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29.02.12Leser-Kommentar

Nokia 808 mit 41-Megapixel-Kamerasensor: Worum es wirklich geht

Das Nokia 808 Pureview macht Schlagzeilen mit einem 41-MP-Sensor. Was kann man von einer solchen Smartphonekamera erwarten? Und müssen sich etablierte Kamerahersteller jetzt vor Nokia fürchten?

Das Nokia 808 schlägt wegen seines Kamerasensors hohe Wellen, auch bei uns: «41 Megapixel!» Insofern lohnt sich ein genauerer Blick: Nokia rückt die Kamerafunktion des neuen 808 ganz klar in den Fokus der Aufmerksamkeit. Die «41 Megapixel» klingen erst einmal wie eine Kampfansage - sicher an andere Smartphones, aber auch an die Kollegen aus der Fotoindustrie. Das passt durchaus zu Nokias Strategie: Das Unternehmen war schliesslich bereits 2004 als einer der ersten Handy-Hersteller auf der weltgrössten Fotomesse, der Photokina in Köln.

Seitdem ist viel passiert, vor allem das Nutzerverhalten in Sachen Handyfotografie hat sich gewandelt. Doch trotz der Fortschritte, die man bei den integrierten Kameras im Telefon beobachten konnte, gibt es auch auf der Photokina in diesem Jahr noch die traditionellen Kamera-Hersteller. Es werden nach wie vor «normale» Kameras entwickelt und verkauft. Wird sich das mit Nokias 41 Megapixel-Schocker ändern?

 

Die Bildqualität des Nokia 808 Pureview ist brillant und bestechend rauscharm, schaut man auf die bisher gezeigten Testbilder. Aber es müssen die Informationen aus 41 MP (beziehungsweise 38 MP effektiv) verarbeitet werden, auch wenn im Normalfall eine Bildauflösung von 5 MP genutzt wird (default-Einstellung). Dabei geht es nämlich nicht um eine Wahnsinns-Auflösung, sondern darum, genug Bildinformation für das Pixeloversampling zu haben. Es werden mehrere Pixel zusammengefasst, um die Information für ein Super- oder Meta-Pixel mit besonders guter Farbtreue zu errechnen. Auch für ein Bild in 5 MP Auflösung wird daher die gesamte Sensorfläche genutzt - also die Information aus bis zu 41 MP. Das lässt erstmal für die Verarbeitungsgeschwindigkeit nichts Gutes ahnen, so dass man auf echte Tests gespannt sein darf.

Dann heisst es, hier würde nicht mit einem digitalen Zoom gearbeitet. Das ist richtig. Die Formulierungen sind sehr schön vorsichtig, denn es handelt sich trotzdem nicht um ein echtes optisches Zoom, wie man es aus der Fotografie kennt. Es gibt ein Objektiv mit einer festen Blende, und die Vergrösserung wird durch unterschiedliche Ausschnitte des Bildes erzeugt. Auf Grund des verfügbaren Detailreichtums aus den 41 MP müssen Zoomaufnahmen nicht interpoliert werden und haben voraussichtlich auch weniger Verluste oder Artefakte als bei einem digitalen Zoom. Trotzdem werden sie eine andere Charakteristik haben als solche, die mit einem konventionellen (optischen) Zoom fotografiert werden. Ausserdem werden wahrscheinlich die Rauschwerte nach oben gehen, wenn das «Zoom» eingesetzt wird.

Von der Technik her klingt das alles hochspannend, und wie gesagt: Die Fotos machen einen tollen Eindruck. Das Nokia 808 Pureview soll sich aber wohl kaum schwerpunktmässig als «Kamera» durchsetzen - ich glaube ja, das Nokia einfach prima Handys baut, und eines davon macht jetzt halt besonders gute Fotos.

Sollte die Fotoindustrie trotzdem kalte Füsse bekommen und flott nach neuen Märkten suchen? Eine Handykamera mit einem Sensor, der grösser ist (1/1,2 Zoll) als in den meisten Kompaktkameras (üblich sind 1/2,3 Zoll) und dann auch noch eine so hohe Auflösung hat, das wird doch echte Konkurrenz bedeuten. Oder?

Die Trends haben sich in den letzten Jahren nicht grundlegend geändert: Je besser die Handy-Kameras werden, desto mehr verschwinden die Billig-Knipsen, die für EUR 50 in der Schütte an der Supermarktkasse verramscht werden. Die unteren Qualitätssegmente bei Kompaktkameras wurden und werden von den Handy-Kameras weggefressen.

Ängste der Fotoindustrie haben sich immer wieder als unnötig erwiesen, es gibt nämlich den anderen Trend: Gute Handy-Kameras machen Lust auf mehr! Sie führen heute mehr Menschen an die Fotografie heran und bringen sie auf den Geschmack. Und wenn man dann an Grenzen stösst - weil die Handy-Kamera kein ordentliches Zoom hat, das Objektiv nicht so lichtstark ist, oder der Telefonakku während einer Fotosession schlappmacht -, ja, dann hat die Fotoindustrie einen neuen Kunden.

So ein Kunde ist toll, denn der interessiert sich nicht für eine einfache Kompakte, sondern wahrscheinlich gleich für eine höherwertige Kamera, vielleicht sogar für eine Systemkamera (ob nun mit oder ohne Spiegel).

Hier die Daten zur Kamera (Auszug von Nokia-Webseite):

41 MP Sensor mit Nokia Pureview Pro Imaging Technologie und Carl Zeiss Optik

16:9-Sucher mit einfacher Touchscreen-Bedienung (Komplettes Display des Handys)

Xenon Blitz mit Reichweite bis zu 3,5 m, automatischer Füllblitz

Dauer-LED Licht für Videoaufnahmen

Autofokus oder Fokuspunkt über Touchbedienung anwählen

Fokus-Modi: Hyperfokal, Makro, Unendlich und Auto

Fokusbereich: 15 cm ~ unendlich

Makro: 15-50 cm

Blende: F2.4 durchgehend (auf Grund der Pureview Technologie)

Brennweite: 26 mm (16:9-Format) / 28 mm  (4:3-Format) (Angabe entsprechend Kleinbildformat)

Bildformate und Auflösungen:

16:9 (2 MP, 5 MP [Default], 8 MP, 41 MP)

4:3 (3 MP, 5 MP, 8 MP, 41 MP)

Aufnahme-Modi: Auto, Motivprogramme (Scenes), Spezialeffekte (Creative)

Gesichtserkennung

Bildformat: JPEG

Automatisches Geotagging von Bildern und Videos

Integrierte Bildbearbeitung

[postlist "and" "Nokia" "808"]

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Kommentare

  • Simon

    01.03.12 (12:56:33)

    Die Promo Fotos die Nokia auf ihrem offiziellen Flickr Account haben sehen ja super aus, da scheint die neue Technik ja tatsächlich den Ansprüchen gerecht zu werden. Die Praxisfotos die heise geschossen hat, sehen allerdings schon nicht mehr ganz so gut aus: http://www.heise.de/newsticker/meldung/Nokia-808-PureView-Demo-und-Fotos-1445169.html Auf jeden Fall finde ich es gut, dass Nokia in Richtung Fotohandy schaut was da noch so geht. Insgesamt sicherlich die richtige Strategie, auch wenn ich nicht verstehe warum es jetzt auf einmal doch wieder ein Symbian Handy ist....

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