Hier finden Sie weitere Artikel aus der Themensammlung Technik

05.04.13

Kommentar: Facebook weckt die verschlafenen Mobilfunkriesen Google und Apple auf

So tut doch etwas! Facebooks baldiger Start des Android-Launchers Home ist vor allem ein Weckruf. Das Social Network sieht die Chance darin, den Unmut vieler Nutzer über langweilige Smartphone-Oberflächen für die eigenen Zwecke zu nutzen. Home könnte deswegen ein Erfolg werden, weil die Großen sich hier zuletzt zu wenig bewegt haben.

Facebook Home

Man wird ja zynisch dieser Tage und denkt sich: "Facebook auch noch mein Handy kapern lassen? So weit kommt es noch! Aber ausprobieren will ich dieses Home irgendwie schon mal, das scheint etwas Frisches, Neues zu sein." Was Facebook mit Home vorhat, kann man unterschiedlich interpretieren. Geht es darum, die Jugend zurückzuholen, Powerusern etwas zu bieten, endlich mit mobiler Werbung etwas zu verdienen, den Markt für mobile Systeme ein wenig in Unordnung zu bringen? Wahrscheinlich von allem ein bisschen.

Es ist eine erstaunlich diskrete Erweiterung, die Facebook gestern vorgestellt hat. Keine eigene Oberfläche, anders als in iOS keine tiefe Integration ins Android-System, keine ungewünschten Funktionen, die allen Nutzern über eine offizielle Facebook-App aufgezwungen würden. Nimm es oder lass es. Facebook überlässt es den Nutzern, sich Home zu installieren oder mit der bisher verwendeten Android-Oberfläche weiter zu arbeiten.

Facebook zeigt aber, dass es sich durchaus lohnt, einmal über den gewohnten Tellerrand zu schauen: Nachrichten empfangen und schreiben, Statusnachrichten absetzen direkt aus dem Lockscreen heraus. Ein hübsch designter Feed präsentiert die Neuigkeiten der Freunde. Mit Home lässt sich chatten ohne eine App zu verlassen, Facebook-Nachrichten und SMS laufen an einem Ort zusammen. Facebook präsentiert damit die eigene Vorstellung einer Android-Oberfläche, ohne dass Home eine vollständige wäre.

Android-Oberflächen zu langweilig?

Der Grund dafür: ein nacktes Android ist mittlerweile zwar elegant designt, aber nicht besonders aufregend. Die meisten Launcher, egal ob Motorolas Motoblur, Samsungs Touchwiz oder LG Optimus UI sind schlicht und bieten kaum Extra-Funktionen. Ein großer Teil der Android-Community mag das auch so und findet es wichtiger, den Launcher nicht zu überladen, so dass man ihn frei konfigurieren kann. Gerade jüngeren Nutzern dürfte ein nackter Lock- oder Startscreen aber zu langweilig sein. Warum so schlicht, wenn doch viel mehr geht? Warum so bescheiden, wenn das Smartphone doch mit vier Kernen und Grafikbschleunigern arbeitet? Facebook hat nun gute Chancen, die Gruppe der Gelangweilten abzugreifen.

Viele Nutzer wünschen sich eine lebhaftere Oberfläche wie in der neuen Sense-Oberfläche im HTC One. Der dortige Blinkfeed erinnert konzeptionell ein wenig an Facebook Home: Soziale Funktionen, die an einer Stelle zusammen laufen, eine Ausrichtung nach Personen und Inhalten, nicht nach Apps. Warum tun sich die beiden führenden Systemanbieter Apple und Google eigentlich so schwer damit, von ihren langweiligen App-Screens abzurücken? Notifications werden stiefmütterlich auf den Lockscreen verbannt, jede App erscheint für gewöhnlich bildschirmfüllend, auch wenn ein Screen 5 Zoll groß ist.

Facebook zeigt den etablierten Größen gerade nur einen kleinen Ausschnitt davon, was sie noch alles tun könnten, was eigentlich so möglich ist mit Smartphones. Das dürfte ein wenig Bewegung auslösen und für muntere Funktionen zumindest in den übernächsten Versionen von Android und iOS sorgen. Facebook hat den behäbigen Riesen hier einen Denkzettel verpasst. Die Zeit für mutigere Neuentwicklungen bricht an.

Schlagworte zu diesem Artikel

Das könnte Sie auch interessieren

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer