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19.07.13

Home Automation: Das smarte Haus ist da (und du willst es auch)

Das elektronisch gesteuerte, smarte Haus gehört zu den Klassikern der Zukunftsvisionen, kommt aber im Gegensatz zum Internetkühlschrank gerade in der Gegenwart an. Was manchem dabei als Luxusspielerei für Villenbesitzer erscheint, hat in Wirklichkeit viele nützliche Anwendungsfelder.

Eine Fernbedienung fürs Haus, aber auch eine Automatisierung sind mit Plattformen wie „Digitalstrom“ heute möglich und keine Zukunftsmusik mehr.

Wer sich nach einer neuen Wohnung oder einem Haus umsieht, geht hierzulande inzwischen sehr selbstverständlich davon aus, Wasseranschlüsse und Steckdosen vorzufinden. Die Verfügbarkeit von Breitbandinternet spielt darüber hinaus eine immer wichtigere Rolle. Aber schon einigen Jahren könnte eine weitere Eigenschaft sehr gefragt sein: eine elektronische Steuerung des Haushalts inklusive Vernetzung. Auf der „IFA Preview“ in Hamburg konnte man dazu diese Woche mehrere Beispiele sehen.

Alle elektrischen Geräte vernetzen

Ein Unternehmen, das darauf setzt, ist die aizo AG mit Sitz in Schlieren-Zürich und Wetzlar. Ihr Produkt "Digitalstrom" vernetzt sämtliche elektrischen Geräte in einem Gebäude über die bereits vorhandenen Stromleitungen. Für die Bewohner bedeutet das in der Praxis nicht nur, dass sie viele Dinge vom Tablet oder Smartphone aus steuern können. Es ergeben sich darüber hinaus neue praktische Anwendungsmöglichkeiten. So lassen sich beispielsweise Geräte pro Raum oder auch pro Anwendungsfall gruppieren. Wer von "Abendessen" auf "Heimkinoabend" wechseln möchte, braucht dazu nicht mehr als einen Tap und schon werden die entsprechenden Schaltungen vorgenommen.

Aber man braucht gar nicht immer zum Tablet zu greifen. Auch ein Lichtschalter (oder genauer: ein Taster) bekommt eine Portion mehr Intelligenz. Ein Doppelklick hier kann beispielsweise alle entsprechend verknüpften Lampen ein- oder ausschalten. Er lässt sich auch so konfigurieren, dass beispielsweise ein langes Drücken alle Stromquellen abschaltet, die bei Abwesenheit nicht benötigt werden.

Und natürlich lassen sich Bewegungsmelder oder Rauchsensoren in ein solches System integrieren. Oder man kann sich automatische Verknüpfungen denken, wie ein Dimmen des Lichts im Wohnzimmer, sobald man den Fernseher einschaltet. Oder ein "Paniktaster" liegt bereit, der im Fall der Fälle alle Lichter gleichzeitig einschaltet sowie die elektrischen Rollläden hochfährt. Oder das Haus reagiert selbsttätig auf eine Unwetterwarnung. Die Liste ließe sich fortsetzen und zeigt dabei vor allem: Ein smarter Haushalt ist ein großer Komfortgewinn. Zudem kann er beim Energiesparen helfen, da ein solches System nicht so vergesslich ist wie seine Besitzer...

Technisch gesehen ist der Kern von "Digitalstrom" ein Hochvolt-Chip. Er kann Strom schalten, dimmen oder messen, kleine Programme ablaufen lassen, Daten speichern und kommunizieren. Er lässt sich dank seiner kompakten Abmaße von Herstellern in ihre Geräte integrieren oder wird in Form einer Lüsterklemme zwischengeschaltet.

Smarteres Zuhause

Das neue „Gigaset Elements“ wird derzeit vor allem als Sicherheitslösung angepriesen, soll künftig aber noch mehr können.

Ähnliche Ziele verfolgt das Unternehmen Gigaset, das man vor allem wegen seiner Schnurlostelefone kennt. Unter dem Namen Gigaset Elements wird hier zur IFA im September ein neues System auf den Markt kommen, das das eigene Zuhause aufs Smartphone bringt. Logischerweise setzen die Ingenieure zur Vernetzung hier auf den von Schnurlostelefonen bekannten DECT-Standard. Dank einer besonders stromsparenden Ausführung (DECT-ULE) soll dabei beispielsweise der Einbruchsensor zwei Jahre mit einem Batteriesatz auskommen.

Bei Gigaset Elements geht es im Gegensatz zu Digitalstrom nicht darum, jedes elektrische Gerät miteinander zu vernetzen. Vielmehr schafft man sich eine Basisstation und entsprechende Zusatzgeräte an, die einen dann mit Infos darüber versorgen können, ob jemand zu Hause ist (Bewegungssensor) oder jemand ins Arbeitszimmer gegangen ist (Türsensor). Weitere solche Module sind denkbar und angekündigt. „Im Fokus stehen dabei Lösungen aus den Bereichen Sicherheit, Pflege und Energie-Management“, heißt es auf der Website.

Es geht nicht nur um Komfortgewinn

Auch das spanische Startup Wattio möchte in dem Bereich ein Wörtchen mitreden.

Kurzum: Der smarte Haushalt macht viele Dinge des Lebens leichter und bequemer. Wie erwähnt, kann er beim Energiesparen helfen. Und im Gespräch auf der IFA Preview mit der inHaus GmbH aus Duisburg war die Rede von noch einer weiteren Zielgruppe: ältere Menschen. Für sie kann ein solches System dabei helfen, länger in den gewohnten vier Wänden zu leben und selbstständig zu bleiben. Und es könnte sogar von selbst bemerken, wenn dem Bewohner etwas zugestoßen ist und dann einen Alarm auslösen.

Das Thema selbst ist nun schon viele Jahre alt. Man denke nur an Bill Gates' vernetztes Haus. Natürlich ist auch Microsoft in dem Bereich aktiv und generell scheint es tatsächlich in unserer Gegenwart anzukommen. Neben den bereits genannten Systemen gibt es schließlich noch viele weitere, die auf die eine oder andere Weise unseren Haushalt „smarter“ machen wollen. Die Verknüpfung aus Belkin WeMo und IFTTT hatte ich euch bereits einmal vorgestellt. Oder auch das Wattio-System aus Spanien. Jürgen hatte euch die „Smart-Home-Konsole“ Ivee Sleek gezeigt. Und das deutsche Startup Codeatelier will mit Homee verschiedene Systeme vereinen. Weiterer Lesetipp an dieser Stelle: Auf Lifehacker nimmt sich ein ausführlicher Beitrag des Themas an – in verschiedenen Komplexitätsstufen.

Ich persönlich finde das alles sehr erstrebenswert und in ein, zwei Generationen wird es absolut alltäglich sein – wie fließend Wasser und Steckdosen.

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