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20.11.13

Nubert NuPro A-100: Rauschfrei durch digitale PC-Lautsprecher

Nubert ist eine ausschließlich im Direktvertrieb erhältliche Lautsprechermarke, die unter HiFi-Kennern einen guten Ruf hat. Seit einiger Zeit gibt es von Nubert auch PC-Boxen, die neueste Ausführung arbeitet volldigital. Wie klingen und funktionieren diese im Vergleich zu anderen PC-Lautsprechern und ihren großen Schwestern? neuerdings.com hat es getestet.

Nubert NuPro A-100

Als ich, um auch Surround-Ton wiedergeben zu können, von meiner Grundig-Stereoanlage X55 auf ein mehrkanalfähiges Gerät umsteigen musste, stellte sich natürlich das Lautsprecherproblem: Die Aktiv-Regalboxen von Grundig waren hier nicht mehr das Richtige, zudem hatte ich ja nur zwei davon.

Zwar hatte ich beim Saturn-Hanswurst eine Onkyo-Anlage im Paket mit fünf Lautsprechern zu einem Preis entdeckt, für den es normal nicht einmal den Verstärker gab. Doch es war klar, dass diese Lautsprecher nur ein Notbehelf sein konnten: Die Hauptboxen klangen muffig, wie noch gar nicht ausgepackt, der Center-Lautsprecher quäkte schrill und die Rear-Boxen waren viel zu leise. Erst mit einem Aufdrehen von Bass- und Höhenregler - was heutige Verstärker gar nicht mehr besitzen - war der Klang halbwegs erträglich, doch nicht gut und meilenweit von der Grundig-Anlage entfernt. Aber immerhin war erst mal überhaupt etwas zu hören.

 

Doch die Tour durch die Münchner HiFi-Läden, um brauchbarere Schallwandler zu finden, war unergiebig: Beim Discounter, von dem die Anlage stammte, standen nur die Lautsprecher akustisch günstig, die verkauft werden sollten, ein Vergleich verschiedener Modelle war kaum möglich. Und im Fachgeschäft kam ich mir vor wie in der "Unglaublichen Entführung der verrückten Mrs. Stone": Der Verkäufer fragte mich, was ich denn für Musik hören wollte - "ah, Classic Rock, also das ist doch Musik der 60er, ja da habe ich hier was, original aber restauriert"...und er zeigte mir ein Paar Boxen aus den 60ern, die auch so klangen und auch als Frankensteins Sarg hätten durchgehen können...

Auch in weiteren Fachgeschäften wurde ich nicht wirklich fündig - und fragte mich auch, wie ich die großen Boxen denn nach Hause bekommen sollte.

Technik statt Voodoo

Dann stieß ich auf Nubert: Ein Ingenieur, der nicht mit Esoterik und Voodoo Lautsprecher anpreist, sondern mit Technik, was aber nicht heißt, dass die Nubert-Boxen nicht auch optisch interessant sind, und dabei preislich mindestens 50% unter dem Niveau der im Handel erhältlichen Marken bleiben – so das Versprechen. Überprüfen kann man es ohne Risiko durch Bestellen, da man alle Lautsprecher nach Hause geliefert bekommt - damit entfällt schon mal das Problem, einen Parkplatz in der Innenstadt und dann auch noch Standboxen in einen VW Polo zu bekommen - und einen Monat testen kann. Und zwar vor Ort zuhause, wo sie ja auch gut klingen sollen - und nicht im Geschäft.

Da ich mich nicht entscheiden konnte, ob ich nun große Standlautsprecher oder lieber kleine Regalboxen mit Subwoofer wollte, bestellte ich erstmal beides. Die Post musste eine Extratour fahren, der gelbe Wagen war randvoll. Danach der Hausflur. Das Ergebnis: Die Standboxen blieben, die Regalboxen zusammen mit dem Subwoofer kamen im Klang nicht dagegen an und gingen zurück. Der Subwoofer ließ zwar die Dinosaurier aus Jurassic Park bis zum Nachbarn trapsen, war mit den Standboxen dennoch entbehrlich. Center-Lautsprecher und Rear-Böxchen tönten auch bestens, für letztere wurden noch Ständer nachgekauft, weil sie sich am Boden nicht wirklich wohl fühlten.

Jenseits der Brüllwürfel

Als Nubert auch PC-Lautsprecher ankündigte, war ich daher gespannt, doch dauerte es etwas länger bis zur Realisierung und bis dahin hatte ich das Thema wieder vergessen, meine Altec-Lansing Plastikböxchen mit Subwoofer waren ja so schlecht auch nicht und die Geldbörse ohnehin leer. Doch nun gibt es die zweite Generation der PC-Lautsprecher von Nubert, volldigital und in drei Baugrößen mit 60, 80 und 100 Watt Ausgangsleistung und 27, 33 und 37 cm Höhe. Sowie Preisen von 285, 345 und 525 Euro – pro Box wohlgemerkt. Das klingt nach viel, doch es sind studiotaugliche Nahhör-Lautsprecher, keine "Brüllwürfel". Das kostet anderswo mehr.

"Volldigital"? Was bedeutet das?

