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06.09.07

MP3 - SUISAfrei!

MP3-SUISAfrei

Liebe Schweizerinnen, liebe Schweizer, liebe in der Schweiz lebende Verbraucherinnen und Verbraucher

Zwangsgebühren Urheberrechtsvergütungen der SUISA gab's schon immer. Schon immer haben wir uns ein bisschen geärgert und es zugleich ein bisschen eingesehen.

Früher fielen zum Beispiel auf Leercassetten (die Älteren erinnern sich) gemäss Tarif 4a 33 Rappen pro Stunde Aufnahmedauer an.

Selbst bei einem Fünferpack, das man damals gern kaufte, mit CHF 1.65 kein Killer fürs Taschengeld-Budget. Die Abgabe machte also damals (aus dem Gedächtnis rekonstruiert) weniger als 10% des Kaufpreises aus.

 

Heute noch relevant ist der Tarif 4b, nach dem auf einer CD-ROM pro 525 MB Speicherkapazität bzw. einer Stunde Abspieldauer 5 Rappen anfallen. Das macht bei einer 50er-Spindel wie der nebenstehend abgebildeten CHF 3.30 aus - wiederum etwa 10% des Kaufpreises. Auch das haben wir hingenommen, murrend zwar, denn auch wer seine PC-Festplatte auf CD-ROM sichert, wird zur Kasse gebeten.

Bei der DVD wurd's gemäss Tarif 4c noch ein bisschen teurer mit 45 Rappen pro DVD (4.7 GB). Das nervt noch mehr, da DVDs noch viel mehr für Daten-Backups eingesetzt werden, und auch der prozentuale Anteil der SUISA-Abgabe stieg weiter an: Da eine DVD+R inzwischen für etwa 1.50 zu haben ist, beträgt er schon 30%.

Seit dem 1. September ist nun allerdings nochmal alles ganz anders. Und auch, wenn es in den letzten Monaten schon viele Blogger gab, die sich lautstark echauffiert haben - siehe hier - so richtig bewusst sind uns die Konsequenzen davon erst seit gestern klar.

Das liegt unter anderem daran, dass die SUISA von ihren wie oben gesehen bisher recht einfachen Tarifen abgekommen ist und sie durch eine beispiellose Flickschusterei ersetzt hat - siehe Tarif 4d:

 

für Chipkarten
– mit weniger als 512 Megabyte (MB) Speicherkapazität

Fr. 0.0253 pro MB

– mit weniger als 1 Gigabyte Speicherkapazität

Fr. 0.0178 pro MB

– mit 1 aber weniger als 2 Gigabyte Speicherkapazität

Fr. 0.0145 pro MB

– mit 2 aber weniger als 4 Gigabyte Speicherkapazität

Fr. 0.0078 pro MB

– mit 4 und mehr Gigabyte Speicherkapazität

Fr. 0.00467 pro MB


für Harddisc in Audio-Aufnahmegeräten
pro 1 Gigabyte Speicherkapazität

Fr. 0.469


für Harddisc in Audiovisions-Aufnahmegeräten
pro 1 Gigabyte Speicherkapazität

Fr. 0.346

Natürlich, auch damit hätte jeder mit einem funktionierenden Taschenrechner sich schon ausrechnen können, was das auf seinem Player ausmacht, aber irgendwie ist das ganze Ausmass vielen trotzdem erst gestern klar geworden.

Der iPod touch mit seinem 16-GB-Flash-Speicher (16 * 1024 = 16'384 MB), gestern vorgestellt, führt zu einer Abgabe von 16'384 * 0.00467 = CHF 76.51. Darunter kann sich jeder etwas vorstellen.

Auf diesen iPod passen rund 180 Stunden Musik (MP3, 192 kbit/s). Ist der Speicher so gross, weil Apple vermutet, dass jeder soviel Musik aufspielt? Wohl nicht, sondern vermutlich wird bei den meisten Usern ein nicht geringer Teil des Platzes entweder leer bleiben oder, wahrscheinlicher, mit Videos gefüllt werden.

Wenn nun die SUISA behauptet, dies alles sei lediglich die logische Fortführung der oben genannten Abgaben, und die Tarife seien keineswegs a) inkonsistent oder passten b) nicht mehr zu den heutigen technischen Realitäten und c) das alles habe damit zun tun, dass die CD-Verkäufe rückläufig seien, dann müssen die schon recht abgebrüht sein (was sie allerdings möglicherweise doch nicht sind, sonst müsste Suisa-Direktor Alfred Meyer nicht seinen Pressesprecher vorschicken ).

Vielmehr hat man offenbar diese Preise vor Jahren festgelegt, damals nicht an Handys als MP3-Player gedacht (auf das fast identisch aussehende und funktionierende iPhone fällt keine Abgabe an), hält nun aber starrsinnig an der Laufzeit von 22 Monaten fest - dabei ist abzusehen, dass sich in dieser Zeit die Speicherkapazität nochmal locker z.B. auf 80 GB verfünffachen könnte - dann wären 380 Franken Abgabe zu zahlen, und die Parität zwischen eigentlichem Preis und Zwangsgebühr wäre erreicht (dass das nicht so absurd ist, wie es klingt, kann jeder Autofahrer an der Zusammensetzung des Benzinpreises ablesen).

Deswegen müssen wir jetzt etwas dagegen tun, denn die SUISA wird diese fetten Pfründe nicht einfach wieder herausgeben, nur weil irgendwann die Relationen völlig aus dem Ruder laufen. Hier geht's los.

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