Hier finden Sie weitere Artikel aus der Themensammlung Technik

30.10.12

Logitech Harmony Touch: Universal-Fernbedienung mit Touchscreen im Test

Eine Universalfernbedienung mit Multitouchscreen? In Zeiten, in denen Millionen Menschen auf die Displays ihrer Tablets und Smartphones tippen, ist dieser Gedanke naheliegend. Das Schweizer Unternehmen Logitech hat eine passende Lösung parat: Die Harmony Touch setzt auf die bewährten Elemente ihrer Vorgänger, fügt aber einen an sich praktischen Touchscreen zur Eingabe hinzu. Aber das macht noch lange kein herausragendes Produkt aus.

Die Harmony Touch von Logitech. (Foto: Sven Wernicke)Mit einem Preis von knapp 180 Euro ist die Logitech Harmony sicherlich kein Schnäppchen. Doch schon die Verpackung wirkt edel und erinnert sicher nicht ganz zufällig an die eines Smartphones. Im Inneren befinden sich die eigentliche Remote, ein USB-Kabel, eine Ladestation und Anleitungen in mehreren Sprachen. Auffällig: Den Akku kann man standardmäßig nicht austauschen. Zwar gibt das Handbuch Aufschluss darüber, wie die integrierte Batterie fachgerecht entsorgt wird, nicht aber, welcher Akku zum Ersetzen verwendet werden sollte.

Ins Auge fällt natürlich das attraktive Design der Harmony. Die doch sehr große Wölbung auf der Rückseite führt zwar zu einem etwas seltsamen Aussehen auf dem Wohnzimmertisch, dafür aber liegt die Fernbedienung sehr gut und fest in der Hand.

Anordnung der Tasten und des Displays

Es ist sicherlich mutig von den Verantwortlichen bei Logitech, die Tasten aufgrund des Touchscreens anders als „typisch“ anzuordnen. Und so befinden sich oberhalb des Display die Knöpfe für Play, Pause, Stop, Vor- und Rückwärts sowie Aufnahme. „Skip“ sparten sich die Techniker, dafür setzen sie unter den Touchscreen manche Tasten neu an. So oder so: Etwas Eingewöhnung ist Voraussetzung und stellt manch konservativen Benutzer womöglich gar nicht zufrieden. Dass die Tasten für Home und Favoriten oberhalb des Touchscreens zuerst gar nicht als solche wahrgenommen werden, ist auch nicht optimal.

Letztlich kann man nicht von logisch oder unlogisch sprechen, es ist alles eine Frage der Gewohnheit und inwieweit man gewillt ist, mit den bekannten Konventionen zu brechen. Aber das ist zwangsläufig nötig, schließlich verfügt die Harmony über das berührungsempfindliche Farbdisplay, das regelmäßig gebraucht wird, möchte man mehrere Geräte in der Wohnung vernünftig bedienen.

Einrichtung

Ohne einen separaten Computer mit Internetverbindung läuft bei der Harmony Touch gar nichts. Die Einrichtung erfolgt ausschließlich über myharmony.com, eine kostenlose Registrierung ist demnach Pflicht. Folglich werden Computer- und Internet-Kenntnisse vorausgesetzt. Andererseits hat dies Vorteile: Die Datenbank, die aktuellen Aussagen zufolge 225.000 Geräte von über 5.000 Herstellern umfasst, kann ständig von Logitech aktualisiert werden. Das macht es theoretisch einfacher, der Harmony Touch einen neu erworbenen Fernseher beizubringen. Außerdem klappt die Installation und Änderung der Daten reibungslos: Fernbedienung mittels USB an den Rechner anschließen, Webseite aufrufen und den dort angegebenen Schritten folgen. Dabei gibt sich die Software durchaus clever: Bei unseren Tests erkannte sie wirklich alle Geräte - vom 13 Jahre alten Röhren-Fernseher bis hin zum Apple TV oder der Xbox 360. Ebenfalls kombiniert sie richtig die Geräte, um die Bedienung in der Praxis zu vereinfachen: Schaut man über den Kabel-Receiver Fernsehen am HDTV und hört über die Surround-Anlage, kann man alle relevanten Tasten automatisch belegen lassen, sodass es nicht nötig ist, nach der Lautstärke in verschachtelten Menüs zu suchen. Mehrere solcher „Aktionen“ lassen sich konfigurieren, beispielsweise fürs Spielen, für das Hören von Musik oder das Anschauen von Videos. Ein feines Feature, wenn auch für Harmony-Nutzer nicht neu.

