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13.06.16

Software

Ungewöhnliches Schreibprogramm Flowstate: Pause machen gilt nicht!

Frank Müller

Flowstate bezeichnet sich selbst als „the most dangerous App“, also die gefährlichste App. Aber was macht das Schreibprogramm für iOS und OS X so gefährlich? Ganz einfach: Hört man für mehr als fünf Sekunden auf zu tippen, verschwindet der gesamte Text. Das soll die Produktivität steigern.


(Bild: Flowstate)

Hervorragende Bewertungen und prominente Fans

Die Bewertung der App liegt momentan bei der vollen Punktzahl. Die Rezensenten schwärmen vom positiven Stress und gesteigerter Produktivität. Drehbuchautor und Regisseur Judd Apatow wird mit nur einem Wort zitiert: Danke!

Die Pomodoro-Technik auf die Spitze getrieben

Dabei ist man beim Arbeiten mit diesem Programm immer nur wenige Sekunden von der Katastrophe entfernt. Nutzer der Pomodoro-Technik kennen das Prinzip: Timer an, und sich dann nicht mehr ablenken lassen, bis die vorher festgelegte Zeit um ist.

Flowstate treibt die produktivitätsfördernde Idee auf die Spitze. Hört man vor Ablauf der festgelegten Zeit für mehr als fünf Sekunden auf zu schreiben, verschwindet alles bisher Geschriebene auf Nimmerwiedersehen. Diese Drohung erlaubt keine Ablenkung.

Produzieren geht vor Editieren

Die Idee des quasi automatischen Schreibens, ohne groß darüber nachzudenken oder zu editieren, haben die Surrealisten um André Breton ebenso verfolgt wie schon Goethe, der von „nachtwandlerischem Dichten“ spricht. Einfach drauflosschreiben. Mehr bleibt einem bei einem Zeitfenster von wenigen Sekunden auch kaum übrig.

Meine Einschätzung von Flowstate

Flowstate mag für Menschen interessant sein, die es ohne Zwang nicht schaffen, sich zu konzentrieren. Ich persönlich finde fünf Sekunden zu kurz. Manchmal will man auch zehn Sekunden über einen Satz nachdenken oder einen Tippfehler korrigieren. Mit Flowstate ist es wirklich nur möglich, einen ersten Entwurf zu schreiben.

Außerdem sollte man sich meiner Meinung nach nicht mehr als kurze Blöcke von drei oder fünf Minuten vornehmen. Ich könnte mir kaum ausmalen, wie es wäre, 60 Minuten lang durchzuschreiben ohne zwischendurch mal kurz aufstehen zu können oder einen Satz zu durchdenken, während man sich einen neuen Kaffee holt. Denn man kann auch im Flow bleiben, wenn man nicht tippend vor dem Bildschirm sitzt.

Im Flow bleiben oder alles verlieren

Als „Flow“ bezeichnet man laut Wikipedia einen „mentalen Zustand völliger Vertiefung (Konzentration) und restlosen Aufgehens in einer Tätigkeit („Absorption“), die wie von selbst vor sich geht – auf Deutsch in etwa Schaffens- bzw. Tätigkeitsrausch“. Um diesen Zustand zu erreichen, muss man sich einer Sache voll hingeben, sich ganz darauf konzentrieren und sich selbst und die Zeit vergessen.

Das Arbeiten in Flowstate macht aber gerade das meiner Meinung nach unmöglich, schließlich drohen ja schon wenige Sekunden ohne Tippen die ganze Arbeit zu vernichten. Die Zeit zu vergessen scheint mir da kaum möglich. Durch den drohenden Verlust der bisherigen Arbeit wird nach meinem Empfinden eher Stress aufgebaut, der dem Erreichen eines Flow States entgegenarbeitet.

Aber vielleicht geht das ja nur mir so? Andere berichten ja eher euphorisch über das Arbeiten mit dem "gefährlichen" Programm.

Mehr Infos und eine kostenlose Alternative

Die App Flowstate ist für OS X und iOS erhältlich, der Preis für die OS-X-Version beträgt momentan rund zehn Euro und soll noch steigen, die iOS-App kostet zur Zeit rund fünf Euro.

Wer nicht an einem Gerät von Apple sitzt oder erst einmal ausprobieren möchte, ob das Konzept von Flowstate eher die Produktivität im Büro oder die Panik steigert, kann die Seite der "Most Dangerous Writing App" besuchen. Der dort zu findende Online-Editor funktioniert ganz genau so wie Flowstate, ist Open Source und kostenlos nutzbar.

Weitere Infos über Flowstate gibt es auf der Seite des Unternehmens Overman, das sich als „Obstruction Company“ bezeichnet, also als Unternehmen, das Hindernisse bereitstellt, die überwunden werden wollen. Im Falle von Flowstate ist es die zeitliche Begrenzung auf wenige Sekunden Pause. Der Internet-Regulierer Zen soll demnächst folgen.

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