Nun, sofern das Audio-Signal nicht ohnehin digital eingespeist wird - über USB mit maximal 48 kHz und 16 Bit oder über SPDIF elektrisch oder optisch mit bis zu 96 kHz und 24 Bit -, läuft es als erstes über einen A/D-Umsetzer Cirrus Logic CS 5364. Es folgen 384-kHz-PWM-Verstärker, ein Tiefpass vor den Lautsprechern wandelt dann zurück in analog, da weder Lautsprecher noch Ohren digital arbeiten.

Im Gegensatz zu anderen Boxen mit Class-D-Digitalverstärkern wird hier nicht erst wieder auf analog umgesetzt und dann PWM erzeugt, sondern direkt das Digitalsignal in PWM umgerechnet. Das Ergebnis fällt einem sofort beim Einschalten der Boxen auf: Egal, welche Lautstärke man einstellt, man hört ohne Signal absolut nichts! Kein Rauschen, kein Brummen...

Das allerdings kann auch Angst machen...wer nicht weiß, wie laut es wird, dem könnte es die Ohren wegblasen, wenn er das Signal einschaltet. Nubert empfiehlt deshalb auch, erst das Signal einzuschalten und dann die Boxen, zumal diese sich so automatisch auch auf eine brauchbare Verstärkung einpegeln.

Der USB-Eingang erspart eine eigene Soundkarte - gerade bei Notebooks ist diese ja oft qualitativ nur mäßig, was dann in Kombination mit so einem High-End-Lautsprecher ungünstig wäre. Er ist auf 16 Bit / 48 kHz eingeschränkt, damit der Lautsprecher nicht nur am USB-Port eines Computers funktioniert, sondern auch von USB-Ausgängen eines iPads oder Androids gesteuert werden kann. Dies wird vom Hersteller zwar nicht garantiert, da die Hersteller der Tablets und Smartphones die Spezifikationen und Software ihrer Geräte jederzeit ändern können - momentan funktioniert es aber bestens.

Tasten statt Drehknöpfe – die Kunden wollten es so

Die Bedienung ist auf Wunsch der Kunden auch volldigital: Einen Laustärkeregler im klassischen Sinn sucht man vergeblich - die Käufer der ersten PC-Lautsprecherserie hatten sich über die Drehknöpfe echauffiert. Deshalb gibt es nun zwar eine Infrarot-Fernbedienung, aber nur noch "Up-Down"-Tasten - und weitere Funktionen über ein Menü.

Mir sagte das Menü weniger zu, es ist etwas ungewohnt, und wenn einem, weil man es wagt, ohne Flash-Blocker ins Netz zu gehen, plötzlich ein Werbespot ("Prima leeeeben und spaaaaren!!!") mit 20 dB über Normalnull um die Ohren fliegt, ist man für einen Drehknopf sehr dankbar, mit dem man ganz schnell leise drehen kann - bis man 20 x "down" getippt hat, haben sich die Ohren auch so abgeschaltet.

Auch sind die mitgelieferten Kabel momentan mit 1,50 m und 2 m für den Netzanschluss einfach zu kurz. Man sollte gleich längere mitbestellen. Nur das Verbindungskabel zwischen linker und rechter Box ist mit 3 m mehr als ausreichend.

Und der Klang?

Doch all dies ist nebensächlich, denn der Klang der Boxen ist eine Offenbarung. Man ist erstaunt, welche Tonqualität selbst in MP3s und Webradio am PC stecken kann, und welche Bässe auch die kleinste der drei Aktivboxen produzieren kann, und zwar ganz entspannt und natürlich, nicht effekthascherisch wie bei manchen Bluetooth-Böxchen.

Dabei können noch etliche Klangparameter nach persönlichem Geschmack feinjustiert werden, wobei der Frequenzgang dabei gegebenenfalls linear ansteigend oder absinkend eingestellt werden kann, nicht gebogen wie bei den früher üblichen Klangreglern für Bässe und Höhen. Doch die Linear-Einstellung ist bereits absolut ausreichend und die Testzeit von einem Monat in diesem Fall überflüssig: Ich habe noch von niemand gehört, der diese Boxen wieder zurückschicken wollte und der Hersteller ist prompt in Lieferschwierigkeiten geraten - ab Ende des Monats will man aber wieder "flüssig" sein...

 

Technische Daten Nubert nuPro A-100 (Herstellerangaben)

  • Beschreibung: Vollaktiver HiFi-/Studio-/Multimedialautsprecher
  • Bauprinzip: Zwei-Wege-Bassreflex
  • Bestückung: 1x Hochtöner mit 19-mm-Seidengewebekalotte
  • 1x Mittel/Tieftöner mit 120-mm-Polypropylenmembran
  • Frequenzgang (+/- 3 dB): 50 bis 22.000 Hz (einstellbare untere Grenzfrequenz)
  • Nenn-/Musikleistung: 2x 60/80 Watt
  • Eingänge: 2x S/PDIF (optisch, elektrisch), USB, Stereocinch analog
  • Ausgänge: Link, Sub Out
  • Lieferumfang: Fernbedienung, USB-Kabel, 2x S/PDIF-Kabel (optisch, elektrisch)
  • Adapterkabel 3,5-mm-Klinke auf Stereocinch, Netzkabel
  • Abmessungen (H x B x T): 27 x 16,5 x 16,5 cm
  • Gewicht: 4,3 kg

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