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01.06.16

Hardware

Logitech ZeroTouch: Wird damit wirklich aus jedem Auto ein Connected Car?

Jürgen Kroder

Dieses Handyhalterung klingt nach einer Revolution: Dank „intelligenter“ Komponenten soll es aus jedem Fahrzeug ein Connected Car machen. Stimmt das? Wir haben das vermeintlich smarte Zubehör getestet.


(Bild: Jürgen Kroder)

ZeroTouch: Logitech verspricht das Blaue vom Himmel

Die Zukunft gehört der Digitalisierung, darüber sind sich Experten einigen. Vom Kühlschrank und den heimischen Deckenlampen bis hin zu Robotern und Maschinen wird alles mit Sensoren und einem Internet-Zugang ausgestattet. Im Automotive-Bereich spricht man deswegen vom Connected Car. Bis man das flächendeckend auf den Straßen sieht, wird es noch einige Jahre dauern. Der Computerzubehör-Hersteller Logitech will aber schon heute unsere Fahrzeuge „smarter“ machen – auch ältere Modelle. Die Lösung hierfür nennt das Unternehmen ZeroTouch.

ZeroTouch ist laut Logitech eine „intelligente Handyhalterung“, die mit spezieller Technik den eigenen VW, Audi, Hyundai oder Dacia zum Connected Car macht. Das klingt spannend, deswegen haben wir uns das knapp 60 Euro teure Zubehör angeschaut.

Etwas Hardware und eine App

Die erste Ernüchterung gibt es bereits vor den Kauf: Damit man ZeroTouch einsetzen kann, benötigt man ein Smartphone mit Android-Betriebssystem, iPhone- oder Windows-Phone-Besitzer können das Logitech-Produkt nicht nutzen. Das besteht aus drei Komponenten: Aus einem kleinen Plastikteil, den man in das Luftschlitz-Gitter seines Autos steckt. Klebt man dann eines der zwei mitgelieferten Metallplättchen auf die Rückseite seines Mobiltelefons, so wird das mittels eines recht starken Magneten an der Luftschlitz-Halterung festgehalten.

Die dritte Komponente ist die ZeroTouch-App, die man sich kostenlos aus dem Google Play Store laden kann. Hier ist ein Sprachassistent enthalten. Der versteht die versprochenen Worte und wertet sie aus. Das kennt man von Siri, Cortana & Co.

Definitiv keine Konkurrenz für Siri, Cortana und Google Now

Den Sprachassistenten aktiviert man, indem man seine flache Hand vor sein Smartphone hält. Dann gibt man den Befehl zum Anrufen eines Kontaktes, zum Schreiben einer Textnachricht, zum Starten der Navigation oder zum Abspielen der Lieblingslieder. Und Apps wie Facebook oder Twitter können damit ebenfalls gestartet, aber nicht per Sprachbefehl bedient werden.

Dinge im Internet nachschlagen, Fußball-Ergebnisse vorlesen oder das morgige Wetter ansagen – das kann die ZeroTouch-App nicht. Auch die aktuelle Geschwindigkeit des Fahrzeugs, den Füllstand der Batterie oder den Spritverbrauch kennt das vermeintlich smarte Gadget nicht. Stattdessen entpuppt sich ZeroTouch als simpler Sprachassistent mit einigen Einschränkungen. Damit ist das Logitech-Zubehör definitiv keine Erweiterung, die aus einem Auto ein echtes Connected Car macht!

Features, die zicken und nicht funktionieren

Dazu kommt noch, dass einige Funktionen nur eingeschränkt oder gar nicht funktionieren. So können Mitteilungen nicht über WhatsApp, Threema oder den Facebook Messenger abgesetzt werden, sondern nur als simple SMS.

Wenn man Musik genießen will, muss man Deezer oder Spotify installiert haben. Das Zusammenspiel mit der Android-Music-App hat in unserem Test nicht funktioniert. Ebenso verweigert das Navigations-Feature jegliche Zusammenarbeit. Stattdessen hieß es bei jedem Ziel, es könne nicht gefunden werden.

Fazit

Viel heiße Luft um ziemlich wenig: ZeroTouch enttäuschte uns auf ganzer Linie. Das, was Logitech hier als „intelligent“ verkauft, ist eigentlich ziemlich dumm. Google Now und ähnliche Sprachassistenten bieten deutlich mehr.

Somit erhält man für 60 Euro einen guten Handyhalter und eine App, die zukunftsweisend sein möchte, sich aber aktuell in weiten Teilen eine herbe Enttäuschung entpuppt. 

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