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12.06.12Kommentieren

Noxon dRadio 110: Guter Ton für Blinde und Sehbehinderte

Radio ist das logische Medium für Sehbehinderte und Blinde, doch moderne Geräte plagen den Nutzer mit immer mehr komplizierten Menüs, teils nur am Fernseher einzusehen, oder gar Touchscreenbedienung. Schon für Sehende mitunter schwer zu durchblicken, werden diese für Blinde zu einem Menü mit sieben Siegeln. Als Abhilfe wird von Terratec ein Blindenradio mit Sprachmenü kommen.

Noxon Digitalradio dRadio 100: Basis des Blindenradios dRadio 110 (Bild: Noxon)Es fiel mir an den sonst ausgezeichneten Digitalradios von Pure Digital bereits unangenehm auf: Die Bedienungsmenüs sind mitunter lästig kompliziert. Den Wecker vor Fronleichnam abzuschalten, weil dies ein Feiertag ist, ist mit so vielen Menüscrollereien und Tastendrücken verbunden, dass ich lieber einfach am Vorabend den Netzstecker lupfe, und mich auch morgens an einem Arbeitstag nach dem Aufstehen nicht damit aufhalte, das Gerät über die vorgesehenen Menüeinstellungen abzuschalten - es geht nach einer Stunde auch so wieder aus, aber das manuelle Abschalten erinnert an die ersten Winword-Versionen ("Wollen Sie ausschalten?" - "Wollen Sie wirklich ausschalten?" - "Warum wollen Sie ausschalten?") und ist in halbwachem Zustand ein Ding der Unmöglichkeit.

Wird dann ein Touchscreen als "Vereinfachung" angeboten, so macht dies die Radiobedienung für die "Generation 60+" noch schwieriger: Die bevorzugt mechanische Drehknöpfe mit fester Funktion, nicht "Soft-Funktionstasten" mit je nach Menüpunkt unterschiedlicher Funktion, weil sie diese oft gar nicht mehr erkennt und deshalb nicht ahnen kann, was eine Berührung nun diesmal auslöst. Schade, da ich meinem Vater gerne ein DAB+-Radio spendiert hätte, damit er den Deutschlandfunk endlich ohne Störungen hören kann. Meine diesbezüglichen Eingaben an Pure blieben unerhört, auch wenn man dort sonst für Verbesserungsvorschläge sehr offen ist und so immerhin nachrüstete, dass das Wecken sich auf Montag bis Freitag beschränken lässt.

Merh Erfolg hatte da der Geschäftsführer der Bayern Digital Radio GmbH (BDR), Johannes Trottberger, beim Technikchef Joachim Uhrig von Terratec, als er diese Problematik auf den Münchner Medientagen 2011 anschnitt.

Joachim Uhrig war dem Thema gegenüber aufgeschlossen, ebenso wie die Geschäftsführung von Terratec, und der Hersteller erweiterte das seit September 2011 lieferbare Digitalradio dRadio 100 um einen USB-Port, an dem ein Stick mit über 200 Sprachdateien angeschlossen werden kann, sowie um fühlbare Bedientasten und ein rastendes Drehrad. Auch die Bedienungsanleitung ist nun "vertont" verfügbar - zunächst als CD, später auch als Sprachdatei auf dem USB-Stick.

Damit können ältere Menschen, die nicht mehr so gut sehen, nun auch ein modernes, menügesteuertes Gerät bedienen - bisher waren sie auf ältere Radios mit "Drehknopf" angewiesen, bei denen sie zwar auch lange brauchten, um einen bestimmten Sender zu finden, doch zumindest nicht mit "interaktiven" Menüdialogen zu kämpfen hatten. Die Digitalradioangebote waren so stets außen vor.

Vorführung der praktischen Inbetriebnahme des Geräts durch einen Tester (Bild: wor)

Das neue Modell dRadio 110 wurde am 6. Juni 2012 erstmals in der Landesgeschäftsstelle des Bayerischen Blinden-und Sehbehindertenbundes e.V. präsentiert und soll ab Ende Juli im Handel sein - bei gleichem Preis von knapp 90 Euro gegenüber dem Normalmodell, die Entwicklungskosten hat Terratec nicht auf den Gerätepreis aufgeschlagen. Besitzer des bisherigen dRadio 100 können dieses updaten.

Das Gerät soll auch im Fachhandel verfügbar sein, damit dieser es gegebenenfalls zum Kunden liefern und dort anschließen kann, falls dieser dies trotz "tönender Anleitung" nicht selbst tun kann.

neuerdings.com wird das Terratec dRadio 110 nach Verfügbarkeit einem Praxistest unterziehen - es dürfte das passende Geschenk sein, um den älteren Familienmitgliedern besseren Radioempfang nahezubringen, die an einem Touchscreen-Gadget aus den erwähnten Gründen keine Freude haben. Das dRadio 110 empfängt auch normal analog auf UKW und kann ebenso am Kabel angeschlossen werden. Es ist dann nicht wie die üblichen tragbaren Geräte auf das Hantieren mit einer Teleskopantenne angewiesen.

Bei der Präsentation wollte man es übrigens ganz korrekt machen, schaltete das Gerät extra aus und baute es auseinander, bevor man es von einem blinden Nutzer wieder in Betrieb nehmen ließ, was dann vom Fernsehen gefilmt wurde. Das schlug dann prompt zunächst fehl, weil der USB-Stick nicht steckte.

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