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04.06.13

Fat Shark Predator im Test: Modellfliegen mit Videobild - die Sicht der Drohne (2/2)

First-Person View (FPV) zum Steuern des DJI Quadcopters Phantom: Wir haben es getestet, sind begeistert - und ernüchtert.

Fat Shark Predator Video-Receiver-Brille

Eine Flugdrohne aus deren Kamera-Sicht zu steuern muss doch eigentlich viel einfacher sein, als vom Boden aus mit der Fernsteuerung zu mutmassen, wie dicht sie grade an dem Baum dran ist? Ja und nein. Bei unserem Test mit der FPV-Ausrüstung Predator von Fat Shark haben wir rausgefunden, wo die Herausforderungen liegen. Hier zuerst ein paar Videobilder von meinem zweiten FPV-Flug überhaupt:

Die Videos im ersten Teil dieses Tests – und das gleich da unten – stammen von erfahrenen Piloten, deren Arbeit ich nach meinen ersten Versuchen mit FPV nur bewundern kann. Zwar ist der Quadcopter "Phantom" von DJI grundsätzlich schon sehr einfach zu fliegen, und mit der Sicht der Bordkamera kann ich ja genau bestimmen, wo ich durchfliege. Dieser Vorstellung kommen in der Praxis aber ein paar neue Dinge in die Quere, die dann doch wieder einen Haufen Training nötig machen. Und was Tom hier bietet, hat deswegen meine höchste Bewunderung:

Jedenfalls habe ich für meinen ersten Flug mit der FPV-Brille glücklicherweise nochmals den Fussballplatz in der Nähe meines Hauses aufgesucht. Hindernisse links und rechts vom Flugpfad sollte man sich nämlich am Anfang mit dem Kamera-System erst nach dem Start suchen: Wenn die Brille richtig sitzt und der Kontrast korrekt eingestellt ist.

 

Im Test des Phantoms habe ich bereits beschrieben, wie schwierig es für den RC-Piloten sein kann, die Distanz seines Fluggeräts von einem Hindernis oder zum Piloten selber zu schätzen. FPV macht das naturgemäss ganz leicht. Mit einer grundlegenden Einschränkung: Wirklich SEHR nah ran zu fliegen ist heikel, vor allem, wenn man eine ukltraweitwinkel-Kamera wie die GoPro Hero unter dem Quadcopter angehängt hat.

Die zeigt nämlich in der "Wide"-Einstellung 170 Grad, also fast einen Halbkreis in Richtung der Nase der Drohne. Demnach werden Dinge, die sich direkt links und rechts der Drohne befinden, im Bild angezeigt – und der zaghafte unter den Piloten geht davon aus, dass sie irgendwie VOR dem Fluggerät sind. Umgekehrt wirken die Dinge, die effektiv direkt vor der Kamera stehen, etwas weiter weg. Ich habe das deutlich kapiert, als ich auf mich selber zugeflogen und vor mir in vermeintlichem Abstand von einem gefühlten Meter schwebte. Der Rotor-Wind im Gesicht liess mich vorsichtig die Videobrille anheben – und da schwebte der Phantom rund 30 Zentimeter vor meiner Nase.

Das wiederum führt dazu, dass man beim Pilotieren grundsätzlich eher etwas zu weit rückwärts von den Objekten entfernt bleibt. Was in meinem engen Garten mit hohen Bäumen sehr rasch dazu führt, dass ich rückwärts in das nächste Hindernis reinfliege. Man glaube mir, ich hab's versucht - und die Brille sofort nach dem Start des Phantom in die Stirn geschoben, weil ich mich von allen Seiten umzingelt fühlte.

Was man gar nicht sieht, ist allerdings alles, was sich hinter, direkt über oder unter der Drohne befindet. Das sorgt dann in anderen Situationen für Probleme: Beim Absinken über Hindernissen oder beim Aufsteigen unter Bäumen und dergleichen. Dieses Video erzählt die Geschichte etwas genauer (mitsamt zwei Abstürzen und einem Fehlstart):

Ein weiteres Problem ist die Einschätzung der Drift des Quadcopters. die ist nämlich "von aussen" viel leichter sichtbar als aus der Kamera-Perspektive. Auch hier macht der Weitwinkel ein langsames auswandern der Drohne seitwärts fast unsichtbar. Fliegt man also nicht im GPS-Modus, in dem sich der Phantom absolut an Ort und Stelle hält, kann man mit FPV rasch ein paar Meter driften - und in der nächsten Hecke "landen".

