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19.05.16

Ratgeber

Mechanische Tastaturen

Torsten M. Roth

Es sollte ein besonderer Tag im Büro werden. Sie haben ihren Angestellten mechanische Tastaturen besorgt, der vielen Vorteile wegen. Doch bereits nach einer halben Stunde kommen die ersten Beschwerden. Das laute klicken störe bei Kundenanrufen, oder geht schlicht auf den Geist. Ihr Fehler war es wohl auf die falschen Schalter zu setzen. Aber welche Schaltertypen und Hersteller gibt es eigentlich? Und welche sind perfekt für ihre Angestellten?


(Bild: Tom Kleiner / Pixelio.de)

Mechanische Tastaturen und deren Vorteile

Während der Großteil aller PC-Tastaturen nicht viel mehr als 25-30 Euro kostet, kann eine gute mechanische Variante schnell das Vierfache erreichen. Der Grund für die günstigen Tastaturen liegt in deren Herstellungskosten. Dort werden die Tasten auf eine Gumminoppe gedrückt. Diese wird gequetscht und löst ein Signal auf einer Folie darunter aus. Schließlich befördert die Noppe jene Taste wieder nach oben.

Diese Technik nennt man „Rubber Dome“ und ist weit verbreitet. Ihr Nachteil liegt an der geringen Lebensdauer: Nach einer gewissen Zeit nutzen sich einige Rubber Domes ab, es kommt zu einer unregelmäßigen Verteilung der Anschlagstärke. Passiert dies, leidet der Komfort und die Tastatur lässt sich schwerer bedienen.

Bei teuren Tastaturen kommt in der Regel eine in Schalter (Switches) verbaute Metallfeder ins Spiel. Jene lässt die Taste zurückspringen. Zusätzlich haben die Tasten, je nach Schaltertyp, einen gewissen Auslösepunkt. In der Regel müssen sie also nicht komplett durchgedrückt werden. Man nennt eine solche Tastatur ihrer Schaltertechnik wegen auch „mechanische Tastatur“.

Dies führt zu mehreren Vorteilen.

  • Verschleiß tendiert gegen Null: Die Tasten können nicht verklemmen oder kippen. Selbst nach Jahren fühlt sich eine mechanische Tastatur noch immer fast so an wie am ersten Tag. Ein Verschleiß ist so gut wie nicht zu bemerken.
  • Tastatur verrutscht nicht: Aufgrund des hohen Gewichts einer mechanischen Tastatur ergibt sich eine besondere Standfestigkeit.
  • Deutlich höherer Schreibkomfort: Die mechanische Tastatur fühlt sich immer gleich an. Je nach Typ des Schalters wird eine spürbare Hürde am Auslösepunkt generiert. Der Vielschreiber erkennt sofort wann eine Taste betätigt wurde. Dies führt nicht nur zu schnelleren Tipp-Eigenschaften, sondern auch zum sicheren Umgang mit den Tasten.
  • Längere Lebensdauer: Heutzutage sind mechanische Tastaturen in der Regel auf 50-70 Millionen Anschläge ausgelegt. Das ist mehr als das Zehnfache einer Tastatur mit Rubber-Dome-Technik.

Dennoch ergeben sich auch Nachteile wenn der falsche Schaltertyp verwendet wird: Der Aufbau eines mechanischen Schalters kann am Auslösepunkt einen sehr lauten Ton von sich geben. Sie sollten beim Kauf also immer darauf achten, welche Schalter verbaut sind.

Die kleine Keyboard-Schalterkunde

Razor, Romer-G, QS1 oder Kailh sind nur einige der bekannten Namen und Hersteller von mechanischen Schaltern (Switches). Fast alle orientieren sich am Marktführer Cherry aus Deutschland, welcher mit seinen MX-Switches eine ganze Reihe von Möglichkeiten abdeckt.

So gibt es lineare Switches, welche sich vom Moment der Berührung bis zum Durchdrücken der Taste immer gleich anfühlen. Bei taktilen Switches spürt der Nutzer, wann eine Taste erfolgreich betätigt wurde, indem er einen kleinen Widerstand überwinden muss. Nicht zuletzt gibt es noch die clicky Switches, welche den taktilen Widerstand auch deutlich hörbar machen.


