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04.04.10

Eindrücke vom Apple iPad: Eine neue Geräteklasse

Das iPad von Apple ist eine neue Gadget-Klasse: Ein "Zweihänder" - solide verarbeitet, relativ schwer und doch bequem zu bedienen, mit brilliantem Bildschirm und - unerwartet schnell. Rasend schnell. Die ersten Testeindrücke von Andreas Göldi aus Boston.

Das iPad: Hochwertig verarbeitet

Ohne Übertreibung ist das iPad von Apple wohl das am meisten erwartete Gadget seit langem. Seit Jahren ranken sich Gerüchte um Apples Pläne für einen Tabletcomputer. Im Januar kündigte Steve Jobs endlich das real gewordene Produkt an, und seit dem 3. April wird das Gerät in den USA verkauft. In den meisten europäischen Ländern wird es Ende April verfügbar sein.

Nach einem erstaunlich effizienten Kaufprozess - wir hatten unser vorbestelltes iPad nach nur 15 Minuten in den Händen - galt es, erste Eindrücke von diesem wirklich neuartigen Gerät zu sammeln.

Schliesslich passt das iPad in keine bestehende Gadget-Kategorie so richtig rein. Es ist einfacher und funktionell limitierter als ein Tablet-PC unter Windows, aber viel leistungsfähiger als ein Smartphone. Apple versucht also nichts weniger, als eine neue Gerätekategorie für den Konsumentenmarkt zu schaffen. Erste Eindrücke sind da wichtig, und das iPad enttäuscht nicht. Wie man es von Apple gewohnt ist (und für diesen Preis wohl auch erwarten kann), wirkt die Verarbeitung sehr hochwertig. Der Rücken des Gerätes ist aus solidem Aluminium gefertigt, und der Screen überzeugt sofort durch eine helle, farbkräftige Darstellung. In der Hand fühlt sich das iPad etwas schwerer an als erwartet, aber mit 680g Kampfgewicht kann man es problemlos auch längere Zeit ermüdungsfrei halten - mit zwei Händen freilich.

Die Bedienungselemente sind schnell aufgezählt: Es gibt einen Home- und Lock-Button, einen Lautstärkeregler, einen Schalter, der das automatische Kippen des Bildes beim Bewegen des Geräts verhindern kann, und einen Kopfhöreranschluss. Das war's auch schon. Die Interaktion mit den iPad findet wie beim iPhone fast ausschliesslich über den Touchscreen statt.

Bei den ersten Schritten mit dem iPad fällt sofort eins auf: Es ist schnell. Richtig, richtig schnell. Ein bisschen kommt dieser Eindruck vielleicht auch vom naheliegenden Vergleich mit dem iPhone. Subjektiv sind manche Dinge auf dem iPad gut und gern zehn Mal schneller, und darum erhält man den Eindruck rasender Geschwindigkeit.

Auch beim Surfen im Web - wohl die Tätigkeit, die den direktesten Vergleich zu einem ausgewachsenen Computer erlaubt - kann das iPad gut mit einem ausgewachsenen PC mithalten. Die sehr komplexe Homepage von spiegel.de lud das iPad komplett in etwa 25 Sekunden, schneller als ein Core-Duo-Macbook Pro mit Safari. Nur unter Google Chrome war der Mac in den meisten Fällen etwas schneller. Als Surfboard braucht das iPad also keinen Vergleich zu scheuen.

Der Screen fühlt sich anfänglich seltsam klebrig an, und der Finger gleitet manchmal nicht so mühelos über das Glas, wie man sich das wünscht. Aber das ist vielleicht auch Gewöhnungssache. Viel störender ist, dass der Screen sehr stark spiegelt -- ähnlich wie bei den Macs der neusten Generation. Für ein Gerät, das unter anderem als eBook-Reader dienen soll, ist das nicht gerade praktisch. Vor allem bei hellem Umgebungslicht kann das Lesen auf dem iPad schnell mal etwas anstrengend werden.

Nach dem Auspacken will das iPad erstmal mit iTunes synchronisiert werden, zwecks Verknüpfung mit dem Apple-Account des Users. Den schliesslich soll man auf dem iPad vor allem Content konsumieren, nicht zuletzt natürlich den, der auf iTunes feilgeboten wird. Und dafür muss das iPad erstmal die Kreditkartennummer des Users kennen. Zu kaufen gibt es natürlich reichlich, das ganze iTunes-Angebot kann man direkt auf dem iPad erwerben.

Bei der ersten Synchronisierung kann man auch gleich seine iPhone-Applikationen rüberspielen, denn die laufen auch auf dem iPad. Allerdings sind iPhone-Apps natürlich für eine geringere Auflösung konzipiert und füllen darum nur einen Viertel der Screenfläche aus. Zwar kann man sie auf volle Grösse zoomen, aber dann sieht das ganze sehr pixelig aus. Folgerung: iPhone-Apps wird man auf dem iPad wohl nur als Notnagel verwenden. Aber die Entwicklercommunity sorgt auch schon vor und hat zum Start des iPad bereits 2300 Applikationen publiziert. Die wichtigsten Anwendungsfälle sind also abgedeckt.

Dass viele Entwickler aber keinen Zugang zu echten Testgeräten hatten, sondern nur auf Emulatoren testen konnten, merkt man aber deutlich. Nicht nur sind viele iPad-Apps noch ziemlich unstabil, sie sind auch ganz klar noch nicht so ganz für die Benutzung mit dem Touchscreen optimiert. Es wird wohl noch etwas dauern, bis die Entwickler die besondere Art der Benutzung dieses Geräts ganz im Griff haben.

Das iPad soll nicht nur für den Konsum von Inhalten brauchbar sein, sondern auch für einfachere Arbeiten. Darum ist es natürlich wichtig, ob man auf dem iPad gut tippen kann. Wie das iPhone bietet das iPad eine Bildschirmtastatur, und wie beim iPhone muss man sich die Sonderzeichen mühsam mit einer Umschalttaste holen. Steve Jobs sagte bei der iPad-Vorstellung, dass das Tippen darauf "ein Traum" sei. Das ist, vorsichtig gesagt, grob übertrieben. Immerhin, im Zweifingersystem kommt man auf eine recht gute Schreibgeschwindigkeit, aber blind tippen mit zehn Fingern kann man vergessen. Zum Glück will Apple aber auch bald schon eine externe Tastatur auf den Markt bringen, die da Abhilfe schaffen soll.

Die Batterielebensdauer konnten wir bisher noch nicht vollständig testen, denn in den ersten fünf Stunden der Benutzung kriegten wir die Batterie erst auf etwa 60% runter. Die von Apple versprochenen 10 Stunden Lebensdauer scheinen also durchaus realistisch zu sein.

Insgesamt ist der erste Eindruck vom iPad ein fast durchwegs positiver. Man hat ganz klar das Gefühl, ein gut durchdachtes Produkt in den Händen zu halten. Ohne Übertreibung: Apple zeigt mit dem iPad dem Rest der Branche wieder mal, wie man gute Gadgets baut. Aber auch die eine oder andere Kinderkrankheit wird recht bald offensichtlich. Der Spiegeleffekt des Screens, die teilweise etwas unstabilen Apps und die Tastatur lösen jedenfalls keine Begeisterungsstürme aus.

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