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17.05.07Leser-Kommentare

Google holt die Daten aus seinen Spezial-Silos

Der Suchmaschinengigant bringt eine Reihe kleiner, grosser Neuerungen: Herausragend ist die Umstellung auf die «universale» Suche in allen Datenkategorien (Web, Video, Bilder etc) zugleich.

PS vom 18. Mai: Weiterführende Analyse auf medienlese.com

google (1 of 1)Google hat seine Homepage vollständig umgekrempelt. Jedenfalls nach Google-Standard: Beim wohl berühmtesten Internet-Brand mit der anorexischen Startseite braucht es ja offenbar drei Jahre Planung, um einen neuen Link - zum Beispiel den auf den nach der Suche meistgenutzten Dienst, Gmail - zu plazieren.

Diesen Eindruck erweckten jedenfalls heute die Ausführungen von Marissa Mayer, der vorzeige-Vizepräsidentin für Suche und Benutzererfahrung. Sie zeigte, dass es bisher rund ein halbes Dutzend Klicks brauchte, bis ein Benutzer von der Google-Homepage via Untermenu "Mehr" zu seinem Gmail-Konto gelangte. Das war auf die gnadenlos auf Tempo und Schlankheit ausgereichtete Homepage zurückzuführen, die mit keinerlei Schnörkeln überladen werden soll. Daran hat sich nichts geändert, aber immerhin sind die bisher hinter dem «mehr»-Link versteckten Zusatzdienste jetzt in einem Navigationsmenu im Seitenkopf in beinahe allen Google-Diensten ausklappbar - und Gmail hat einen eigenen Link.

Sehr viel mehr Aufwand hat der Suchmaschinenfirma allerdings die grösste Neuerung abverlangt, die heute vorgestellt wurde: Die integrale oder nach Google-Wording «universale» Suche: Ab sofort werden bei Suchanfragen nicht mehr nur Webseiten oder Bilder oder Videos oder Bücher oder eine der andern Kategorien von Daten durchsucht, sondern alle. Die Ausgabe erfolgt kunterbunt gemischt, aber nach Relevanz absteigend. Wer "I have a dream" sucht, erhält bereits an fünfter Stelle einen Link auf ein Video der berühmten Rede von Martin Luther King.

 

Hinter diesem scheinbar kleinen Schritt stecke ein grosser Umbau der Infrastruktur, sagte Udi Manber, VP Engineering: Bei fast zehn verschiedenen Daten-Indizes für Web, Videos, Bücher, Karten, Gruops etc hätte sich die Rechnerlast für eine einzige Suchanfrage verzehnfacht, wenn Google die Kategorien einfach der Reihe nach abfragen würde.

Die Ansprechpartner, darunter Google-Co-Gründer Sergey Brin, der direkt von einem Fahrradausflug im Trainingsanzug zu dem Presseanlass stiess, wollten nicht verraten, wie sie das Problem gelöst haben, aber Manbers Ausführungen zufolge ist anzunehmen, dass ein neuer, umfassender Meta-Index angelegt wurde. Vor allem die in Google Scholars erfassten wissenschaftlichen Arbeiten und die im Print-Index verfügbaren Bücher seien bei allgemeinen Suchen zu wenig zur Geltung gekommen, sagte Brin - mit der universalen Suche, die ab sofort aufgeschaltet ist (aber namentlich auf Deutsch noch wenig Resultate ausserhalb des traditionellen Webseiten-Index ausgibt) soll dem abgeholfen werden.

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Google-Gründer Sergey Brin erklärt Journalisten beim Lunch, worums geht. Foto PS

Die Neuerungen gehen aber noch sehr viel weiter. So werden derzeit nicht mehr nur die YouTube- und Google-Videos in die Suche einbezogen, sondern auch Metacafe und rund ein halbes Dutzend weiterer Videoplattformen. Deren Filme können allerdings im Gegensatz zu YouTube und Googles Streifen nicht direkt in der Trefferseite abgespielt werden.

Manber kündigte ausserdem die baldige Einführung der sprachunabhängigen Suche an. Die Integration des bisher vor allem für äusserst witzige Sprachüberführungen bekannten automatischen Übersetzungsdienstes in die Suche soll demnächst dafür sorgen, dass jede Anfrage auch Treffer in allen andern als der Ursprungssprache inklusive solchen mit anderen Schriften wie Arabisch oder Japanisch zu Tage fördern. Dabei werden natürlich auch die Treffer sogleich in übersetzter Form präsentiert. Was bei Textdokumenten weiterhin vor allem für Erheiterung sorgen dürfte, ist bei der Suche nach andern Medien wie Videos oder Fotos eine unschätzbare Ausdehnund der Suche.

Wer wissen will, was Google sonst noch im Köcher hat, kann das inskünftig auf "Google Experimental" ausprobieren, einer Analogie zu den - einzelnen Anwendungen vorbehaltenen - "Google Labs". Hier können künftige Zusatzdienste und Suchfunktionen ausprobieren. Dazu gehören beispielsweise die Darstellung von Suchtreffern in Google-Maps, wo alle Elemente einer Trefferliste, sofern möglich, einem geographischen Ort zugewiesen und auf einer Karte dort angezeigt werden, wie auch die Treffer-Timeline, welche - Bloggern bekannt aus Technoratis Themen-Statistik - das Auftreten des Suchbegriffs auf einer anklickbaren Zeitleiste anzeigt.

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Kommentare

  • Alexander Hänsel

    19.05.07 (19:36:37)

    Ich habe jetzt auch ein paar Tests durchgeführt. Hut ab an Google.

  • Andreas Jenke

    22.05.07 (19:07:11)

    besser als Google http://www.searchmash.com/search/i+have+a+dream Suche insgesamt hat sich zwar bei Google verbessert aber bevorzuge trotzdem lieber diese Suchmaschine hier www.searchmash.com . Searchmash hat die Technik schon länger in verschiedensten Kategorien auf einmal zu suchen. Und die Rubriken können sogar erst auf Wunsch eingeblendet werden. Probiert es mal selber mit mal aus. Finde das 1. übersichtlicher und 2. brauche ich nicht den ganzen restlichen Google Stuff ringsrum.

  • mds

    22.05.07 (21:23:05)

    @Andreas Jenke: SearchMash = Google (siehe beispielsweise http://www.searchmash.com/about/privacy.html)!

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