Maximal 15 Geräte kann die Harmony Touch erlernen, das genügt im Normalfall für jeden Haushalt. Beachten sollte man allerdings, dass beispielsweise die PlayStation 3 zwar in die Liste aufgenommen wird, aber nicht verwendet werden kann. Denn für Bluetooth-Kontrolle muss ein separat erhältlicher Adapter gekauft werden. Schade.

Alles in allem ist die Einrichtung gut gelöst und bereitete beim Ausprobieren keine nennenswerten Schwierigkeiten. Einzig ein sechs Jahre alter HDTV von Toshiba wurde zwar richtig von Myharmony.com ausgewählt, allerdings funktionieren nicht alle Tasten ordnungsgemäß - genauer die Wahl des Video-Eingangs (HDMI, Scart etc.). Unglücklicher Zufall? Hoffentlich.

Wer möchte, kann übrigens noch die favorisierten TV-Sender mit Icons versehen und diese auf dem Touchscreen darstellen. Die sogenannten Favoriten ermöglichen ein flottes Aufrufen der Lieblingskanäle. Das Auswählen dieser ist komfortabel gelöst, denn man wählt abhängig von der eigenen Postleitzahl den Anbieter (Kabel, Satellit) aus, der Rest geschieht selbständig. Maximal 50 Favoriten werden simpel in einer Liste ausgewählt und zur Harmony Touch übertragen.

Grundsätzlich inakzeptabel ist das viel zu kurze und spezielle USB-Kabel, das nicht durch ein beliebiges anderes ersetzt werden kann. Logitech verwendet eben einen eigenen „Standard“.

Auf der nächsten Seite: Wie schlägt sich die Logitech Harmony Touch in der Praxis?

In der Praxis

Aufgrund der Rundung auf der Unterseite wird die Harmony Touch nie felsenfest liegen. Ein echtes Problem stellt dies nicht dar. Was fehlt, ist ein integrierter Bewegungssensor, der den Touchscreen sowie die schön beleuchteten Tasten aktiviert, sobald man die Fernbedienung in die Hand nimmt. Stattdessen ist eine Berührung immer nötig. Ungewöhnlich, in der Praxis aber nicht unbedingt mit negativen Konsequenzen verbunden, ist der Infrarot-Sensor, der sich nicht auf der Oberseite der Harmony Touch befindet, sondern auf der Rückseite. Dadurch kann man die Remote nicht auf dem Tisch liegen lassen, um umzuschalten oder die Lautstärke zu senken. Es ist sicherlich auch vom persönlichen Nutzungsverhalten abhängig, ob dies ein Problem darstellt oder nicht.

Ansonsten besitzen die Tasten einen guten Druckpunkt, besagte Home- und Favoriten-Taste dagegen hätte man besser visuell vom Touchscreen trennen sollen. Der wiederum reagiert präzise auf Eingaben. Weniger löblich ist die etwas anstrengende Steuerung. Wählt man ein Gerät aus, folgt danach eine ewig lange Liste der vorhandenen Befehle. Wieso keine Icons oder eine Nachbildung der originalen Fernbedienung - zumindest ungefähr? Stattdessen gibt’s Texte zum Antippen, das ständige Hoch- und Runterscrollen ist lästig und optisch nicht wirklich ansprechend. Zwar kann man auch hier auf Myharmony.com einige Optionen individualisieren, es bleibt allerdings bei einer Steuerung, die nicht immer mit Freude verbunden ist. Bei einer optimalen Einrichtung, durch die mehrere Geräte zusammengeführt werden („Aktionen“), dürfte dies im Alltag nicht weiter ins Gewicht fallen. Nur wehe, es wird ausnahmsweise eine bestimmte Funktion benötigt - dann beginnt die Sucherei.

