den Trackball herum ist eine Sensorfläche, welche "Vor-" und "Zurück-" Knöpfe ersetzt.

Zum Schluss kann man noch seine Mailkonten angeben. Ich nutze Googlemail, die Einrichtung war dementsprechend einfach. Das galt auch für die Kontakte und den Kalender. Alles war sofort online, und ich konnte loslegen.

4. Look and Feel

Wie oben schon mal angedeutet - der Palm macht einen wertigen Eindruck, aber die Hülle ist sehr glatt. Will man den Palm einhändig aufschieben, um an die Tastatur zu kommen, muss man schon arg kräftig auf das Display drücken. Ob das auf Dauer so gut ist?

Hat man die Tastatur gefunden, ohne dass das Handy zu Boden gefallen ist, muss gleich noch mal aufpassen: In einem amerikanischen Test stand sinngemäß, dass man mit den Kanten des Sliders auch Käse schneiden kann. Das kann ich bestätigen. Die untere und beide seitlichen Kanten sind erstaunlich scharf. Man schneidet sich nicht in die Haut, aber unangenehm ist es doch.

Das Plastik der Rückseite fühlt sich etwas billig an, verbiegt sich aber unter Druck kaum.

Stören kann auch das schwarze, in Klavierlack gehaltene Plastik. Man sieht jeden Fingerabdruck, aber das kennt man ja von anderen Geräten. Die sehen genau so lange sehr gut aus, wie man das Gerät nicht anfasst.

5. Die Tastatur

Schon auf den Fotos sieht die Tastatur ziemlich klein aus. Auf auf den ersten Blick liegen die Tasten sehr eng beieinander. Aber erstaunlicherweise lässt sie sich auch mit etwas breiteren Fingern sehr gut bedienen. Sowohl mit der Daumenspitze, als auch mit den Fingernagel lassen sich die Tasten gut erreichen. Man liegt selten daneben, und die Tastatur hat einen sehr angenehmen Druckpunkt. Nicht zu fest, aber auch nicht zu weich. Auch die Aufteilung auf der Tatstatur ist wirklich gut. Zumindest so lange man bei den Buchstaben bleibt.

Denn für die Zahlen war kein Platz mehr, was sich auf Dauer als kleines Ärgernis erweist. Vor allem, wenn man ein Passwort hat, das aus vielen Zahlen besteht. Man muss die orangefarbene Taste drücken und kann dann eine Zahl wählen. Das muss allerdings bei jeder Zahl wiederholt werden. Auch Sonderzeichen sind schwer zu erreichen. Aber das ist eben der Nachteil von festen Tastaturen.

Tatsächlich habe ich mir zwischendurch immer mal wieder gewünscht, dass der Pre auch über eine On-Screen Tastatur verfüge, die man bei Bedarf aktivieren kann. Das liegt nicht nur daran, dass man die Zahlen schlecht erreicht, sondern auch, weil man das Gerät schwer aufschieben kann, weil es so rutschig ist.

6. Der Bildschirm

Das erste, was mir durch den Kopf ging, als ich die ersten Bilder auf dem Display sah: "Mann, das ist aber scharf". Tatsächlich ist die Qualität des Displays außerordentlich. Die Farben sind sehr lebendig, die Helligkeit gut und die Schärfe macht jener der käseschneidenden Gehäusekanten problemlos Konkurrenz. Ich habe aber den Eindruck, dass das sehr schöne Display etwas zu Lasten der Akku-Laufzeit geht.

Der Touchscreen reagiert sehr gut. Im Gegensatz zu Android-Handys hat der Palm Pre auch die vom iPhone bekannte Multi-Touch Funktionalität. Man kann also mit einem Fingerwisch ein Bild vergrößern oder verkleinern. Es gibt eine ganze Reihe von unterschiedlichen Befehlen, die man erst einmal erlernen muss.

7. Der Trackball

Beim Palm kann der Trackball etwas mehr, als ich vom HTC gewohnt bin. Zum einen aktiviert er auf Druck ein Programm; er dient aber auch zur Navigation. Wischt man mit dem Finger von rechts nach links über den Trackball und die angrenzende Fläche, kann man eine Seite zurück blättern. Andersherum blättert man nach vorne. Das ist im ersten Moment ungewohnt, aber eine geradezu geniale Sache. Einmal daran gewöhnt, will man es nicht mehr missen.

8. Erster Blick auf den Desktop

Der kommt komplett leer an. Keine Programme, keine Uhr. Oben gibt es die übliche Statusleiste mit Akku-Anzeige, Uhrzeit und sonstigen Infos des jeweiligen Providers. Ganz unten gibt es eine Art Programmleiste, eine Mischung aus der Taskleiste bei Windows 7 und dem Dock von MacOS. Denn man kann die Taskleiste bei Pre auch vom Boden lösen und durch die Gegend schieben.

Unter der Leiste gibt es noch mal Platz für ein schmales Feld. Da wird angezeigt, wenn man eine neue Mail oder SMS bekommen hat. Klickt man auf das jeweilige Symbol, öffnet sich dann das Programm. Das ist sehr praktisch, aber es ist etwas fummelig, die kleinen Symbole zu treffen.

Im zweiten Testbericht werden wir uns mit dem WebOS des Palm Pre auseinanderesetzen.

[postlist "and" "Palm" "Pre" "Test"]

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