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01.04.06Leser-Kommentar

Im Test: iTech Virtual Keyboard

In unserer ruhelosen Suche nach immer portableren Gadgets haben wir natürlich schon lange das Haupthindernis für eine noch stärkere Miniaturisierung entlarvt: den menschlichen Finger. Der hat leider die Eigenschaft, ziemlich massive Dimensionen aufzuweisen und limitiert daher die weitere Verkleinerung von Tastaturen. Das, was man auf Blackberrys oder Treos findet, dürfte wohl die Mindestgrösse für ein noch halbwegs bedienbares alphanumerisches Keyboard darstellen.

Aber von derart banalen Problemen lässt sich der technische Fortschritt natürlich nicht bremsen. Wenn man Tasten schon nicht physisch kleiner machen kann, dann muss man physische Tasten halt ganz abschaffen, sagte sich die Firma i.Tech Dynamic und baute ihr "Virtual Keyboard" (hierzulande vertrieben von Hama).

Selbiges mutet eigentlich nicht wie ein "normales" Gadget an, sondern eher wie etwas, was James Bond von Q zu Weihnachten kriegt. Das Gerät ist ein kleines schwarzes Kästchen etwa in der Grösse eines halben Zigarettenpäckchens, das per Laser eine virtuelle Tastatur in üblicher Grösse auf jede ebene Fläche projizieren kann. Selbige Fläche ist mit Vorteil von heller Farbe, da man sonst die Tasten schlecht erkennen kann.

Per Infrarot wertet das Gerät dann aus, wo sich die Finger des Users befinden, und wenn die Position eines Fingers mit den Koordinaten einer projizierten Taste übereinstimmen, wird das als Tastendruck interpretiert und per Bluetooth an einen PC oder PDA übermittelt. Voilà, fertig ist die tastenlose Tastatur. Da das Kästchen sehr kompakt ist und gerade mal 80 Gramm wiegt, ist diese Lösung natürlich enorm viel portabler als es jede verfügbare Full-Size-Tastatur je sein könnte. Die Idee dahinter ist natürlich nicht, dass diese Lösung eine normale PC-Tastatur ersetzen könnte, vielmehr soll damit das Verfassen längerer Texte auf tastaturlosen PDAs oder auf Devices mit eher schwer handzuhabender Mikro-Tastatur möglich werden.

Das Virtual Keyboard unterstützt Bluetooth 1.1 und kann seriell oder über das HID-Profil (Human Interface Device) angesteuert werden. Treiber werden mitgeliefert für Palm OS 5, Pocket PC und SmartPhone 2003, Symbian Series 60 sowie Windows 2000 und XP. Wie so oft bei Bluetooth-Geräten funktioniert die erste Kontaktaufnahme sehr problemlos, die Wiederaufnahme einer Connection kann dagegen hin und wieder einen Reset erfordern.

Wie fühlt sich so ein virtuelles Keyboard nun an? Nun, kurz gesagt: Gar nicht -- logischerweise, denn es sind ja auch keine fühlbaren Tasten da. Und genau das das Problem bei der Benutzung. Auch noch die kleinste physische Tastatur hat klar spürbare Tasten mit einem definierten Druckpunkt, aber beim Virtual Keyboard trommelt man nur im Leeren auf der Tischplatte herum. Ob man etwas getroffen hat, wird einem immerhin mit einem hörbaren Klick aus dem Kästchen signalisiert, aber trotzdem haut man zuerst oft daneben. Blindes Schreiben im Zehnfingersystem kann man eigentlich gleich von vorneherein vergessen, dann selbst mit einiger Übung kommt man nicht ohne ständiges Hingucken aus, und die vielen Finger verwirren die Positionserkennung heillos..

Am brauchbarsten funktioniert das Virtual Keyboard, wenn man im "Adlersuchsystem" oder zumindest mit nicht mehr als zwei Fingern schreibt, am besten schön senkrecht von oben. Nach einiger Zeit erreicht man damit eine Schreibgeschwindigkeit, die nicht mit einer normalen Tastatur vergleichbar ist, aber zumindest deutlich über derjenigen auf einer der üblichen PDA-Mikro-Tastaturen liegt (von reiner Handschrifterkennung ganz zu schweigen). Doch deutliche Nachteile gibt es schon: Die Tastatur ist derzeit nur im QWERTY-Layout erhältlich, auf Umlaute muss man also verzichten. Ausserdem hält der Akku nur zwei Stunden durch, dann ist Schluss mit virtuellem Tippen. Geladen wird das Gerät leider nicht per USB, sondern mit einem eigenen Netzteil, das sich der eh schon umfangreichen Sammlung jedes gadgetbewehrten Reisenden hinzufügt.

Das Virtual Keyboard von i.Tech ist also wieder mal ein Gerät aus der Kategorie "Notnagel" -- es löst ein Problem (das Fehlen brauchbarer Tastaturen auf PDAs) in recht passabler Art und Weise, ohne aber ganz zu überzeugen. Dafür ist der Preis von ca. 200 Euro/300 Fr. schon ziemlich satt. Der Praxiswert deutlich billigerer Klapp-Bluetooth-Tastaturen (z.B. von ThinkOutside) ist in den meisten Aspekten doch um einiges grösser.

Andererseits: Der James-Bond-Effekt so einer virtuellen Laser-Tastatur ist natürlich kaum zu schlagen. Aufmerksamkeit ist einem sicher, wenn man so ein Gerät in der Öffentlichkeit verwendet. Und wer wirklich ein möglichst kompaktes Keyboard zum PDA sucht, könnte mit dieser Lösung sogar durchaus glücklich werden.

Wer sich aber von so einer Laser-Tastatur verspricht, die Zukunft der User-Interfaces entdeckt zu haben (wie es in der Fachpresse auch schon zu lesen war), der wird sicher enttäuscht sein. Für das effiziente Produzieren grösserer Textmengen ist dieses Keyboard dann leider doch zu virtuell.

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Kommentare

  • Sandro

    11.04.06 (11:16:22)

    Auch wenn man die "F" und die "J" Taste auf dem Untergrund "markiert"? Ist es nur das, oder allgemein?

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