Ein letztes Problem schliesslich ist die enorme Wendigkeit des Phantom. Die Bewegungen des Fluggeräts sind nämlich wiederum in der Videobrille aus Kamerasicht nicht ganz so schnell erkennbar wie von aussen. Wenn ich also den Steuerknüppel aus dem Schwebezustand etwas zu ruppig oder auf die falsche Seite bewege, dann brauche ich noch einen Sekundenbruchteil, bevor ich das wirklich realisiere.

Fast so gut wie (selber) fliegen

Aber genug der Ängstlichkeit: Ganz grundsätzlich macht FPV den ohnehin grossen Spass am Fliegen mit dem Phantom nochmals eine runde dicker. Es fühlt sich ein bisschen an, als ob man selber fliegen würde, nur dass man dabei mit riskanten Manövern allenfalls die Ausrüstung, aber nicht das eigene Leben aufs Spiel setzt. Für die Betrachter der Videos, die sich jetzt sowieso rasch an den Anblick von Flugaufnahmen gewöhnen werden, wird es natürlich erst spektakulär, wenn man für die Aufnahmen zwischen Dingen, unter ihnen durch oder knapp über sie drüber fliegt. Und dass das nicht so einfach ist, wie es in den Videos von vor allem Tom Hirschmann (einem Schweizer in Florida) scheint, ist eigentlich befriedigend. Es heisst nämlich, dass Qualität noch immer erkennbar bleibt.

Und dass ich noch viel üben muss.

Das Fat Shark System Predator hat mich auf Anhieb begeistert. Die Einschränkungen sind zwar schnell erkennbar: Die simplen Stick-Antennen beispielsweise bringen rasch einen Signalverlust, etwa wenn man mit der Drohne über den eigenen Standort fliegt oder wenn Hindernisse im Weg sind. Das Videobild in der Brille ist wie gesagt nicht sehr glanzvoll, und wer wie ich mit Alterskurzsichtigkeit zu kämpfen hat, sollte sich vielleicht die Korrektur-Vorsätze für die Brille, die es als Zubehör gibt, gleich mitbestellen. Aber für die Annäherung an Blumen in der Wiese reichte es allemal, und das Bild ist farbig und scharf - sofern die Brille grade genau richtig sitzt.

A Propos sitzen: Ich habe an einigen Orten gelesen, dass man sich zum FPV-Fliegen am besten hinsetzt, weil man nämlich die Tendenz hat, den Kurvenflug des ferngesteuerten Objekts mit dem Körper auszugleichen - und dann rasch mal hin- und die Drohne deswegen vom Himmel fällt. Bei den Langsamflügen, die ich zuerst absolviert habe, war das noch kein Problem, die gelegentlich auftauchenden Neugierigen, die einen mitten im Flug unvermittelt anquatschen und die man nicht hat hören kommen, kosten dagegen zwischendurch Nerven.

Noch etwas habe ich gelesen, und das macht Sinn, aber ich werde es selber ausprobieren: Wenn man die Kamera an einen Gimbal, also eine Steadycam-Aufhängung montiert, damit sie die hektischen Bewegungen der Drohne nicht mitmacht, sondern dank Lagecomputer und blitzschneller Servos immer genau waagerecht bleibt, entsteht ein neues Problem: Per FPV ist dann natürlich die Fluglage des Quadcopters nicht mehr sichtbar. Das führe, schreibt ein Kommentator auf Youtube, früher oder später unweigerlich zu einem Absturz. Ich muss mir also überlegen, die Fat Shark Predator-Zubehörkamera doch wieder in den Einsatz zu nehmen, wenn mein Gimbal und die Servos denn mal geliefert wurden. Aber darüber werden wir in separaten Texten berichten...

Teil 1 des Tests erschien gestern.

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