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26.05.15

High End 2015: Woher kommt der gute Ton?

Alle Jahre zu Himmelfahrt versammeln sich in München Liebhaber des guten Tons. Oder doch in Dießen am Ammersee?

High End 2015

Der Schreck kam aus dem Autoradio bei der Fahrt zur High End 2015 im Münchner M.O.C.: "Dießen am Ammersee ist diese Woche Deutschlands Hauptstadt des guten Tons" verkündeten die Nachrichten auf Rockantenne. Dießen? Nein, natürlich war die High End weiterhin in München - in Dießen fand zeitgleich hingegen ein - ähem - Töpfermarkt statt…

Auch wenn man beim kommerziellen Sender Antenne Bayern bei gutem Ton spätestens seit der Umstellung von DAB auf DAB+ infolge starken Soundprocessings und knapper Bandbreite offensichtlich nicht mehr an etwas Gutes für die Ohren sondern eher an etwas Schmutzigem unter den Fingern denkt, so ist dies beim öffentlich-rechtlichen Bayrischen Rundfunk selbstverständlich weiterhin der Fall:

Hier versprach der Redaktionsmanager Digitalisierungsprojekte bei BR-Klassik Werner Bleisteiner, dass zukünftig alle Programme des Senders mit der "biegsamen Nadel" nach EBU R128 ausgesteuert werden sollen, also alles gleich laut klingen soll, ob Wort oder Musik und egal, welche Art Musik. Nicht mehr bis auf Vollanschlag ausgesteuert.

Die Zeiten des "Loudness-Wars" sind damit vorbei, der im digitalen Radio ohnehin fehl am Platz ist - es kann nun auch Popmusik wieder entspannt und ohne Kopfweh genossen werden, solange die Moderation kein solches verursacht, versteht sich. Letztere führten bei einem der Vorstände der High End nämlich dazu, dass man doch lieber Klassik Radio statt BR Klassik höre.

Doch auch ein anderes klassisches High-End-Rundfunkthema feiert eine Wiedergeburt: Die Kunstkopf-Stereophonie, heute "binaurales Surround" genannt. Ab 1973 bis in die 80er-Jahre haben die öffentlich-rechtlichen Sender etwa 100 Kunstkopf-Hörspiele produziert, doch die damals noch geringe Verbreitung von Stereo-Empfängern und vor allem Kopfhörern führte dazu, dass das Verfahren wieder in Vergessenheit geriet. Heute ist jedoch dank Walkman, iPod und Smartphones das Hören per Kopfhörer im Alltag angekommen und kein Hinderungsgrund mehr. Tatsächlich arbeiten viele Computerspiele sogar inzwischen mit binauralem Surround.

Es werden daher neue Hörspiel- und auch Musikaufnahmen produziert. Die Aufnahme muss heute auch nicht mehr mit einem Kunstkopf erfolgen, der sich in komplexen Aufnahmeanordnungen wie größeren Orchestern oft nicht optimal platzieren lässt, sondern kann auch aus 22.2-Surround-Aufnahmen im Computer gemischt werden. Das Hörspiel "39" ist gar als Smartphone-App für Android und iOS erhältlich, wie übrigens auch der Katalog der High End.

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