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20.06.08

Nokia E71 getestet: Funktionalität als Eleganz

Das Nokia E71ist ein würdiger Nachfolger für die bisherige Produktivitäts-Königsklasse E61i. Im Multimedia-Bereich sind die Neuerungen nicht ganz so beeindruckend wie anderswo.


Das Nokia E71 löst das E61i ab. Alle Bilder © All About Symbian

Während wir hier noch strampeln, um von Nokia ein E71-Testgerät zu kriegen, hat Steve Litchfield von All About Symbian längst einen ausführlichen Bericht verfassen können. Sein Fazit:

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Das Nokia E71 im Vergleich zum E61i: Nicht nur schlanker, auch sehr viel eleganter.

Er sagt sinngemäss, das E71 sei ein miniaturisiertes Meisterwerk, das in allen Belangen der Produktivität massive Verbesserungen bringt und - jenseits des N90 - Blackberry, Windows-Mobile-Geräte und das iPhone für Arbeits- und Kommunikationszwecke weit hinter sich lässt. Und das alles im Formfaktor eines ganz normalen Mobiltelefons.

Leise Abstriche macht Steve bei den Multimedia-Fähigkeiten. Dabei ist in Betracht zu ziehen, dass diese zum Beispiel dem iPhone in Sachen Hard- und Software abgesehen vom Display noch immer überall überlegen sind.

Er fasst es so zusammen:

 

Das iPhone überragt die Konkurrenz, wenn es um den Konsum von Inhalten geht; die Stärken des E71 liegen in der Schaffung von Inhalten.

Trotzdem: Videoaufnahmen, 3.2 Megapixel Autofokus-Kamera, Frontkamera für Video-Anrufe, Flash lite (Youtube-fähig) und die integrierten Upload- und Download-Möglichkeiten von Multimedia-Inhalten sind für mich und wohl die Mehrheit der Gerätchen-Arbeits-Nomaden nette Dreingaben, aber kein Must.

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Nokia E71 Formfaktor: Gleich dünn wie das E61i, aber viel schlanker - ohne grosse Abstriche bei Monitor und Tastatur

Mir reicht eigentlich die Beschreibung, dass das E71 ein rundum verbessertes E61i ist, in einem angenehmeren Formfaktor und - das ist meine Anforderung an die Hardware - mit integriertem GPS. Zusammen mit 8GB-MicroSD-Unterstützung und 160 MB RAM und der damit beseitigten Speicherproblematik des E61i hat es endgültig alles, was ich derzeit haben will. Mein aktueller Breitmaulfrosch E61i dient nämlich vor allem vier Zwecken: Er ist Routenplaner und Mobiltelefon unterwegs, dient daheim und unterwegs mit WLAN als kostengünstiges "Festnetz"-Voip-Telefon, es ist Kalender- und Email-Maschine und gelegentlich Notizblock an Veranstaltungen.


E71: Podcasting, Flash, FM-Empfang und Direktuplaod sind Multimedia-Eigenschaften, die der Geschäftsmann kaum braucht, vielleicht aber schätzt.

Nach dem Wechsel vom Palm Treo vor einem halben Jahr hat mich das etwas zu weiche, obwohl deutlich grössere Keyboard gestört. Und hier, sagt Steve, hat Nokia dazu gelernt: Die Tasten liegen zwar auf dem E71 unmittelbar aneinander, aber der Druckpunkt und die Wölbung sind gerade um soviel verbessert worden, dass das E71 an den Treo rankommt - und dessen Keyboard war bisher ungeschlagen unter den Daumenklavieren. In seinem persönlichen Test schrieb Steve 28 Wörter (Englisch - kurze Wörter!) in einer Minute, etwa gleichviel wie mit dem E61i. Ich kann mir nach zwei Wochen Üben nicht vorstellen, dass der durchschnittliche iPhone-Benutzer je ein solches tempo erreicht. Zwei Daumen sind nun mal schneller als ein Zeigefinger. Intelligtene Textvorhersage hat das E71 übrigens auch (obwohl ich mit Steve Litchfield einig gehe, dass dies bei dem Tipptempo kaum mehr Zeit spart, weil das hochblicken auf den Monitor und das bestätigen des Wortes mehr Zeit braucht als es fertig zu tippen. Auf Deutsch mag das etwas anders sein, aber da ich ohnehin ständig Gemischtsprachlich unterwegs bin, wird das ohnehin kein Thema sein).