(Bild: Cherry MX Black, Cherry GmbH Aurach)

Die beliebtesten Schaltertypen

Diese Typen werden häufig in mechanischen Keyboards verbaut:

Cherry MX Black

Der MX Black ist ein linearer Switch. Er benötigt 2 mm bis zum Auslösepunkt und eine Kraft von 60 cN. Vielschreiber favorisieren ihn aufgrund des hohen Kraftaufwandes und dem im Vergleich eher geringen Auslöse-Klang. Andere stört der lange Weg und der hohe Kraftaufwand, vor allem Personen die beim Schreiben über Ermüdung der Hände klagen. 

Cherry MX Blue

Ein clicky Switch mit 2.2 mm Auslösepunkt und ebenfalls 60cN Widerstand. Dieser Schalter wäre wohl der am meisten benutzte unter den Vielschreibern. Sein taktiles Feedback überzeugt ebenso wie der klare Auslösepunkt. Problematisch wird es, wenn im Büro jemand neben Ihnen sitzt. Durch den sehr lauten Klang beim Auslösen fühlen sich viele Sitznachbarn gestört. 

Cherry MX Red

Ebenfalls ein linearer Switch mit 2 mm Auslösepunkt und 45 cN. Dieser Switch ähnelt im Aufbau dem MX Black, jedoch ist die Kraft zur Betätigung des Switches mit nur 45 cN deutlich geringer als bei der schwarzen Version. Vielschreiber mit geringer Kraft in den Fingern dürften diesen Schalter wählen wollen, auch weil er deutlich leiser als ein MX Blue ist. Andere finden das fehlende Feedback eher unkomfortabel und wählen ein anderes Produkt.

Cherry MX Brown

Der MX Brown ist ein taktiler Switch mit 2 mm Auslösepunkt und 55 cN. Er ist wohl der meist benutzte Switch von Vielschreibern. Schnelles und exaktes Tippen ist für ihn kein Problem. Damit orientiert er sich an der Variante MX Blue, ist jedoch deutlich leiser da neben dem taktilen Feedback kein Klickgeräusch zu hören ist. Zudem benötigt er 5 cN weniger Kraftaufwand. 

Inzwischen hat die Firma Cherry auch viele ihrer Schalter als „Silent“-Modell vorgestellt. Ein dafür eingereichtes Patent brachte Switches hervor, die sehr leise sind.  Die Geräuschdämpfung sorgt für eine ruhige Umgebung, auch in Großraumbüros. Beim linearen MX Black Silent wird der Sockel gefasert und damit gedämpft. Auch hier sind die Unterschiede immens.

Fazit

Wer sein Büro mit mechanischen Tastaturen bestücken will, sollte vorher unbedingt die Schalter selbst testen. Durch die nun eingeführte Silent-Technologie können auch Switches benutzt werden, welche zuvor für laute Geräusche sorgten.

Auf clicky Switches sollte man im Büro lieber verzichten. Das schont die Nerven der Angestellten und nicht zuletzt auch die Ihren. Aufgrund der Vorteile eignen sich mechanische Tastaturen für den Arbeitsalltag jedoch trotz der hohen Anschaffungskosten sehr.

Viele Tastaturen werden derzeit als Gaming Keyboard angepriesen, was jedoch nicht immer korrekt ist. Nur in den wenigsten sind Fast-Switches verbaut, welche schnelles Gaming überhaupt erst ermöglichen. Ein Beispiel hierfür ist das Q-Pad. Es eignet sich für Vielschreiber aufgrund der Ergonomie sehr gut. Die verbauten Switches sind auswählbar, zum Beispiel MX Brown.

Testen Sie also auch den Aufbau und die Switches der Tastaturen, dann sollte es kein Problem sein einen Favoriten zu bestimmen. Dementsprechend gilt: Augen auf, beim Tastenkauf.

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