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17.07.12

Olympus OM-D E-M5 im Kurztest: Beeindruckende Fortentwicklung

Vor etwa einem Monat gelang es mir endlich, die mittlerweile schon fast sagenumwobene Olympus-Kamera OM-D E-M5 zu erwerben. Da ich zurzeit auf Weltreise bin, weiß ich nicht, wie die Verfügbarkeit in Europa aussieht, aber hier in den USA und in Kanada waren die Dinger für Monate ausverkauft. Hier meine Eindrücke, besonders im Vergleich zum Vorgängermodell.

Mein Kollege Wolf-Dieter Roth hat in seinem ankündigenden Artikel im Februar bereits die Grundzüge der Olympus OM-D E-M5 erläutert, weshalb ich mir die Zahlen sparen werde. Kollegin Gabriele Remmers hat zudem in ihrer Marktübersicht zu den Systemkameras auf die OM-D hingewiesen.

Weil es mittlerweile so viele Reviews gibt, insbesondere im englischsprachigen Raum, die der OM-D E-M5 praktisch durchweg gute Noten geben, werde ich mich auf die Aspekte beschränken, die meines Erachtens nach wirklich bemerkenswert sind.

Fortschritte im Vergleich zum Vorgänger

"Micro Four Thirds wird erwachsen" - das ist in einem Satz das Fazit, das ich nach einem Monat mit der OM-D ziehen kann. Die Kamera macht alles richtig, was die E-PL2 schon vor ihr richtig machte und darüber hinaus auch noch das besser, was die E-PL2 nicht oder nicht genügend gut konnte. Das hat freilich seinen Preis, aber dazu komme ich gleich.

Welches sind also die wichtigsten Probleme, die Micro Four Thirds bisher plagten? Meiner Meinung nach waren dies:

  • High ISO Noise, bzw. Sensorrauschen generell
  • Langsames oder unzuverlässiges CDAF (Contrast Detection Autofocus)
  • Bedienbarkeit, insbesondere bei den kompakten Modellen

Nun gehörte ich ja zu denen, die mit den Features der E-PL2 schon recht zufrieden waren, auch wenn ich offen zugebe, dass die Bilder einer E-PL2 nicht an diejenigen einer digitalen Spiegelreflex herankommen, die Bedienung und der Autofokus erst recht nicht. Umso erfreuter war ich, als ich im Umgang mit der OM-D feststellte, dass die Kamera die E-PL2 in jeder Hinsicht übertrifft: Höhere Auflösung ist klar, höhere ISO-Möglichkeit ebenfalls und, wenn man die technischen Tests bereits gelesen hat, weiß man auch, dass die Dynamic Range höher ist. Wirklich beeindruckt haben mich aber die folgenden Verbesserungen:

Massiv verbesserte Bildstabilisierung

Tatsächlich ist diese so gut, dass man praktisch bei doppelt so langer Belichtungszeit wie bei der E-PL2 noch scharfe Bilder machen kann. Im Vergleich zur optischen "Mega O.I.S."-Bildstabilisierung des Micro Four Thirds 100-300mm Teleobjektivs von Panasonic, liefert das Sensor-Shift System von Olympus mindestens ebenbürtige, eher sogar bessere Resultate.

Deutlich verbesserte Tonaufnahme bei verbesserter Videoaufnahme

Windrauschen und allgemeine Tonqualität sind mit dem eingebauten Mikrofon deutlich besser als bei der E-PL2. Hinzu kommt die offensichtlich bessere Bildqualität dank Full HD.

Bessere Lichtmessung

Obwohl bei der E-PL2 bei weitem nicht schlecht, ist die E-M5 in diesem Bereich deutlich besser. Die verbesserte Bedienung dank der zusätzlichen Knöpfe und Räder an der richtigen Stelle erleichtert zudem eine manuelle Messung. Anders als die E-PL2, die tendenziell um 0.3-0.7 eV überbelichtet hat, kriegt die OM-D auch das auf Anhieb richtig hin.

Schnellerer, zuverlässigerer Autofokus

Offenbar keine wahnsinnige Verbesserung mehr zur EP-3, ist das Upgrade von der E-PL2 doch enorm. Der Autofokus findet praktisch sofort statt und ist dank mehr Fokusfeldern auch präziser. Mit der E-M5 kann man daher nun auch schnell bewegende Objekte zuverlässig erfassen und festhalten. Dank Fokusassistenz-LED auch bei schlechten Lichtverhältnissen. Das liess die E-PL2 schwer vermissen.

