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20.07.13Leser-Kommentar

Licht im Smartphone-Dschungel: Endlich starke Marken

Nach Samsung hat nun auch HTC eine kleinere Version seines besten Smartphones vorgestellt und ein größeres könnte folgen. Das Beispiel zeigt: Die Android-Liga lässt damit noch lange nicht von ihrer umstrittenen Produktschwemme ab, sie schafft es aber, ihre Marken durch klare Ankerpunkte bekannter zu machen. Das dürfte ihr langfristig gut tun.

HTC One Mini HTC One Mini

Viele Jahre lang herrschte ebenso Verwirrung wie Klarheit. Hatte man ein Desire oder One in der Hand, dann stammte das Smartphone von HTC; stand Galaxy darauf, dann war es von Samsung. LG hatte seine Optimus-Linie, Sony seine Xperias. Motorola nannte seine Modelle Razr. Und Atrix. Und Droid. HTC hat außerdem noch ein Butterfly im Angebot. Was das jeweilige Spitzenmodell war? In vielen Fällen unklar.

Heute ist es bei den meisten Anbietern deutlich leichter geworden, auf das jeweils beste Gerät zu zeigen: Samsung Galaxy S4, LG Optimus G, HTC One, Sony Xperia Z. Für diese klarere Positionierung haben die Hersteller viel Geld ins Marketing investiert. Diese starken neuen Marken nutzen sie nun aus, um ihre neuen Modelle im Markt zu positionieren.

Mehr Ones als Finger an einer Hand

HTC hat mit dem One einen kleinen Achtungserfolg gelandet und damit fast vergessen lassen, dass es unter gleichem Namen schon im vergangenen Jahr die Modelle One X, One S, One V, One SV, One XL und One X+ gab. Ein Dschungel, der kaum noch zu überschauen war, zumal in Abstand weniger Monate damit gleich mehrere Spitzenmodelle auf den Markt kamen und es zusätzlich noch die Desire-Linie gab. Verwirrung pur. Heute ist der Name "One" inzwischen klar mit dem chicen Aluminium-Gehäse des neuen Spitzenmodells verbunden. HTC hat sich etwas getraut und es wurde belohnt: Ungefähr 5 Millionen Geräte nur des einen "One"-Modells verkaufte man innerhalb von zwei Monaten.

In die Parade fuhr den Taiwanern damit allerdings Samsung. Kaum kam das Galaxy S4 auf den Markt, da war es mit den guten Aussichten für das HTC One auch schon wieder vorbei. Zehn Millionen Galaxy S4 lieferte Samsung allein in einem Monat aus, was ebenfalls einer guten Markenbildung zu verdanken ist. Samsung machte schon bei den Vorgängermodellen Galaxy S2 und S3 klar, dass dies jeweils das Spitzenmodell sein würde. HTC verzeichnete jüngst gute Quartalszahlen, die allerdings im Juni schon wieder stark nachließen - bedingt auch durch den Start des Galaxy S4.

Samsung macht es vor

HTC musste also nachlegen und tat das in dieser Woche mit dem One Mini, einer kleineren Version des One, das ihm optisch allerdings stark ähnelt. Ebenfalls noch im Gespräch ist ein Phablet mit dem Namen One Max und einem 6-Zoll-Display. Es könnte im September auf den Markt kommen - und würde aussehen wie das One in groß. HTC baut also ein Ökosystem um das One herum. Egal welches Gerät jetzt noch kommt, besser oder schlechter: Jeder Kunde kann jederzeit einen Vergleich zum One herstellen und hat einen Anhaltspunkt.

Samsung hat diese Markenanpassung längst perfektioniert. War die Herangehensweise im vergangenen Jahr mit dem Galaxy S3 und dem Galaxy S3 mini noch harmlos, verliert man inzwischen fast ein wenig die Übersicht: Es gibt das Galaxy S4, Galaxy S4 mini, das Galaxy S4 Active, das Galaxy S4 Zoom. Gut möglich, dass noch weitere Modelle veröffentlicht werden. Auch Sony nutzt den Markennamen seines stärksten Produkts Xperia Z mittlerweile für andere Produkte: Zeitgleich vorgestellt wurde das Xperia Tablet Z. Das Xperia Z Ultra ist ein Phablet mit 6,4 Zoll, das Sony selbst sogar noch "ein Smartphone" nennt.

Same same but different

Ebenfalls erst in dieser Woche hat LG eine Änderung der Markenstrategie vorgestellt: das neue Spitzenmodell, das im August vorgestellt werden soll, trägt den Namen LG G2. Es ist der Nachfolger des Optimus G; für das neue Modell hat LG allerdings den Namen Optimus gestrichen. Neuer Markenname ist das G. Die Pressemeldung, die LG dazu veröffentlicht hat, lässt vermuten, dass da noch eine ganze Menge weiterer Modelle um das G2 herum gebaut werden. Ich tippe einmal auf ein Mini- und ein Maxi-Modell. Die gleiche Markenschärfung erfährt auch LGs in Europa weniger bekannte Serie Optimus Vu im 4:3-Format, die künftig nur noch LG Vu heißen wird.

Unterm Strich fällt auf, dass die Anbieter eigentlich nicht viel Anderes machen als immer. Sie bringen Smartphone-Modelle in allen Formen, Größen und Farben heraus. Einige würden sogar von zu vielen Modellen sprechen. Neu ist aber, dass jetzt jeweils ein Ankerpunkt dabei ist. Selbst wenn es ein Galaxy S4 Absolute gäbe, wüssten die Käufer immer noch, dass es sich um das Galaxy S4 herum platziert. Ein Modell in der Mitte der Kette schafft eine Übersicht, die bislang eigentlich nur Apple mit dem konsequent verfolgten Minimalismus gelang: Es gab jeweils ein iPhone pro Jahr und kein iPhone mini, nano oder maxi. Gerüchte allerdings gibt es genug, dass auch Apple mit dieser Tradition in diesem Jahr brechen könnte. Vielleicht, weil der Markt einfach verschiedene Größen will. Solange es einen klaren Aufhänger gibt, sollte ein Hersteller damit aber keine Nachteile erfahren. Vielfalt ist gut, solange die Orientierung da ist.

Kommentare

  • Boris

    22.07.13 (21:53:06)

    Nabend! Also ich für meinen Teil halte das Ganze um nichts innovatives. Wie, z.B. soll eine "Samsung Galaxy S4 Zoom" einen Sinn ergeben, das ist eine Kamera! Die Marke heißt doch Samsung, und nicht GS4, die ist ja eh in einem halben Jahr wieder vom Tisch. Früher gab es Serien, z.B. bei Nokia, "E"- so wusste man es ist ein Businessgerät einzuschätzen, "N" - Oberklasse, "8-er" - Prunkstücke, usw. Darin hat man sich, auch nur eine Meinung, viel besser orientiert als nun mit "SGS3/4", was sollen z.B. diese schwachen "Mini"-Teile unter dem Oberklasse-Namen? Das ist doch Verbrauchertäuschung, ebenfalls wäre es früher. :-) Also diese "Submarken" sind eine reine Marketingausgeburt, um mehr raus zu holen.

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