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12.09.11

Google Samsung Chromebook im Test: Die Chrome-Chroniken, Teil 1

Mobilfunk-Netzbetreiber Simyo hat uns für einen Monat ein Google Chromebook zur Verfügung gestellt. Mit ihm werden wir der spannenden Frage nachgehen: Wie lebt und arbeitet es sich in der Wolke?

Die Ankunft erfolgte eher unspektakulär: Ein silberner Karton so gross, wie einer für eine Riesenpizza, enthält das 12-Zoll-Netbook. Die simyo-Karte steckt in einem separaten Umschlag, sie soll unterwegs für die Verbindung zur Cloud sorgen. Die erste Herausforderung bestand darin, die SIM-Karte einzusetzen, denn nirgendwo in den Unterlagen findet sich ein Hinweis, wie herum sie in den Schlitz zu fummeln ist. Naja, es gibt ja nur vier Möglichkeiten – im letzten Anlauf klappte es dann auch.

Auch bei der Verbindung mit dem WLAN gab sich das Chromebook etwas störrisch und verlangte nach einem Passwort, wo doch der Schlüssel bereits festgelegt ist. Ist man mit dem WLAN verbunden, kann man das Chromebook einrichten. Hierfür braucht man einen Googlemail-Zugang (mit dem zugehörigen Passwort meldet man sich übrigens nachher auch beim Googlebook an).

Nachdem das Gerät "up and running" ist, beschäftigen wir uns mit den Interna. Basis ist ein Netbook mit 12-Zoll-Display und Intel Dual Core-Atom-Prozessor sowie 2 GB RAM. Das "Betriebssystem" ist eine Linux-Variante, die "Benutzeroberfläche" der Browser Chrome, als "Festplatte" dient ein 16-Gigabyte-SSD.

Wer übrigens glaubt, man könne sich ein Chromebook kaufen und bei Nichtgefallen ja Windows drauf spielen, dem rate ich dringend davon ab. Nicht mal mit Linux würde ich das ansatzweise probieren.

Das Samsung-Serie-5-Netbook, das die Hardwarebasis für das Chromebook bildet, wurde speziell auf diesen Einsatz zugeschnitten. Auf den ersten Blick sieht es aus wie ein Kindercomputer. Viele Tasten, die man von "normalen" Laptops kennt, fehlen einfach. Die Funktionstasten oben zum Beispiel, statt dessen ist eine Reihe Einstellknöpfe für Notebookfunktionen wie Abschaltung des Lautsprechers placiert.

Caps Lock ist auch nicht vorhanden. Stattdessen ist dort eine "Suchfifi"-Taste, die einen weiteren Chrometab öffnet. Das permanente Aktivieren der Grossschreibung ist etwas, was viele nicht vermissen werden. Wer es trotzdem braucht. soll beide Shift-Tasten gleichzeitig drücken - ein Trick, der bei mir nicht funktionierte (vielleicht fehlte noch ein Zauberspruch wie "PERMANENTUM MAGNUM!", doch danach regnete es nur Schokoladeneis...).

Eine Taste, die mir mehr fehlt, ist das Entf/Delete, fehlerhafte Inhalte kann leider nur die Backspace-/Rückschritttaste beseitigen. Für Home und End habe ich noch keinen Ersatz gefunden, für PgUp/PgDn drückt man die Pfeil auf/ab-Tasten mit Alt. Immerhin gibt es Esc.

Der Mauspfeils wird mit dem Touchpad gesteuert. Das hat keine Taste, weder links noch rechts. Statt dessen muss man es mit einem Finger für den Links- und mit zweien für den Rechtsklick drücken. Scrollen mit zwei Fingern klappt auch ganz smooth, nur ist es sehr empfindlich eingestellt, so dass beim Schreiben der Daumen durch versehentlichen Tap schon mal den Cursor ins Irgendwo katapultiert. Positiv: Eine Microsoft-Maus wurde sofort erkannt und akzeptiert, sie funktioniert am Chromebook einwandfrei.

Mit dem Chromebook ist es wie mit einem Auto mit Direktschaltgetriebe: Man kann damit fahren, doch wer Kupplung oder Automatik gewöhnt ist, muss sich erstmal umgewöhnen. Wer nur das Fahren mit Direktschaltgetriebe gewohnt ist, kann sich dagegen kaum verstehen, dass einer Mühe haben sollte mit einem solchen Fahrzeug. Im Augenblick finde ich die Reduktion eher lästig, aber der Test hat ja gerade erst begonnen.

Das Samsung Chromebook kostet nur mit WLAN circa 400, mit WLAN und 3G circa EUR 450 – letztere Variante ist dringend angeraten, da ein Chromebook derzeit den Charakter eines Briefbeschwerers annimmt, wenn es nicht mit dem Internet verbunden ist. Eine passende UMTS-Karte gibt es beispielsweise bei simyo. Für monatlich EUR 4,90 (100 MB inklusive, danach Reduktion auf GPRS-Geschwindigkeit), für EUR 9,90 (dto., 1 GB) oder EUR 14,90 (dto., 3 GB). Wenn man sich nicht exzessiv die Augen an Filmen eckig guckt (ob das überhaupt geht, werden wir noch feststellen), sollte die mittlere Option reichen.

Das Chromebook wird mich für die nächsten drei bis vier Wochen begleiten. Stilecht wurde dieser Post übrigens direkt in Wordpress verfasst und ergänzt, nur für das Einfügen der Bilder habe ich noch Blogdesk benutzt. In der nächsten Folge werden wir uns mit den Apps und Programmen auf dem Gerät und in der Wolke befassen. Ich bin eigentlich ein Fan von lokalen Daten und Programmen, deswegen muss das Chromebook hier ordentlich Überzeugungsarbeit leisten.

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