Erwähnenswert ist die Gestensteuerung: Durch das Wischen über den Touchscreen können bestimmte Optionen aktiviert werden. Eine echte Bereicherung ist das nicht. Sinnvoller sind wie gesagt die Favoriten, die man mit einem Tipp aufruft. Oder man nutzt gleich die normalen Tasten für Lautstärkeänderung und dergleichen.

Dass der Zahlenblock jetzt auf den Touchscreen dargestellt wird, ist gewiss nicht überraschend und an sich gut gelöst. Denn so kann man von jeder Aktion aus auch problemlos die Tasten auswählen.

Was fehlt

Vielleicht ist man mittlerweile von Smartphones und Tablets verwöhnt? Vermutlich. Aber dennoch vermisst man einige Funktionen, die für eine Universalfernbedienung eine Bereicherung gewesen wären. So hätten der Harmony Touch installierbare Apps sicherlich nicht geschadet. Oder eine Wi-Fi-Anbindung mit der Option, das aktuelle Fernsehprogramm auf den Touchscreen zu bringen? Ein kleines Memory-Spielchen für den Zeitvertreib? Eine witzige Idee, die wohl auch in Zukunft nicht umgesetzt wird. Genauso können die Menüs nicht völlig frei gestaltet oder angepasst werden - eben mit dem, was man selbst für besonders wichtig erachtet.

Das, was Logitech hätte aber im Vorfeld überdenken sollen, ist die Bedienung über den Touchscreen. Sie wirkt mehr technisiert als intuitiv und setzt daher zu viel Eingewöhnung voraus. Gerade iOS und Android zeigen, wie eine simple Steuerung aussehen kann, hier wirkt dagegen alles erzwungen und doch dezent anstrengend. Eine Aktualisierung über ein Firmware-Update könnte noch Abhilfe schaffen. Könnte.

Fazit

Eigentlich mag ich die Logitech Harmony Touch. Sie liegt wunderbar in der Hand, lässt sich für meinen Geschmack einfach einrichten und funktioniert soweit, wie ich es mir vorstelle. Die eigenen Geräte können weitgehend problemlos verwendet werden, darauf kommt es an. Aber glücklich werde ich mit der Touch nicht so recht. Das liegt nicht einmal an dem etwas untypischen Tastenlayout, vielmehr an der eigentlichen Besonderheit: Die Steuerung auf dem Touchscreen hinterlässt einen erzwungenen Eindruck und ich empfinde dies nicht als gewaltigen Mehrwert.

Dafür fehlt es an Eingängigkeit und einer schnellen Bedienung - wann und wie ich es möchte. Sicher, ich finde in den Menüs die gewünschten Optionen, nur möchte ich am Abend zwei Minuten suchen, um bei der Heimkinoanlage den Surroundmodus umzustellen? Es ist letztlich schade, dass mich die Touch nicht begeistern kann, denn sie hinterlässt einen wertigen Eindruck und bietet eine Menge. Mein Wunsch für ein Update wäre es, wenn Logitech das Bedienkonzept noch einmal überdenkt und Nutzern mehr fürs Auge bietet - gerne grundsätzlich Icon-basiert, wie es die Favoriten schon andeuten.

Aber: Wer eine leistungsfähige Fernbedienung mit Touchscreen wünscht und die etwas zu verschachtelten Menüs nicht als anstrengend empfindet sowie keine Probleme mit einer längeren Eingewöhnungszeit hat, für den ist die Logitech Harmony Touch trotz des Preises mehr als nur eine Überlegung wert.

Update: Zur Akkulaufzeit lässt sich mittlerweile sagen, dass die Harmony Touch nach rund vier bis fünf Tagen wieder auf die Ladestation gesteckt werden muss - bei normaler Benutzung. Auch die Standby-Zeit erreicht kaum eine Woche. In Anbetracht der Leistung und dem farbigen Touchscreen ist das wohl aber nicht einmal tragisch. Beispielsweise kann man die Remote über Nacht aufladen...

Das könnte Sie auch interessieren

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer