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28.02.13

Lenovo IdeaPad Yoga 13 im Test: Tolles Ultrabook - wäre da nicht die Software

Kaum ein Hersteller verzichtet bei einem neuen Ultrabook mit Windows 8 heute auf einen Touchscreen. Lenovo geht sogar noch einen Schritt weiter: Der Screen des IdeaPad Yoga 13 lässt sich beliebig nach hinten klappen, das Gerät dann als Tablet benutzen oder hochkant aufstellen. Bei uns im Praxistest gab es dabei nur wenige Tücken, während an anderen Stellen das Nutzererlebnis leidet.

IdeaPad Yoga 13: Gute Hardware, Schwächen bei der Software. Bilder: privat, Lenovo

Bei Laptops isst das Auge mit. Bereits auf der IFA im vergangenen Jahr fiel mir der Prototyp von Lenovos IdeaPad Yoga ins Auge, und weil mir das Design gefiel, wollte ich es testen. Nicht aus Uneigennutz, sei hier der Ehrlichkeit halber gesagt. Fünf Jahre ist mein altes MacBook nun alt und so langsam muss mal etwas Neues her. Kann das IdeaPad Yoga ein Nachfolger sein? Jein.

Ja, wenn es um die kompakte Bauweise geht. Das Yoga ist ein Ultrabook in Reinform: schlank, leicht, flexibel, mit toller Haptik und dazu auch noch schnell. HD-Videos laufen ohne zu ruckeln, das Yoga lässt auch bei zwanzig geöffneten Apps kaum einen Leistungsabfall erkennen; selten außerdem, dass der eingebaute Kühler mehr als ein leises Surren von sich gibt. Ich hatte das Modell mit einem Intel Core i5, das in den meisten Online-Stores etwa 1.250 Euro kostet. Gegen Maschinerie und Gehäuse habe ich eigentlich nichts zu sagen.

Kleine Schwachstellen

Oder eher: fast nichts. Denn ein kleiner Knackpunkt ergibt sich durch die Flexibilität des Geräts: Der Bildschirm lässt sich beliebig weit nach hinten klappen - auf Wunsch komplett, womit man das IdeaPad dann als gar nicht mal so dickes Tablet auf den Schoß nehmen kann. Kritikpunkt: Zum einen sind die Scharniere etwas schwergängig. Es ist praktisch nicht möglich, das Gerät mit einer Hand zu öffnen oder weiter aufzuklappen - die zweite Hand wird benötigt, um gegenzuhalten.

Leicht in Mitleidenschaft gezogen wird bei der Nutzung des Yoga als Tablet auf dem Schoß auch die Tastatur. Die Tasten sind zwar recht solide eingearbeitet, der Dauerdruck allerdings ließ nach nur einigen Wochen des Tests bereits die Tasten "G" und "H" leicht eingedellt zurück. Bei der Nutzung als Tablet entstand zwischen dem Display und dem unteren Gehäuseabschluss, wo sich die Hometaste befindet, ein wenig "Spiel". Hier könnte sich bei langer Benutzung eine Schwachstelle ergeben.

Spieglein, Spieglein

Das Display spiegelt leider so sehr, dass eine Benutzung im Freien oder bei starker Sonneneinstrahlung fast nicht möglich ist. Es spiegelt zu sehr, egal, in welchem Winkel man sich zum Gerät setzt. Auch die automatische Helligkeitsanpassung, die nur leidlich funktioniert, kann da nichts mehr herausreißen. Ohne direkte Sonneneinstrahlung kann man mit dem Display gut arbeiten. Zyniker würden Lenovo vorwerfen, es dem typisch deutschen Wetter angepasst zu haben. Schön wiederum: Die eingebauten Funktionstasten, mit denen man Apps schließen, den Bildschirm ausschalten oder in den Flugzeugmodus wechseln kann. Auch die Flexibilität des Geräts macht sich in manchen Lebenslagen durchaus bezahlt. So kann man die Tastatur als Ständer für das Tablet betrachten, wenn man etwa nur einen Film schauen oder ein E-Book lesen möchte. Spaß machen auch Multitouch-Spiele, von denen es im Store einige gibt.

Das Problem ist die Software

Die zwei Welten von Windows 8 fordern vom Nutzer hinderliche Kompromisse ein - ich hatte das vergangene Woche bereits in einem eigenen Beitrag kritisiert. Mit jeder der beiden Oberflächen alleine - Kachel oder klassischer Desktop - lässt sich eigentlich gut arbeiten, Problem ist der Zwang, ständig zwischen beiden hin- und herzuschalten. Für mich ist das fast schon ein Ausschlusskriterium, für das Lenovo natürlich nicht viel kann. Außer vielleicht für das etwas schwergängige virtuelle Keyboard oder für Schaltflächen, die gerade im Desktop-Modus selten gut reagieren.

Ein Touchscreen-Ultrabook an sich macht in der Kachel-Oberfläche durchaus Sinn. Im klassischen Desktop ist es dafür teilweise eine Pein, Fenster mit mikroskopischen kleinen Schaltflächen zu schließen oder Dateien im Explorer von Hand in ein anderes Verzeichnis ziehen, das sich klein am linken Rand in einer Liste zwischen anderen versteckt. Hier muss man zwangsweise doch wieder zu Maus oder Touchpad greifen. Dumm nur, dass letzteres manchmal nicht mehr reagiert, nachdem man zuvor im Tablet-Modus war oder die virtuelle Tastatur benutzt hat. Das ist dann doch wieder Lenovos Schuld...

Fazit: Kaufempfehlung, ja oder nein?

Es tut mir leid, das sagen zu müssen, aber zu einem Kauf kann ich derzeit nur bedingt raten. Über einige genannte Kleinigkeiten des Systems kann man hinweg sehen, allerdings gibt es im Zusammenspiel zwischen Hardware und Windows 8 noch zu viele kleine Fehlerchen und Ungereimtheiten, die der Nutzer ausbaden muss. Das Hauptproblem liegt in meinen Augen bei Windows 8 und der misslungenen Kombination der beiden Welten Kachel/Modern/Metro UI und dem klassischen Desktop. Hier muss jeder für sich entscheiden, ob er damit arbeiten mag. Wer sich erst vor einem Jahr ein neues Ultrabook mit Windows 7 gekauft hat, dem würde ich raten, noch zu warten, bis Microsoft hier eine vernünftige Lösung vorstellt.

Zu Lenovos Hardware ist bis auf die genannten Kleinigkeiten (sehr stark spiegelndes Display, leichte Gebrauchserscheinungen nach einigen Wochen) nicht viel Negatives zu sagen. Gebt dem Ding ein mattes Display und ich könnte es fast uneingeschränkt empfehlen. Allerdings sprechen wir hier von einem Verkaufspreis zwischen 1.050 Euro (Core i3) über 1.250 Euro (unser Testmodell mit Core i5) bis hin zu 1.500 Euro (Core i7). Eine hohe Investition, bei der eigentlich alles stimmen sollte - es aber leider nicht tut. Das Zusammenspiel zwischen Lenovo und Windows 8 hat zu viele kleine Fehlerchen - ein Update, und ich wäre versöhnt. Windows 8 aber ist Windows 8. Wer damit leben und den Preis investieren mag, der bekommt ein technisch hochwertiges Ultrabook mit zweifelhafter Software. Ich selbst werde mit einem Umstieg noch warten.

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