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03.07.07

iPhone im Test: Das Fazit

Wohl kaum je wurde ein Gadget mit höheren Erwartungen herbeigesehnt als das Apple iPhone. Eigentlich war es fast unmöglich, diese enormen Hoffnungen zu erfüllen, und doch waren am Ende die meisten Testberichte mehrheitlich positiv. Im letzten Teil unseres Tests fassen wir zusammen, was das iPhone bietet und eben auch nicht bietet und fragen uns: Wer sollte es kaufen, wenn es nach Europa kommt?


Die Korrespondenten von neuerdings.com haben sich inzwischen wieder vom New-Gadget-Rausch erholt und haben auch schon erste weniger begeisternde Erfahrungen mit dem brandneuen iPhone gemacht. Zeit für ein möglichst nüchternes Fazit, was angesichts des weiter anhaltenden Hypes nicht leicht fällt. Einigen Quellen zufolge hat Apple am ersten Wochenende 700'000 iPhones verkauft, während andere Schätzung aber nur von ca. 300'000 sprechen. So oder so ist das vermutlich die erfolgreichste Gadget-Einführung der Geschichte.

 

frog iphone

Erfahrungsgemäss mögen die meisten Leute ihr Handy nicht besonders, da es kompliziert zu bedienen und in den meisten Fällen auch noch relativ hässlich ist. iPod-Besitzer hingegen lieben ihren Medienplayer meistens, weil er so schick aussieht und problemlos funktioniert. Das iPhone hat den Anspruch, der iPod unter den Mobiltelefonen zu werden, also das erste Handy, das nicht nur leistungsfähig ist, sondern auch ästhetisch gefällt und wirklich einfach zu bedienen ist.

Und dieses Versprechen löst das iPhone durchaus ein. Der iPod ist nicht der featurereichste MP3-Player auf dem Markt, und genauso ist das iPhone nicht das am besten ausgestattete Telefon. Aber die revolutionäre Benutzeroberfläche, der exzellente Webbrowser und die hervorragenden Multimedia-Features machen das iPhone ganz klar zu einer Klasse für sich. Und das meinen wir im positiven wie auch im negativen Sinn.

Begeisterung hin oder her, eins muss man klar sagen: Das iPhone ist nicht für jeden das richtige Produkt. In der Featureliste klaffen bemerkenswerte Lücken bei eigentlich selbstverständlichen Funktionalitäten wie MMS, von High-End-Features wie GPS-Empfang oder einer "richtigen" Kamera ganz zu schweigen. Ganz klar ist auch, dass das iPhone kein Arbeitsgerät ist und Blackberry, Treo und Nokia Communicator nicht vom Markt verdrängen wird. Produktivität steht hier nicht im Vordergrund, auch wenn das iPhone durchaus passable E-Mail- und Organizer-Funktionalitäten bietet. Die gewöhnungsbefürftige Bildschirmtastatur und die fehlende Copy/Paste-Funktion machen die Bearbeitung von Texten allerdings mühsam.

Punkten kann das iPhone hingegen ganz gross in den vom iPod geerbten Funktionalitäten. Bis auf die begrenzte Speicherkapazität ist das iPhone klar der beste iPod, den es je gab. Der brillante Bildschirm macht auch Videokonsum unterwegs zum Vergnügen. Selbst im grellsten Sonnenlicht sind die Bildschirminhalte, auch weisse Webseiten mit kleiner Schrift, bestens zu zu lesen. Auch dass Youtube gleich mit eingebaut ist, trägt zum exzellenten Eindruck bei.

Ebenfalls herausragend ist der Webbrowser, der erstmals ein weitgehend uneingeschränktes Web-Erlebnis auf ein Mobiltelefon bringt, abgesehen von der fehlenden Flash- und Java-Unterstützung. Vielleicht wird dieser Browser längerfristig zum wichtigsten Feature des iPhone, denn mit der exzellenten Querbild-Ansicht und der stufenlosen Zoom-Funktion schlägt er auch akzeptable Handy-Webbrowser wie den des Palm Treo um Welten. Zu hoffen ist, dass Apple bis zum europäischen Release dem iPhone einen schnellen UMTS-Chip spendiert, denn das langsame AT&T-Funknetz trübt das Surferlebnis unterwegs doch erheblich. Dafür bandelt das iPhone sehr problemlos mit WLANs an.

Auch das eingebaute Google Maps ist sehr praktisch, wenn bisher auch keine GPS-Funktionalität zur Verfügung steht. Bei Städtereisen kann man jedenfalls den Touristenführer getrost zu hause lassen: Die Maps zeigen nicht nur die gewöhnt schönen Pläne, sondern finden sofort Restaurants, Nachclubs, Hotels, Kinos - was immer grade gewünscht ist. Für die Planung einer Autofahrt ist die Lösung ok, für die Absolvierung nur im äussersten Notfall und nur mit Beifahrer zu empfehlen, der die Wegpunkte vorliest und abhakt.

