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18.01.14Leser-Kommentare

Einmal PC zum Mitnehmen, bitte: Der ICE xPC ist ein Windows-Rechner für die Westentasche

Der ICE xPC ist ein Computer, der kaum größer ist als ein Smartphone und sich deswegen leicht überall mit hinnehmen lässt oder Tablets und Notebooks als Motor dienen kann. Bei Preis und Größe stellt sich allerdings schnell die Frage: Warum nicht gleich ein Smartphone?

ICE xPC: Computer zum Mitnehmen. Alle Bilder: ICE xPC

Ein Startup aus Cupertino im Silicon Valley sammelt derzeit über Crowdfunding Geld für die erste Version des ICE xPC ein, einem Mini-PC mit Windows 8, der sich überall mit hinnehmen lässt. Er ist nur ein klein wenig größer und schwerer als ein Smartphone und lässt sich somit in der Westentasche verstauen. Er kann über ein Dock mit einem Bildschirm verbunden, aber auch in ein Tablet eingeschoben werden.

Der Hersteller will seinen Kunden damit Geld sparen, man brauche schließlich nur noch ein Gerät für alles, und will zugleich die Umwelt schonen, weil man weniger Komponenten kaufen und später entsorgen müsste. Ähnliche Konzepten blieben bislang allerdings stets erfolglos.

Geringe Erfolgschancen

Kenner der Szene werden zum Beispiel an das Asus Padfone denken, das Tablet mit Smartphone-Einschub, von dem der Hersteller bereits mehrere Versionen veröffentlicht hat. Asus ist für seine Experimentierfreudigkeit bekannt. Motorola wiederum hat es vor einigen Jahren mit einem Lapdock probiert und war damit gescheitert. Ebenso Ubuntu im vergangenen Jahr mit dem Edge, das sowohl als Smartphone als auch als PC dienen sollte. Irgendetwas sagt mir leider, dass es der ICE xPC ebenfalls schwer haben wird.

Dabei würde er im ersten Schritt ordentlich ausgestattet sein: Ein Prozessor von Intels energiesparender BayTrail-Serie ("Atom") wäre darin zu finden, 4 GB RAM und 64 GB SSD-Speicher. Eine Kamera, die HD-Videos (720p) aufzeichnen kann, ist ebenso vorgesehen wie Beschleunigungssensoren und ein Gyroskop, die man für die Verwendung mit einem Tablet benötigen würde. Kabellose Verbindungen sind WLAN (b/g/n) und eine nicht näher bestimmte Bluetooth-Version. Hier im Video stellt Gründer Scott Ma den Rechner vor:

 

www.youtube.com/watch

Die finale Version des PCs soll noch etwas dünner sein als der im Video vorgestellte Prototyp: nur noch 8,8 mm und dabei mit weniger als 100 g Gewicht leichter als ein handelsübliches Smartphone. Kosten soll der PC als solches umgerechnet 190 Euro ohne und 270 Euro mit einem vorinstallierten Windows 8. Rund 22 Euro für den internationalen Versand kommen noch obendrauf.

Funktionierender Prototyp

Weitere Schnittstellen gibt es über die mitgelieferte Ladestation ICE xAdapter. Die verfügt über vier USB-Schnittstellen, HDMI und noch einmal separat Bluetooth, um eine Tastatur oder eine Maus anzuschließen. Wenn alles so klappt, wie Ma es sich vorstellt, dann werden die ersten ICE xPCs im Juli dieses Jahres an die Kunden verschickt.

Das ICE xPC-Ökosystem

ICE Computers arbeitet schon seit 2012 an dem tragbaren Mini-PC. Der Windows-Rechner ist dabei nur Teil eines geplanten, größeren Ökosystems. Wer zusätzlich ein Tablet-Gehäuse will, kann dies für umgerechnet rund 332 Euro ordern und den ICE xPC dann als Motor für das Tablet verwenden. Für knapp 405 Euro erhält der Unterstützer ein Laptop-Gehäuse samt ICE xPC als Einschub. Man bräuchte also im Prinzip weniger Geräte für unterwegs. Sollte der PC irgendwann technisch veraltet sein, muss man nur einen neuen ICE xPC kaufen und nicht auch noch ein neues Tablet oder Laptop, so die Idee.

Auch Gehäuse und Displays veraltern

Allerdings wird bei solchen modularen Konzepten oft außer Acht gelassen, dass auch die Komponenten darum herum veralten und aus der Mode kommen. Die Geräte werden schlanker, Bildschirme lösen höher auf oder werden mit generell besseren Displays ausgestattet. Experimente mit modularen Systemen gehen deswegen selten gut.

ICE Computers Mission ist daher ambitioniert, zumal man bis zum 6. Februar stolze 300.000 US-Dollar auf Indiegogo einsammeln will. Vertrauen schafft, dass ICE Computers bereits seit 2012 an dem Gerät arbeitet und funktionierende Prototypen auf mehreren Messen wie der kürzlich abgelaufenen CES vorgestellt hat. Das Video zur Aktion wirkt hingegen nicht ganz so cool und professionell wie die anderer Crowdfunding-Aktionen.

ICE xPC

Und mir stellt sich vor allem eine Frage: Warum nicht gleich ein Smartphone verwenden? Der einzige Grund, der mir einfällt, ist natürlich ein gewichtiger: Smartphones mit Dual OS und vollwertigem Desktop-Betriebssystem sind sehr rar auf dem Markt. Man müsste sich also stattdessen mit einem mobilen Betriebssystem herumschlagen, und das hätte gegenüber Windows oder Mac OS X entsprechende Nachteile.