Bessere Bedienbarkeit

Gerne unterschätzt wird die Tatsache, dass eine gute Kamera sich von einer schlechten nicht nur durch das unterscheidet, was drin steckt, sondern auch durch das, worin sie steckt. Die OM-D, obwohl etwas schwerer als die E-PL2, liegt deutlich besser in der Hand und das Daumen- und das Zeigefingerrad vereinfachen die Bedienung erheblich. Kein einziges Mal habe ich mich mehr "vertippt", was bei der E-PL2 mit dem seltsamen Scrollrad doch häufiger passierte.

Bessere High ISO Performance

Während die E-PL2 spätestens bei ISO 800 deutliches Rauschen aufwies, kann man bei der E-M5 problemlos bis 1.600 mit ISO-Auto arbeiten. Ich muss dazu allerdings sagen, dass ich nach Möglichkeit immer mit der tiefsten Einstellung arbeite.

Nachteile

Das geringfügig höhere Gewicht spielt in der Praxis keine Rolle und ließe sich andernfalls durch den optional erhältlichen Handgriff aus der Welt schaffen. Klare Nachteile sind indes der Preis, der deutlich höher liegt als die bisherigen "Pen"-Modelle, allerdings meiner Meinung nach absolut gerechtfertigt. Die Olympus OM-D E-M5 gibt es beispielsweise bei Amazon derzeit ab 1.099 Euro (nur Gehäuse).

Ein Problem stellt zudem zurzeit die Tatsache dar, dass Ersatzbatterien in den Läden noch nicht einfach erhältlich sind. Das ist gerade auf Weltreise unpraktisch, aber wohl nur eine Frage der Zeit.

Und schließlich ist die Rauschunterdrückung, wohl als Kompensation zur höheren ISO-Tauglichkeit, tendenziell zu stark und es gehen Details verloren. Ich schalte diese daher ab und korrigiere anschließend wo nötig in der Software. Zu guter Letzt verfügt die OM-D über keinen eingebauten Blitz mehr. Wer wie ich aber immer den externen Viewfinder mit der E-PL2 rumtrug und den Blitz selten brauchte, merkt davon nichts. Im kleinen Täschchen am Trageriemen hängt nun einfach der Aufsteckblitz, dafür ist der Viewfinder immer in der Kamera. Ein guter Kompromiss, zumal man für echte Blitzlichtfotografie sowieso einen stärkeren Blitz braucht.

Objektive

Ich habe das Kit mit dem ebenfalls neuen 12-50mm Objektiv gekauft. Dieses ist wie die Kamera auch, Staub und Spritzwasserfest und wesentlich besser als sein Ruf. Es bietet eine gute Reichweite von großem Weitwinkel bis Portraitzoom und hat außerdem eine ziemlich beeindruckende Makro-Funktion. Damit ist es im Vergleich zu den bisher erhältlichen MFT-Objektiven de facto drei Objektive in einem (Weitwinkel, Kit-Zoom und Makro). Und das bei äußerst kleinen Abmessungen und geringem Gewicht. Wer nicht bereits alle drei dieser Bereiche mit hochwertigen Objektiven abgedeckt hat, sollte daher überlegen, ob er die 100 Euro gegenüber dem 14-42 mm Kit Zoom drauflegen will. Meines Erachtens lohnt sich die Sache insbesondere, wenn man sonst kein Objektiv unter 14 mm Brennweite hat.

Fazit

Ohne den Kurzbericht allzu sehr in die Länge zu ziehen, kann ich als Fazit daher bisher nur sagen, dass die OM-D E-M5 wohl die erste Micro Four Thirds Kamera ist, die auch für semiprofessionelle und professionelle Fotografen in Frage kommen dürfte (ohne mich dabei auch nur annähernd mit diesen Leuten vergleichen zu wollen). Zumindest habe ich bisher auf meiner Reise sowohl ungläubige Feedbacks eines Enthusiasten erhalten, wie schnell die Kamera fokussierte ("it looked, like it didn't focus") und ein Birder mit 10-kg-Objektiv und fetter Canon 1D konnte nicht glauben, wie klein meine Ausrüstung war (bei gleicher effektiver Brennweite).

Trotz dieser Fülle an Funktionen kann die Kamera auch als simpler Point-and-shoot eingesetzt werden und liefert dabei praktisch ausnahmslos technisch makellose Bilder, wohl insgesamt die größte Verbesserung gegenüber dem Vorvorgängermodell E-PL2.

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