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21.05.11

Linutop 4: Schwachbrüstiger Linux-Atom-Nettop

Der Linutop 4 der gleichnamigen Firma verwendet veraltete Hardware, ein aktuelles Ubuntu-Derivat und ein lüfterloses Design. Leider stößt der enorm hohe Preis sauer auf.

Linux wurde lange nachgesagt, es sei schnell, effizient und nur für Nerds. Spätestens mit der bekannten Ubuntu-Distribution ist dieses Vorurteil wenigstens in Teilen entkräftet. Ein Linux-OS kann aber nicht zaubern, aus einer schwachen Hardware mag es vielleicht etwas mehr Leistung herausholen wie unter einem Windows, viel Unterschied merkt man mit einer Atom CPU jedoch nicht. Sind die 400 Euro für den Linutop 4 angemessen? Die Hardware-Ausstattung ist äußerst spartanisch und nicht mehr auf der Höhe der Zeit: Eine Intel Atom N270 CPU kannten wir schon vor zwei Jahren, allzuviel hat sich an der Atom-Front (zumindest im Prozessorsektor) zwar nicht getan, bei einem Neukauf darf aber man zumindest neue Hardware verlangen.

Dazu gesellen sich der lustlose 1GB Arbeitsspeicher und der vergesslich kleine 2GB Flashmemory, von dem sich das OS anscheinend noch satte 600MB abzwackt. Die integrierte Intel GMA 950 Grafikeinheit löst bis maximal 1920x1440Pixel über HDMI/VGA auf, bei einem Speichertakt von gerade mal 250MHz sollte man für eine flüssige Wiedergabe von YouTube-Videos aber lieber ein paar Auflösungs-Stufen runterschalten. Linutop sieht zwei Plätze für SATA-Festplatten vor und erlaubt den Ausbau mit einer PCIe-Karte. Dazu gibt es 5 USB2.0 Anschlüsse und sogar den veralteten RS232 Com-Port, der immer noch rege Verwendung findet.

Das Hauptargument für den Linutop 4 soll das lüfterlose Design darstellen, in Kombination als ThinClient läßt sich damit eine stromsparende (ca. 14 Watt) und ruhige Arbeitsumgebung schaffen. Dies wird durch das Gigabit LAN und den aktivierbaren Kiosk-Modus des Linutop OS unterstrichen, also einer Arbeitsfläche, die nur Surfen, Video gucken und Emailabruf erlaubt. Linutop OS basiert auf Ubuntu und soll speziell an die Hardware angepasst worden sein. Ehrlich gesagt bezweifle ich, dass der Hersteller viele Anstrengungen bemühen musste, um Ubuntu auf die Atom-Platform optimal abzustimmen. Ubuntu sprintet nach dem Download auf fast jedem Atom-Netbook/ -Nettop ohne Probleme - WLAN-Karten bereiten oft Schwierigkeiten, doch die läßt Linutop vermissen..

So dürfte der Kaufgrund auf dem lüfterlosen Design beruhen, bei den genügsamen, mit leisen Lüftern ausgestatteten Atom-Prozessoren eigentlich auch kein überzeugendes Argument. Für 110 Euro weniger, erhält man dafür 2GB Arbeitsspeicher, eine 160GB Festplatte und sogar eine nVidia Ion GPU, der Zotac Mini Nettop hat dabei auch schon zwei Jahre auf dem Buckel, bei Bedarf kauft man sich das Linutop OS extra noch dazu.

Die Preisgestaltung verwundert mich nicht sonderlich, denn Linutop OS 4.0 alleine kostet schon 92 Euro, das mag für einen Hotelier ohne IT-Abteilung oder ein Internet-Café eventuell attraktiv klingen, als Privatmann darf man sich die Installation des originären Ubuntu getrost zutrauen: CD/ USB-Stick reinstecken, viermal auf weiter klicken und 15 Minuten warten. Das kriegen wir doch hin, oder?

Der Linutop 4 kostet 400 Euro und ist erhältlich bei Linutop.

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