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23.10.12 08:23

, von Jan Tißler

Memoto Wearable Camera: Lifelogging als Volkssport

Das schwedische Startup Memoto will uns dazu bringen, dass wir unser Leben mit einer kleinen automatisierten Kamera festhalten. "Lifelogging" ist der passende Begriff dazu. Ihr geplantes Produkt kann man jetzt auf Kickstarter unterstützen.

So soll die Kamera später aussehen.Dank Digitalkameras müssen wir uns schon länger keine Gedanken mehr über die Zahl der Fotos machen, die wir schießen. In vielen modernen Handys und Smartphones ist eine solche Kamera gar integriert und dadurch immer dabei. Aber dennoch muss man den Apparat erst hervorholen und selbst ein Foto machen. Mit "Wearable Cameras" wollen verschiedene Hersteller das Thema nun auf die Spitze treiben: kleine Kameras, die wir uns um den Hals hängen oder an die Kleidung anklippen und die dann einmal gestartet automatisch fotografieren. Über diesen "Lifelogging"-Trend hatte Kollege Martin Weigert kürzlich auf netzwertig.com geschrieben. Und wir hatten zuletzt beispielsweise die Autographer Camera vorgestellt.

Das schwedische Startup Memoto wirbt nun auf Kickstarter um Unterstützer für einen Entwurf, bei dem die Kamera vor allem deutlich kleiner wird: 36 x 36 x 9 mm ist sie gerade einmal groß. Zugleich arbeiten die Macher an einer App, die die aufgezeichneten Lifelogs zusammenfasst.

Wozu braucht man das?

Als sie sich mit der Idee im Freundes- und Bekanntenkreis umgehört haben, seien sie auf verschiedene Anwendungsszenarien gestoßen, berichten die Macher auf der Kickstarter-Seite. Manche kommen beispielsweise aus dem Urlaub zurück und vermissen in ihren Fotos die eigentlich interessanten Momente, weil man doch wieder nur die typischen Sehenswürdigkeiten festgehalten hat. Andere finden sich in Situationen, in denen das Hervorholen einer Kamera den Augenblick stören würde. Und generell wäre es doch schön, eine Aufzeichnung seines Lebens zu haben – oder das der Kinder.

Technische Eckdaten, Speicherplatz in der Cloud

Alle 30 Sekunden soll die Memoto Camera eine Aufnahme machen, die dank GPS-Empfänger auch mit Ortsdaten versehen sind. Die Auflösung beträgt 5 Megapixel, wobei man sich schon fragt, ob hier nicht eine geringere Auflösung sinnvoll wäre, um Speicherplatz zu sparen. Der integrierte Akku hält nach den aktuellen Planungen zwei Tage durch.

Per Micro-USB schließt man die Memoto an den Computer an und dann kann man die Fotos auf die Server des Unternehmens hochladen, wo sie dann wiederum über die App für iOS oder Android abgerufen werden können. Gerade der Gedanke, eventuell intime und vor allem automatisiert aufgenommene Fotos in die Cloud zu laden, dürfte nicht jedem Gefallen. Natürlich betonen die Macher, wie wichtig ihnen Sicherheit und Privatsphäre sind. Aber guter Wille schützt nicht vor Fehlern. Immerhin versprechen sie, dass die Bilder auf nicht näher erläuterte Weise verschlüsselt würden. Und alle Fotos sollen standardmäßig auf "privat" gestellt und somit nur für den hochladenden Nutzer sichtbar sein.

Auf der anderen Seite bekäme man ansonsten bald Platzprobleme: 4 GB Daten fallen pro Tag an. Auf ein Jahr gerechnet summiert sich das auf bis zu 1,5 Terabyte. Memoto will den Nutzern unlimitierten Speicherplatz zu einem nicht genannten Monatspreis anbieten. Wer das Projekt via Kickstarter unterstützt, bekommt das erste Jahr kostenlos. Für wie wahrscheinlich man hält, dass Memoto ein Leben lang existiert und immer faire Preise für den Webspeicherplatz anbietet, muss wohl jeder selbst entscheiden. Viele Terabyte an Daten selbst zu verwalten, ist allerdings auch nicht gerade eine sinnvoll erscheinende Alternative. Diese Schwierigkeit haben natürlich auch andere "Lifelogging"-Projekte zu meistern.

Verfügbarkeit und Preise

Der Prototyp der Memoto Camera soll fertig zur Produktion sein. Vier Monate hätten zwei Ingenieure und ein Designer allein am Gehäuse gearbeitet. Die eigentliche Elektronik habe gar noch länger gebraucht. Auf der Kickstarter-Projektseite werden weitere Experten aufgelistet, um alle Zweifel an der Machbarkeit der kleinen Kamera zu zerstreuen. Wenn alles klappt, sollen die ersten Geräte im Februar 2013 ausgeliefert werden. Im Moment sei man dem eigenen Zeitplan voraus, heißt es auf der Kickstarter-Projektseite.

Die Kamera soll es in Weiß, Grau und Orange geben. Wer das Projekt jetzt unterstützt, kann sie noch für 199 US-Dollar (umgerechnet rund 152 Euro) bekommen. Der reguläre Preis wird mit 279 US-Dollar (214 Euro) angegeben.

Alle Informationen hier auf der Kickstarter-Projektseite zur Memoto Wearable Camera.

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Kommentare: Memoto Wearable Camera: Lifelogging als Volkssport

Den aktuellen Trend der Selbstdarstellung halte ich für äusserst bedenklich. Wenn es so weitergeht, kann man sich diesem kaum noch entziehen, denn es reicht ja, dass ein Gegenüber sich beteiligt. Auf diese Weise würde man unfreiwillig und ungefragt mit hineingezogen werden. Es gibt jetzt schon genug Personen, die jeden noch so kalten Furz öffentlich und fotografisch dokumentieren. Dabei ist abzusehen, dass die nahe Zukunft auch die Technik zur videografischen Echtzeitübertragung für jedermann bringen wird. Nicht nur, dass im Extremfall jede Form von Privatsphäre damit ausgehebelt wird, die Informationswelt wird zudem mit Banalitäten überflutet.

Diese Nachricht wurde von Viator am 23.10.12 (10:17:02) kommentiert.

Die Datenschutz-Beauftragten lassen grüssen! Oder vielleicht wird den "Life-Bloggern" die Lust auf solche Aufnahmen vergehen, wenn sie dauernd Gesichter, Autonummern usw. verwischen müssen, da sie sonst mit Klagen rechnen müssen...

Diese Nachricht wurde von dursus am 24.10.12 (07:17:35) kommentiert.

Die Frage ist aber auch: wer setzt sich hin und sortiert die unwichtigen von den wichtigen Momenten aus? Das Problem haben auch jetzt schon viele Hobbyfotografen, die in ihrer Bilderflut ertrinken, weil sie es nicht schaffen unwichtige Fotos auszusortieren. Dass Bilder nun auch noch automatisch oder halbautomatisch in die Cloud wandern macht das Problem nicht besser. In einem Fotoalbum zu blättern macht ja nur deshalb Spaß weil es einigermaßen übersichtlich ist und sich dort die wichtigen und bewussten Erinnerungen befinden. Ein unendlich großes Album voller Banalitäten wird sich niemand anschauen. Die Bilder verschwinden unter einer virtuellen Staubschicht in der Cloud.

Diese Nachricht wurde von Volker am 24.10.12 (07:25:44) kommentiert.
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