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13.11.11

Nokia Lumia 800 im Test (1/5): Wenn zwei Giganten zusammenspannen

Der erste Teil dieser Serie soll beleuchten, wo Nokia und Microsoft derzeit stehen und die Herausforderungen darlegen, denen sich das Nokia Lumia 800 gegenüber sieht.

 

Anschnallen, Schlüssel umdrehen und das Gaspedal durchdrücken - so stellt man sich bei Nokia/Microsoft eine Aufholjagd vor. Keine Zeit für Kleinigkeiten, schliesslich geht es um Marktanteile. Und das Beste daran: Das Konzept geht auf, denn das Lumia zeigt mit dem frischen Mango (Windows Phone 7.5), was Überstunden und Motivation bewirken können.

Dabei sah es vor rund einem Jahr noch ganz anders aus, die Symbian-S^3-Geräte hechelten dem Markt hinterher, krankten bei der Bedienungsgeschwindigkeit, und das Image in der Öffentlichkeit sank zusehends. Es bessert sich nun etwas, durch Anna, das kommende Belle und die neue C(-hristie?, -hantale?). Doch die grosse Rettung verspricht Windows Phone. Das sieht freilich nicht jeder so. Viele Kollegen, Blogger und Nerds betrachten die gemeinsame Zukunft Nokias und Microsofts als schon jetzt zum Scheitern verurteilt: «Minus plus Minus gleich Plus? Mathematisch unmöglich, aber bei Technik vielleicht denkbar?»

"Bei der Hardware sind wir stark"

Nokia ist nicht unbedingt für Symbian bekannt, sehr wohl aber für unverwüstliche Geräte. Klassiker wie das 31xx- irgendwas oder 6110 kommen einem da sofort in den Sinn. Dann gab es eine kleine Durststrecke, das zwar gut verbaute aber anfällige 5800XM zum Beispiel. Ein Sturz aus 80 cm Höhe flach auf das Display und der Touchscreen war im Eimer. Wenig später war man mit N8 oder E7 wieder im Geschäft.

Das Lumia 800, genau wie auch das N9, ist aus einem Plastik, das für schlagfeste Hockeyhelme verwendet wird. Aus einem Stück gefräst und mit einem zu den Seiten abgerundet auslaufenden, kratzfesten Touchscreen. Echte Ecken mit runden Seiten setzen sich vom Einheitsbrei ab. Und die Auswahl an WP7-Geräten ist noch überschaubar.

Jeder fängt mal klein an...

Windows Phone 7 (WP7) steht für einen völlig neuen Anfang in Redmond. Bruch mit alten Paradigmen, alten Programmschnipseln und altbackenem Design. Metro UI soll’s richten. Man will neue Zielgruppen erschliessen. Denn es gibt ein klitzekleines Problem, und das schimpft sich «Ökosystem». Wer bereits ein Smartphone besitzt, wird höchstwahrscheinlich Geld in Software gesteckt haben und bestimmte Eigenheiten des mobilen Betriebssystems als «normal» voraussetzen. Doch so wie Engländer lernen, links zu fahren, gewöhnen sich User an ihr OS - deshalb braucht es für einen ersten Marktstart die Hilfe der unentschlossenen Handynutzer. Einer Zielgruppe, die noch kein Smartphone besitzt oder mit dem jetzigen nicht zufrieden bzw. überfordert ist.

Wer will schon Windows Phone?

Für Geeks bietet WP7 auf den ersten Blick nur wenig Überraschungen, ein Easter-Egg hier, eine nette Animation dort und ansonsten das Gleiche in Grün Microsoft-Nokia-Blau wie bei den anderen auch. Sofort fällt dem geschulten Auge die ineffiziente Platzausnutzung auf: Riesige Überschriften, auf dem Homescreen rechts eine riesige leere Leiste und immer wieder schwarzes Nichts.

Laut Nokia und Microsoft soll das auch neuen Smartphone-Kunden die Berührungsängste nehmen, nicht alles gedrängt darstellen und das Design auflockern. Die freien Räume und grossen Überschriften sollen das Scrollen erleichtern. Statt versehentlich ein Icon zu aktivieren, wischt man im Nichts. Selbst mich als Hardcore-Linuxer und «M$»-Verächter überzeugt das Konzept.

WIP hat nichts mit VIP zu tun!

WP ist WIP, «Work In Progress». iOS startete ohne Copy&Paste, Android hakte am Anfang, WP fehlt lediglich der Feinschliff. Denn was bisher zu sehen ist, beeindruckt: Es ist schnell, schick, anders. Ob wir die Quadrate Kacheln, Widgets oder Liveticker nennen spielt keine Rolle, die Funktion ist bei allen dieselbe und die kann sich sehen lassen. Doch es hapert bei der Social Media-Integration, Podcasts können noch nicht mobil abonniert werden, sondern müssen über die Desktop-Software Zune hinzugefügt werden, und ohne Windows-Live-Konto geht nichts.

Viel Potential und Marktpräsenz

Windows Phone ist Bestandteil der grössten Plattform, Microsoft Windows. Die Integration von xBox-Live, die das «Weiterspielen» unterwegs erlaubt, schiebt eine riesige Bugwelle vor sich her. Und Nokias Name und Geräte finden sich durch alle Bevölkerungsschichten. Wie sehr sich das im neuen Lumia 800 widerspiegelt, erfahrt ihr in den kommenden Tagen.

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