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24.09.12

Grundig Videorekorder Video 2000 2x4: Als die DVDs noch zwei Löcher hatten - und zwei Seiten

Ab und zu gibt es bei neuerdings.com auch etwas zu sehen, was einstmals neu war und heute immer noch technisch interessant ist. Wir nennen das "alterdings". Heute eine Erinnerung an meinen ersten Videorekorder.

Videokassetten? Ja, das waren diese Dinger, die viel zu groß waren und die man nach dem Ausleihen vor der Rückgabe zurückspulen musste. Okay, ordentliche Mitmenschen machen das auch noch mit DVDs, doch die meisten heutigen Videokonsumenten sind viel zu faul und schlampig und stecken ihre Scheiben einfach so wieder ins Etui zurück.

Video-2000-Nutzer konnten das auch, denn das System nutzte Wendekassetten - so wie bei Audio. Zweimal bis zu vier Stunden passten auf eine Kassette - im Longplay-Mode sogar zweimal acht. Auch Stereo und HiFi hatten die letzten Geräte - und eine Echtzeit-Anzeige, die zudem sofort ab Einlegen der Kassette präsent war, nicht erst nach langen Spulereien. Man wusste also sofort, wo man auf der Kassette war.

Technisch war Video 2000 ohne Zweifel das beste System, doch fanden Philips und Grundig keine Lobby außerhalb Deutschlands, zumal sie sich als einzige gegen Naturfilm-Videos sträubten und das in jener Zeit anscheinend ein wichtiges Argument war, einen Videorekorder anzuschaffen - zumindest dachten auch meine Eltern, so etwas kaufe man doch nicht, denn damit würde man nur die ganze Nacht eben jene Naturfilme schauen, statt zu schlafen.

Dann lief Video 2000 aus und man bekam als Geheimtipp bei Quelle im Ladengeschäft die Universum-gelabelte Version als Austellungsgerät zum halben Preis. Das war bezahlbar. Zudem war das Kästchen nach Zukleben des großen "Video 2x4"-Schilds trotz seiner Größe unter dem Fernseher so unauffällig, dass es den Eltern nie ins Auge fiel und überflüssige Diskussionen folglich entfielen.

Erst als nach Jahren ein VHS-Rekorder ins Haus kam, der auf einmal all das nicht mehr konnte, was man gewohnt war, ob Echtzeitanzeige oder einfache Programmierung, wurde man sich der Qualität der "deutschen Wertarbeit" bewusst, die auch noch kein Macrovision kannte, weil es das da noch gar nicht gab, was man aber nicht sagen darf. Dafür hatte der neue Japaner eine Fernbedienung und lief viel leiser.

Im Zeitalter der DVD war es nun dieser Tage überfällig, das gute Stück und die Kassetten im Keller nach einer Digitalisierung der wichtigsten Schätze auszumustern. Über die Bucht ging der Videorekorder samt Service-Handbuch nach Spanien - "dank" der Deutschen Post/DHL sogar gleich zweimal - und die Kassetten nach Österreich. Der Käufer der insgesamt 117 Video-2000-Kassetten fragte allerdings besonders interessiert nach insgesamt vier im Laufe der Jahre doch trotz des Verbots von Philips und Grundig darunter geratene Naturfilm-Exemplare...manche Dinge ändern sich anscheinend nie...

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