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27.02.13Kommentieren

Mobile World Congress: Der Fluch der Erwartungen

Der Mobile World Congress ist neben der Consumer Electronics Show, der Internationalen Funkausstellung und der Computex die wichtigste jährliche Veranstaltung für Mobilfunkhersteller, Konsumenten und auch die Presse. Bei diesen Veranstaltungen werden viele neue Smartphones hergestellt, die im Verlauf des Jahres den Markt bestimmen. Mit jedem Jahr werden diese Veranstaltungen aber uninteressanter und das Rauschen der Informationen lauter.

In Barcelona trifft sich jedes Jahr die Branche - aber nur wenige Neuvorstellungen vor Ort begeistern.

Es gab einmal Zeiten, in denen waren Messen, Kongresse und ähnliche Veranstaltungen für den Mobilfunkmarkt sehr wichtig. Jeder war vertreten, der etwas Besonderes vorzustellen hatte und der sich in der Branche einen Namen machen wollte. Die Zeiten gehen vorbei und vom reinen Informationswert driften die Messen mittlerweile nach und nach in die Bedeutungslosigkeit. Dafür gibt es nicht nur einen Grund sondern mehrere Dinge spielen hier mit hinein und diese werden sich vermutlich auch erst einmal so nicht ändern.

 

Die Großen mögen lieber Einzelauftritte

Der Markt wird größer. In der Mobilfunkbranche ist viel Geld zu holen, wenn man es richtig macht. Das bringt viele Hersteller dazu, viele Modelle auf den Markt zu bringen. Wenn man dann kein Alleinstellungsmerkmal hat, dann geht man im lauten Rauschen der Industrie und Pressemeldungen unter. Google und Samsung wissen, wieso sie ihre Top-Modelle immer mit gesonderten Events vorstellen und nicht als Bestandteil einer solchen Messe. Auch Apple zelebriert die Vorstellung eines neuen Produkts, anstatt sich auf einer Messe in die lange Schlange der Hersteller einzureihen. Von allen Messen ist die Computex aber noch die Interessanteste, denn der dort ebenfalls vertretene asiatische Markt ist unserem sehr weit voraus und beherbergt teilweise sehr verrückte Produkte. So bekommen wir einen tatsächlichen Ausblick auf die Zukunft und die Entwicklung der nächsten zwei Jahre.

Alltägliches geht in der Masse unter

Wenn man kein herausragendes Produkt hat, das so gut ist, dass es sich von allen anderen abgrenzt oder das in seinen Eigenschaften so besonders ist, dass es im Hinterkopf bleibt, dann hat man auf den großen Messen abseits der Computex als Hersteller verloren. So waren die Highlights der Messe nämlich nicht zahlreiche High-End-Smartphones, sondern die kuriosen Dinge. Beispielsweise das Alcatel One Touch Fire mit Firefox OS oder auch das E-Ink Doppeldisplay Yota-Phone, das schon seit einiger Zeit auf den Veranstaltungen zu sehen ist. Auch das Asus Fonepad - ein 7 Zoll großes Smartphone bleibt im Gedächtnis. Nicht etwa weil es so tolle technische Daten hätte, sondern weil ein so großes Smartphone heraussticht.

Wenn man auf eine Messe geht, dann möchte man etwas Neues und Spannendes sehen und nicht das zehnte Smartphone mit den gleichen technischen Daten wie die der Konkurrenz. Es ist der Fluch der Messe oder vielleicht sogar schon der Fluch der Mobilfunkbranche, dass man kaum Experimente wagt und lieber an dem festhält, das man als bewährt wahrnimmt. Zwar werden die Prozessoren und die Screens größer, aber ist das die Innovation, nach der sich das Technik-Herz sehnt?

Messen sollen mehr als nur Erwartungen erfüllen

Highlights gab es auf dem Mobile World Congress kaum und die wenigen Dinge, die im Gedächtnis bleiben werden, waren alle auf ihre Art und Weise besonders oder kurios. Zwar gab es zu jeder Neuvorstellung eine umfangreiche Berichterstattung der Presse, aber wirkliche Begeisterung konnte auch hier nicht aufkommen. Allen Messen fehlen derzeit die Besonderheiten - die Highlights. Das erfordert aber ein Umdenken der Industrie und eine Experimentierfreude über den zu erwartenden Fortschritt hinaus. Wer nur Erwartungen erfüllt, begeistert nicht. Und wer begeistern will, sucht sich einen Termin abseits einer großen Messe.

Bleibt zum Schluss die Frage, ob Messen dann überhaupt noch für Produktankündigungen taugen oder ob Hersteller diese nicht gänzlich auf andere Termine verlegen sollten. Denn die Aufmerksamkeit der Technikpresse ist sowieso immer da. In Zukunft scheint es für Kongresse wie den MWC vernünftiger, Besuchern das Ausprobieren neuer Geräte zu ermöglichen oder über die Zukunft der Branche zu referieren. Auch auf die Gefahr hin, dass sich die Presse dann etwas weniger für den Kongress selbst interessiert.

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