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16.08.13Leser-Kommentare

Kommentar: Nokia entwickelt das bessere Windows Phone

Das erste echte Update für Windows Phone 8 erreicht Nokia. Die Finnen geben sich aber nicht damit zufrieden und packen wieder einmal einige eigene Funktionen obendrauf. Rechnet man noch mit ein, dass Nokia inzwischen viele der wichtigsten Apps für das System selbst bereitstellt, muss man sich die Frage stellen, wer eigentlich die treibende Kraft hinter Windows Phone ist - und was zur Hölle Microsoft macht.

Pro Camera: App künftig für alle Nokia-Lumia-Modelle. Alle Bilder: Nokia Pro Camera: App künftig für alle Nokia-Lumia-Modelle

Windows Phones von HTC kamen bereits im Juli in den Genuss des ersten größeren Updates GDR2. Nokia zieht jetzt nach - und gibt dem Update einen eigenen Namen: "Amber". Zu Recht, denn neben den System-Updates hat Nokia noch einiges mehr dazu gepackt: Flip to Silence ist darunter, das Aufwecken des Telefons per Doppeltipp, Glance Screen oder die Nokia Smart Camera für andere Telefone als das Lumia 925. Den Finnen selbst reichen offenbar die spärlichen neuen Funktionen nicht aus, die Microsoft vorgesehen hat.

Denn ernsthaft: Wenn man die bereits im vergangenen Herbst angekündigte Datenkontrolle DataSense jetzt erst für alle Telefone freigibt, Xbox Music verbessert und es tatsächlich als Update verkauft, wenn Smartphones mit dafür längst ausgerüsteter Hardware jetzt UKW-Radio nutzen können, dann stimmt irgendetwas nicht. Ein echtes Update für Windows Phone vom Kaliber eines Windows Blue, soll in Planung sein. Es könnte längst überfällige Verbesserungen mitbringen, die etwa das Multitasking betreffen. Vor 2014 wird das allerdings nichts mehr. Auf der einen Seite herrscht deswegen Verwunderung, auf der anderen handeln die Betroffenen selbst.

Nokia tut, was man ohne die Hilfe von Microsoft eben tun kann. Selbst am Kernel herumschrauben, kann, will und darf man dann doch nicht. Aber Verbesserungen wie ein intelligenterer Sperrbildschirm fallen eigentlich in den Zuständigkeitsbereich von Microsoft. Auch das nächste geplante Update GDR3 soll kaum nennenswerte neue Funktionen mitbringen, nur die Hardware für die Zukunft vorbereiten, etwa Quadcore-Prozessoren und Full-HD-Displays unterstützen - was Android bereits vor einigen Generationen konnte.

Hier lässt man sich betont Zeit; bei anderen Entscheidungen konnte es Microsoft dafür nicht schnell genug gehen. Im vergangenen Herbst wurde Windows Phone 7 in den Wind geschossen und die Zukunft eingeführt: Windows Phone 8. Die Veränderungen waren zwar nur marginal und einige Probleme wie das maximal zufriedenstellende Multitasking wurden gleich mit übernommen, auf den Versionssprung aber bestand man in Redmond. Denn Windows 8 und Windows Phone 8 sollten auf dem gleichen Kernel laufen, die Systeme zusammen wachsen. Wer den Prügel dafür einstecken musste, war Nokia. Weil man die Telefone Lumia 900 und 610 mit WP7 erst wenige Monate vor dem Start von WP8 auf den Markt gebracht hatte und nun praktisch schon wieder beerdigen konnte, hagelte es Kritik. Synergien zwischen Windows 8 und Phone 8 gibt es bis heute nur wenige.

Microsoft wirkt überfordert

Es mangelt an neuen Features. Daniel Rubino von WP Central analysierte kürzlich Microsofts zögerliche Update-Politik und kam zu dem Ergebnis, dass die mobile Sparte des Konzerns derzeit die ganze Energie darauf verwende, um bekannte Luxus-Apps wie Instagram auf Windows Phone zu holen. Und dafür müsse man vor allem Reichweite erzielen. Deswegen brächte das nächste Update GDR3 vornehmlich eine breitere Unterstützung für neue Hardware mit.

Auf einem derart hart umkämpften Markt wie dem Smartphone-Markt wird es allerdings schwer, Reichweite ohne gute Argumente zu erzielen. Neue Funktionen müssen sein, wenn man schon nicht mit den besten Apps aufwarten kann. Microsoft sorgte bei Windows Phone 7 erst für Aufsehen durch das bemerkenswerte Mango-Update (WP 7.5), das über 500 neue Funktionen mitbrachte. Die Nutzerbasis von Windows Phone ist heute um ein Vielfaches höher, die neuen Funktionen allerdings fehlen oder sollen vom Hauptpartner Nokia erbracht werden. Der ist mittlerweile nicht nur für neue Funktionen, sondern auch einige der wichtigsten Windows-Phone-Apps wie Here, Smart Camera und Pro Camera zuständig. Microsoft wirkt mit seinen zahlreichen Baustellen von Windows 8 über Surface und RT bis hin zu Windows Phone zunehmend überfordert.

Das Nokia-Amber-Update soll für alle aktuellen Lumia-Modelle in Deutschland bis Ende September ausgeliefert werden.

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Kommentare

  • Flo M.

    16.08.13 (16:04:49)

    Das mit der Überforderung kann man mit Fug und Recht unterschreiben. Ich selbst habe ein WP8-Gerät, bin damit zufrieden, aber immer wieder stößt man an Grenzen, die Konnektivität von Skype und Facebook ist beispielsweise miserabel, und so denkt man schnell, dass es unfertig ist. Aber das ist nicht nur das Problem von WP8, ich arbeite (oder habe es versucht) seit kurzem mit Windows 8 und Outlook 2013, es wirkt ALLES so unfertig.

  • Paddy

    17.08.13 (11:28:17)

    Ich kann mich an meine HTC-Zeit vor etlichen Jahren erinnern. Damals kamen die wirklich cleveren und coolen Features auch von HTC, nicht von Microsoft. Hat mich damals schon gewundert. Mittlerweile hätte man eigentlich erwarten dürfen, dass Microsoft schlauer und innovativer geworden ist. Offenbar doch nicht.

  • Gatsching

    22.08.13 (09:09:00)

    Also das Android schon eher mit Quadcore umgehen konnte, lag daran, dass es sein musste. Denn ohne Quadcore kahm es echt zu rucklern beim Swipen usw.. Das läuft erst mit Quadcore gut. Die Displayauflösungen die hier erreicht werden, sind doch eh alle übertrieben. Ich habe immer das Gefühl, dass vergessen wird, dass durch die hohe Auflösung auch wesentlich mehr Energie verbraucht wird und dann noch Quadcore. Na ja. Bei WP8 reicht halt ein DualCore für eine richtig gute Performance. Ich würde mal sagen, da kann sich Android ne scheibe abschneiden. Die OS's mit der besten Performance sind nun mal iOS und WP mit, achtung, DualCore. Das Microsoft so lange brauch, liegt daran denk ich, den Code nicht zu zumüllen. Also alle meine Meinung. Will niemanden zu nahe treten.

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