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27.02.13Kommentieren

Firefox OS: Bemerkenswerter Zuspruch für Mozillas mobiles Betriebssystem

Der eigentliche Star inmitten wenig interessanter Smartphone-Neuheiten auf dem Mobile World Congress in Barcelona ist Firefox OS. Das neue mobile Betriebssystem mit dem Namen des beliebten Browsers wird von zahlreichen Herstellern und Carriern unterstützt. Mozilla erntet nun Zuspruch für jahrelange erfolgreiche Arbeit an offenen Systemen. Kasse allerdings werden damit eher andere machen.

Alcatel One Touch Fire: Eines der ersten Smartphones mit Firefox OS

Es sieht so aus wie eine Kopie von Apples iOS, es soll vor allem auf abgespeckter Hardware laufen, erste Gehversuche verliefen holprig und vor 2014 werden wir zumindest in Deutschland wohl kein Gerät damit sehen. Trotzdem ist Firefox OS auf dem Mobile World Congress in Barcelona eine kleine Erfolgsgeschichte. ZTE hat ein Gerät mit dem neuen System gezeigt, Alcatel eins vorgestellt, LG, Huawei und Sony ebenfalls Telefone damit in Aussicht gestellt. Zahlreiche Software-Entwickler haben ihre Unterstützung signalisiert, Twitter bereits eine App vorgestellt. 18 Carrier sind von Beginn an an Bord, größtenteils begeistert, und auch Fachmedien jubeln. Dabei ist es ja nicht gerade so, dass es uns in diesem Jahr an neuen mobilen Betriebssystemen mangeln würde und es mit Android und Windows Phone nicht schon einige herstellerunabhängige OS gäbe. Woher also kommt dieser Zuspruch?

Es dürfte in erster Linie Eigennutz sein. Firefox OS ist offen. Das bedeutet nicht nur, dass Entwickler webbasierte Apps im Handumdrehen für das System portieren oder mobile Websites recht einfach als App anpassen können. Es bedeutet auch, dass Carrier wie Telefónica oder die Telekom damit ihr eigenes Süppchen kochen können. Sie können das System anpassen, eigene Apps und App Stores anbieten und an dem mitverdienen, was ansonsten Apple, Google und Microsoft vorbehalten ist: Apps und Content.

Abwechslung und weniger Abhängigkeit

Ein weiteres Argument, das Mozilla und die Carrier ins Felde führen, ist, dass die Menschen Abwechslung wollen. "Ich finde es unmöglich zu verstehen, wie ein, zwei oder fünf Unternehmen die unterschiedliche Bedürfnisse von drei, vier, fünf oder sechs Milliarden Menschen abdecken wollen", sagte Mozilla-Chef Gary Kovacs bei der Vorstellung von Firefox OS am Sonntag. Das Argument, es gebe ja schon Android, iOS und vielleicht noch Windows Phone und Blackberry, zöge also nicht. Nach Kovacs Willen ist noch Platz für mehr.

Die Carrier allerdings wollen Vielfalt in erster Linie aus ganz anderen Gründen: Sie wollen sich nicht länger von Apple und den Android-Anbietern an der Nase herumführen lassen. Ein glaubhafter Grund hingegen: Firefox OS ist vor allem für schwächere und damit preisgünstige Hardware ausgelegt. So können die Carrier künftig Kunden bedienen, denen ein Smartphone bislang zu teuer war.

Technisch noch mit Tücken

Was man bisher von Firefox OS gesehen hat, sieht allerdings nur teilweise vielversprechend aus. Erste Hands-on-Videos mit Prototypen zeigen eine Software, die wie Apples iOS aussieht, nicht auf jede Eingabe reagiert und auch nicht gerade flüssig läuft. In einem Video für Mashable etwa hat der Firefox-Entwickler so seine Mühen, das verbuggte System ordentlich zu präsentieren:

Auch in einem Beispielvideo der Telekom funktioniert nicht alles:

Geschenkt - solange es sich dabei noch um Vorserienmodelle handelt. Was mir in beiden Videos wiederum sehr gut gefiel, ist die Websuche, die auch den Content von Apps aus dem Store mit durchsucht - selbst solche, die man gar nicht installiert hat.

Mozilla erntet die Früchte

Der Zuspruch der Carrier kommt auch aus einer anderen Richtung: Sie waren von Anfang an mit an Bord und konnten das System mitgestalten. Vor allem die spanische Telefónica hat sich an der Entwicklung beteiligt. Sie kann nun vor allem in Lateinamerika, wo sie stark repräsentiert ist, die Früchte dafür ernten und das System unters Volk bringen.

Und auch der gute Ruf dürfte dafür sorgen, dass Firefox OS es bei den Carriern ein wenig leichter hat als etwa Jolla Sailfish oder Ubuntu for Phones: Mozilla hat sich in den vergangenen zehn Jahren einen Namen in Sachen Offenheit und Unabhängigkeit gemacht. Am Firefox-Browser sieht man täglich, wie das funktionieren kann. Für diese Unbestechlichkeit erntet Mozilla nun die Lorbeeren. Andere müssen sich das Vertrauen erst erarbeiten. Das Tragische dabei: Es klingt nicht so, als würde Mozilla an dem System viel verdienen. Die Carrier werden mit ihren Content Stores dafür sorgen, dass sie selbst Kasse machen.

Von Firefox OS jedenfalls werdet ihr in den kommenden Jahren schon noch einiges hören. Ob viele von euch es benutzen werden - benutzen wollen - bezweifle ich zwar. Aber darum geht es den Entwicklern ja auch nicht. Firefox OS will eine Alternative für einige (Milliarden) Nutzer sein, nicht für alle.

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