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23.04.14

Lytro Illum: Profikamera mit Lichtfeldmessung provoziert die Konkurrenz

Drei Jahre nach der ersten Lichtfeldkamera mit nachträglicher Schärfevariierung hat Lytro eine neue Kamera vorgestellt, die diesmal den Profibereich anvisiert und die mehr wie eine Spiegelreflexkamera wirkt, ohne es zu sein. Die Idee bleibt heiß, doch angesichts der geringen Funktionalität und des hohen Preises stellt sich die Frage: wie lange noch?

Lytro Illum

Es ist tatsächlich schon fast drei Jahre her, seit wir die erste Lytro-Kamera zu Gesicht bekamen. Doch war die Idee des Startups revolutionär, enttäuschte die erste Kamera im Test mit einer niedrigen Auflösung, einem quadratischen Format, geringer Lichtstärke und nicht zuletzt auch einer schwachen Bildqualität. Kult wurde die Kamera dennoch, denn sie war die erste, bei dem ein gewöhnlicher Endverbraucher die Schärfe nachträglich noch variieren konnte. Völlig neue Möglichkeiten ergaben sich für die Fotografie.

Nun hat Lytro die erste echte Profikamera aus eigenem Hause vorgestellt. Die Illum kommt in der Optik einer Spiegelreflexkamera oder einer spiegellosen Systemkamera daher. Mehr Licht, mehr Variation und eine bessere Bildqualität sollen die Folge sein. Dafür sorgt ein Varioteleobjektiv. Aufgrund des hohen Preises aber läuft Lytro Gefahr, dass ihr die Konkurrenz mittelfristig den Rang abläuft.

 

Nachträglich scharf stellen

Noch hat kein Kamerahersteller dieser eigentlich so eng nebeneinander her innovierenden Industrie die Technik der Lytro kopiert. Neben Position und Lichtstärke eines Bildes misst die Lytro auch die Richtung der einfallenden Lichtstrahlen. Erst das ermöglicht im Umkehrschluss die nachträgliche Variierung der Schärfe. So ist der Betrachter, der eine Spezialsoftware benutzt, nicht mehr darauf festgelegt, das Objekt im Vordergrund scharf zu sehen, er kann etwa den Mittel- oder Hintergrund nachträglich noch scharf stellen. Der Trailer zeigt, wie das bei der Lytro Illum funktioniert:

www.youtube.com/watch

Das ist eine Möglichkeit, die ausgerechnet die Smartphone-Hersteller in ihren jüngsten Modellen oder Apps imitieren, wenn auch mit einem unterschiedlichen Prinzip. Sony, HTC und Samsung etwa haben entsprechende Möglichkeiten in ihre neuen Spitzensmartphones Xperia Z2, One M8 und Galaxy S5 eingebaut. Nokia hat einige seiner Lumia-Geräte mit einer Refokus-Funktion ausgestattet, und auch Googles neue Kamera-App für Android-4.4-fähige Smartphones bietet die Möglichkeit, die Schärfe in einmal aufgenommenen Bildern nachträglich noch zu variieren. Mein Kollege Jan Tißler hat euch die Möglichkeit hier kürzlich vorgestellt und euch einige hübsche Bilder aus San Francisco als Beispiel gezeigt. Diesem Prinzip ist gemein, dass - anders als bei der Lytro - nicht das Lichtfeld gemessen wird. Der Fotograf erhält stattdessen ein zusammengesetztes Produkt aus mehreren Bildern, die mit unterschiedlicher Schärfe aufgenommen wurden.

Smartphone-Hersteller ahmen den "Lytro-Effekt" nach

Das reicht in puncto Bildqualität, Effekt und Geschwindigkeit in den meisten Fällen nicht an die Lytro heran. Doch das dürfte erst der Beginn des Ganzen sein. Chiphersteller Qualcomm etwa hat angekündigt, mobile Chips für diese Möglichkeit flott zu machen. In der Zukunft dürfte der Effekt hier also noch deutlich flüssiger und visuell beeindruckender sein.

Bild aus der Lytro Illum: Endlich nicht mehr quadratisch. Bild: Lytro

Und vergessen wir nicht: Es sind die Kameras "platter" Smartphones, von denen wir hier sprechen. Die traditionellen Kamerahersteller von Nikon über Canon bis Panasonic haben wir hier noch gar nicht mit einbezogen. Die haben in ihren Systemkameras viel eher die Möglichkeit und das Wissen, eine Lichtfeldfunktion einzubauen und Lytro damit preislich zu unter- und funktionell zu überbieten. Und der Formfaktor der Illum legt es eigentlich schon nahe: Das ist das Terrain der etablierten Hersteller, das Lytro hier betritt. Wie lange werden die Platzhirsche das unbeantwortet lassen?

Teure Spielerei

Nachträgliche Scharfstellung wäre für die etablierten Hersteller nur eins von hunderten Features, die man in einer Systemkamera im mittleren Preissegment anbieten könnte. Die Lytro Illum hat mehr oder weniger nur diese einzige Funktion - und könnte damit schon bald alt aussehen, sollten die erfahrenere Konkurrenz nachziehen. Noch aber scheint keiner der Kamera-Urgesteine hier auf den Geschmack gekommen zu sein. Lediglich Panasonic soll bereits ein Patent eingereicht haben, das eine Lichtfeldmessung umfasst, die auch die Lytro technisch überholen würde.

Seitenansicht der Lytro Illum

Zumindest solange die Kamerahersteller nicht dagegen halten, hat die Lytro Illum aber eine Chance, Kunstfotografen mit ihrer Spielerei zu begeistern. Die Kamera verfügt über eine Maximalblende von f/2.0. Das Variotele bietet einen Brennweitenbereich von 30 bis 250mm, laut Lytro einen achtfachen optischen Zoom. Auf dem 4 Zoll großen Touchscreen lässt sich der Schärfebereich schon vorher messen und fokussieren. Auch die fertigen Bilder lassen sich hier gleich anschauen und verstellen.

Besonders viele weitere Funktionen wie manuelle Belichtung scheint die Lytro Illum in ihrem spartanisch ausgestatteten Gehäuse aber erst einmal nicht zu haben. Tests müssen jetzt zeigen, ob die Bildqualität hier überzeugen kann. Preislich zumindest ist die Illum kein Pappenstil: Umgerechnet rund 1.100 Euro sollen Käufer dafür auf den Tresen legen.

Weitere Infos zur Lytro Illum gibt es auf der offiziellen Lytro-Website.

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