Die Kamera ist OK für das spontane Bild unterwegs, aber nicht für mehr.

Natürlich synchronisiert sich das iPhone perfekt mit iTunes und auch mit Informationen aus Outlook, Entourage, iCal und dem Mac-Adressbuch. Wer sich ausserhalb dieser Mainstream-Applikationen bewegt, hat allerdings Pech gehabt. Das gilt auch für Bluetooth-Verbindungen, denn dort unterstützt das iPhone bisher ausschliesslich Freisprecheinrichtungen, aber keine anderen Geräte.

Nicht zuletzt ist das iPhone ein sehr brauchbares Telefon mit guter Sprachqualität. Die Voicemail-Funktionalität setzt eindeutig Massstäbe und dürfte für manchen Vieltelefonierer schon allein das Geld wert sein. Die Batterielebensdauer geht in Ordnung, aber bewegt sich im Rahmen der sonstigen Smartphone-Konkurrenz.

Insgesamt ist das iPhone ein typisches Apple-Produkt: Es kann längst nicht alles, aber das, was es kann, macht es wirklich sehr, sehr gut. Der Magie der völlig neuartigen Benutzeroberfläche kann man sich kaum entziehen, und nach einigen Tagen merkt man, dass sie nicht nur schöner, sondern auch effizienter als diejenige jedes bisherigen Mobiltelefons ist. Insofern ist das iPhone wirklich ein revolutionäres Produkt.

Zusammenfassend die wichtigsten Plus- und Minuspunkte:

Plus:


  • Revolutionäre Benutzeroberfläche mit Touchscreen
  • Grandioses Display
  • Exzellenter Webbrowser
  • Sehr innovative "Visual Voicemail"
  • Hervorragende Multimedia-Funktionalitäten (iPod mit Video)
  • Youtube-Player
  • Eingebautes Google Maps
  • Nette kleine Appliaktionen für Wetter, Börsenkurse, Notizen usw.
  • Elegantes Hardware-Design, ausgezeichnete Verarbeitung
  • Sehr gute WLAN-Unterstützung
  • Sensoren für Geräteorientierung (Kippen), Helligkeit und Annäherung


Minus:


  • Kein 3G/UMTS (könnte sich in Euro-Version aber ändern)
  • Billdschirmtastatur gewöhnungsbedürftig und sprachabhängig
  • Eher durchschnittliche E-Mail- und Organizerfunktionen
  • Synchronisierung nur mit iTunes, Exchange, Entourage und iCal/Mac-Adressbuch
  • Sehr mittelmässige Kamera
  • Kein Flash und Java, geschlossene Plattform
  • Kein MMS
  • Eingeschränktes Bluetooth
  • SIM-Lock auf einen Mobile Operator


Für wen ist das iPhone nun die Anschaffung wert? Wer sowieso immer seinen iPod und sein normales Telefon herumschleppt und lieber nur ein einziges Gerät hätte, sollte sich das iPhone definitiv ansehen. Benutzer, die häufig mobil surfen, werden hier den besten Browser und die beste WLAN-Unterstützung finden, die man derzeit auf mobilen Geräten kriegen kann. Vieltelefonierer werden die Sprachqualität, die einfache Bedienung und die exzellente Voicemail-Funktion schätzen.

 

Blackberry- und SMS-Junkies sowie alle anderen User, die mit ihrem Telefon viel an Texten arbeiten, werden hingegen mit dem iPhone kaum glücklich werden. Auf jeden Fall sollte man vor dem Kauf die Bildschirmtastatur gründlich ausprobieren, nicht jeder kommt damit gut zurecht. Auch wer Spezialapplikationen auf seinem Smartphone verwendet, wird die auf dem iPhone vermissen. Derzeit ist nicht bekannt, ob Apple die Plattform je öffnen wird. Und angesichts des hohen Preises werden sich alle, für die das Handy wirklich nur ein Gebrauchsgegenstand ist, kaum für das iPhone erwärmen können.

Eins sei zum Schluss aber noch gesagt: Das iPhone wird so oder so die Latte erheblich höher setzen, was die Benutzerfreundlichkeit von Mobiltelefonen angeht. Wer einmal diese Benutzeroberfläche ausprobiert hat, dem werden die heutigen Konkurrenzprodukte nur noch öde und unfreundlich vorkommen. Und dieser Innovationsdruck tut der Handy-Branche garantiert gut.

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