Dass die Software am E71 in Sachen Kalender, Email und Telefonbuch ein bisschen verbessert und die Funktionalität der bisherigen Copy-Paste und anderer Funktionen verschlimmbessert wurden, sind für mich nicht so wichtig, ebenso wenig wie die nach wie vor angeblich etwas umständliche SMSerei oder die massiv verbesserte Einrichtung von Email-Konten - letzteres hilft einem grade ein Mal, SMS spielt in eminem Nutzerprofil eine Rolle weit hinter Email.

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Das Nokia E71 verbessertes das Tethering (Gebrauch als Modem)

Hardware-Verbesserungen, die ich aber wirklich schätze, ist der Verzicht auf den unsäglichen proprietären Anschluss zugunsten einer standardisierten Mini-USB-Buchse und, dazu passend, eine extreme Vereinfachung des Tethering (Benutzung des Telefons als Modem): Nach dem Anschliessen des USB-Kabels installiert das Telefon automatisch die Treiber auf dem Notebook und stellt die Verbindung her.

Dass sich das gesamte Telefon verschlüsseln lässt - alle Inhalte zu encrypten, dauert laut Steve Lichfield zwar eine Weile, aber im Gebrauch danach merke man keinen Unterschied (wobei der Prozessor angeblich rund 50% schneller ist als der im E61i) - könnte theoretisch meinen Passwort-Safe überflüssig machen, obwohl ich erstens kaum vor jedem Gebrauch ein Passwort in mein Telefon eintippen will und zweitens Kreditkarten, Sozialversicherungsnummer und alle sonstigen lebenswichtigen Daten wohl dennoch zusätzlich verschlüsseln würde.

Im Geschäftsleben wird das E71 nicht nur wegen seiner VPN-Unterstützung punkten, sondern auch mit der Fernlöschung: Ein Anruf auf das verlorene oder gestohlene Handy genügt, um alle Benutzerdaten restlos zu löschen. Missbrauch durch böswillige IT-Abteilungen nicht ganz ausgeschlossen...

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Nokia E71 Hauptkamera (auf der Front sitzt noch eine): Autofokus, LED-Blitz, Makro und 3.8cm Minimalabstand

Ich werde das E71 bei der ersten Gelegenheit einer akribischen Untersuchung unterwerfen, aber ich sehe eigentlich jetzt schon, dass es mein grade eben erst vollständig verstandenes E61i ablösen wird. Dieses hat mein Festnetz-Telefon zu Hause eliminiert, das E71 wird den zweitletzten Schritt tun und den Bluetooth-GPS-Empfänger verbannen. Fehlt nur noch eine wirklich brauchbare Kamera - aber für meine Ansprüche auch an Spaziergang-Fotografie wird es eine Handy-Kamera wohl nie machen.

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Nokia E71 Testbild (Klick für Ausschnitt 1:1)

Ein letzter Punkt schliesslich, den ich dem E61i schlecht verzeihen kann, ist mit dem E71 behoben worden: Es hat sowohl Sprecher-unabhängige als auch trainierbare Sprachwahl. Das E61i lässt kein Training von Sprachbefehlen zu, was das Anwählen von Telefonnummern durch Sprachbefehl beispielsweise am Bluetooth-Headset faktisch unbrauchbar gemacht hat.

Bisher fand ich dieses Feature ziemlich überflüssig, obwohl ich gelegentlich im Auto gerne mit einem simplen namensaufruf gewählt hätte. Seit ich das Mobiltelefon aber auch zu Hause auf insgesamt drei "Leitungen" als Kommunikationsgerät nutze und es dabei immer in seiner Cradle neben dem Rechner steht, während ich mit Bluetooth-Headset in der (winzigen) Wohnung herumspaziere, habe ich mir mehrfach gewünscht, es würde funktionieren.

Und, wenn wir schon abschliessend dabei sind: Das Annehmen und Aufhängen bei Voip-Anrufen via Bluetooth-Headset-Knopfdruck wäre auch ein gewaltiger Fortschritt. Aber alles kann man wohl nicht haben.

Copy/Paste allerdings muss nun einfach sein.

[Via AllaboutSymbian]

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