Ich persönlich hätte keinerlei Verwendung für einen ICE xPC. Aber vielleicht geht euch das ja anders?

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Kommentare

  • jan

    18.01.14 (09:45:26)

    Ich find die Idee durchaus cool. Dank dropbox und diverser Synchronisations-Apps haben wir zwar fast immer alles dabei, was wir brauchen. Aber irgendwie ist es ja doch schöner, seinen eigenen Rechner dabei zu haben. Kurz gesagt: ICExpc als Laptop-Ersatz, wenn ich zur Arbeit oder zu Freunden fahre... Voraussetzung: Bildschirm, Tastatur und Maus sind dort vorhanden. Das Problem, das ich noch sehe, ist dass ich mindestens ein Adapterkabel, wenn nicht die ganze Dockingstation mitnehmen muss... also "Hosentaschenrechner" ade! Dann doch lieber den Laptop. Aber wenn ich mir vorstelle, dass jemand seinen Arbeitsplatz im Büro und zuhause entsprechend vorbereitet und dann nur das Gerät hin und her bringt, könnte es durchaus praktisch sein...

  • SCORPiON

    18.01.14 (14:14:27)

    Das "Warum kein Smartphone" kann ich dir gerne beantworten: Display, Akku und Module fressen den Platz, den man für andere Komponenten benutzen kann und das auch entsprechend umsetzt.

  • AlphaOrb

    18.01.14 (15:22:10)

    Wenn es statt der Dockingstation eine Kabelpeitsche gäbe, wäre es Ideal für Support und Bereitschaftsdienste. Mal beobachten.

  • mega

    19.01.14 (09:55:31)

    Ubuntu Edge und das Motorola-Ding sind schon aufgrund ihrer Unbrauchbarkeit, bzw fehlenden Massentauglichkeit ein Flop. Ubuntu ist auf Smartphones wie auf Desktops ein Exot. Ist also nicht Massenkompatibel. Das Motorola waren ja im Grunde 2 völlig getrennte Systeme. Es gab nur ne Zwischenablage, die nur in eine Richtung funktioniert. Und genauso ein exotisches Desktop-System. Da konnte man also gleich ein völlig eigenes Tablet oder Netbook nehmen. Dazu steckte das Handy ungesichert drin, was die Nutzung in öffentlichen Bereichen unmöglich macht. Asus Transformer ist da schon ein viel besseres Konzept. Hier hat man alle Daten, Apps und so ganz einfach in 3 Formen: Handy, Tablet, Notebook. Auch wenn man alles irgendwie sncen kann, auf getrennten Geräten muss man Apps mehrfach einrichten, die Anrufliste und SMS kann man nicht syncen, Fotos landen ggf in der Dropbox aber nicht in der Gallery des anderen Gerätes, Benachrichtigungen (z.b. Facebook, eMail) verschwinden nicht überall wenn man sie einmal gelesen hat, ... Nachteile vom Asus-Konzept jedoch: Verschiedene Generationen sind mechanisch unkompatibel. Man muss genau dieses Handy-Modell mögen. Ideal wäre es, gäbe es sowas von Samsung mit und für das Note 3. Und nun zu dem hier vorgestellten PC: - Für Tragbarkeit Pflicht wäre die Wahlweise Nutzung von Standard-Kabeln (USB, HDMI, MicroUSB für Strom, MHL-Fähigkeit). - Für ein Haupt-Gerät ist ein Atom-Prozessor viel zu schlapp. - Immerhin könnten die Möglichkeiten, es als Tablet, Netbook oder Desktop zu nutzen sinnvoll sein. Wobei die schlappe CPU die Nutzung dann doch wieder stark eingrenzt.

  • Joshua

    19.01.14 (13:07:14)

    In der Windows 8 Variante ist ein i5 verbaut, nur in der Windows 7 Variante ist ein Atom.

  • Joshua

    19.01.14 (13:24:33)

    Ups das mit dem Windows 7/8 Atom/i5 waren nur Beispiele, aber trotzdem wird es wohl schon im September eine Variante mit i5 geben.

  • Ann O. Nymous

    19.01.14 (15:23:37)

    “- Für ein Haupt-Gerät ist ein Atom-Prozessor viel zu schlapp.” Das ist BullShit. Die 4 Threads suggerieren einen N2800 o.ä. Damit kann man sogar einen Server mit VMWare und mehreren (aktuell 3) WinXP VMs betreiben. Ein Tool wie ProcessTamer hilft natürlich der jeweiligen VM. Es ist natürlich kein Gamer-PC sondern Einer für Office etc. Da langt ein N2800 locker. Und der Lüfter macht nicht so einen Sch…lärm, wie bei einem i5 oder i7. Jedenfalls ist mein alter HP nx 7000 wesentlich angenehmer zu benutzen, als ein neuerer HP mit i5/7. Entweder ich schraube die CPU auf ‘unendlich lahm’ herunter, oder der Lüfter heult mir die Ohren voll.

  • Stefan

    20.01.14 (15:56:54)

    Ich könnte mir das Teil gut als HTPC vorstellen, da leise und unauffällig. Wie siehts denn mit WLAN-Stärke und HDMI-Passthrough aus?

  • Jürgen

    22.01.14 (12:36:27)

    Meine Vorstellung von der zukünftigen PC-Welt: Eigentlich braucht man nur einen USB3.0 Stick mit OS und Anwendungssoftware. Diesen Stick steckt man in einen Rechner/Laptop (ohne OS) und bootet über den Stick. Fertig. Anstelle des Sticks könnte man auch ein angedocktes Smartphone booten, falls dieses dann über einen USB3.0 Anschluss verfügt.

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