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02.10.12 06:18

, von Wolf-Dieter Roth

Erdfunkstelle Raisting (2/3): Nicht mehr zeitgemäß?

Die Erdfunkstelle Raisting hat Technik-Geschichte geschrieben und ist inzwischen Industriedenkmal. Als eine der ersten Satellitenempfangsanlage war sie allerdings in den 80er-Jahren auch schon technisch veraltet und vom Abriss bedroht.

Bautafel der Radom-Sanierung (Foto: Wolf-Dieter Roth)Eine ähnliche Radom-Antenne wie die in Raisting aufgestellte stand in Andover, USA, sie wurde abgebaut und verschrottet. Zunächst waren in Raisting vier Radom-Antennen geplant, doch die späteren Antennen der Erdfunkstelle Raisting kamen ohne Schutzhülle aus und wurden direkt beheizt. Ab 1979 wurden in Usingen und ab 1984 in Fuchsstadt weitere deutsche Erdfunkstellen errichtet.

Ab 1980 wurden Satellitenfrequenzen doppelt genutzt mit horizontaler und vertikaler oder links- und rechtsdrehender Polarisation, so wie wir es heute auch von den Astra-Satelliten kennen. Die Antenne war für diese zusätzliche Anforderung ungeeignet, weil die Radom-Hülle die Polarisation verdreht, insbesondere wenn sie bei Regen nass ist. Deshalb wurde die Antenne 1985 für die kommerzielle Nutzung stillgelegt und lediglich von der Deutschen Bundespost und später der Deutschen Telekom als Museum weiterbetrieben. Seitdem wurde versucht, die Anlage als Denkmal zu erhalten, 1999 wurde das Radom schließlich in die Denkmalschutzliste aufgenommen.

2003 wären die im Radom installierten Geräte beinahe durch eine Entsorgungsfirma verschrottet worden, was zur Gründung des Vereins Industriedenkmal Raisting e.V. führte, der neben einem beeindruckenden "Tag der offenen Tür" 2004 auch andere Veranstaltungen organisierte, wie regelmäßige Open-Air-Kinoveranstaltungen im Sommer, die das Radom als - gebogene - Riesen-Leinwand nutzen. Auch richtete der Verein eine Ausstellung der Geschichte der Telekommunikation ein als Grundlage eines Museums.

Museum der Satellitenfunktechnik?

Seit 2007 ist die Radom Raisting GmbH, die dem Landkreis Weilheim-Schongau gehört, Eigentümer der Anlage. Sie ließ seit 2009 für etwa drei Millionen Euro erfolgreich die Erneuerung der Radomhülle und die Sanierung des Gebäudes durchführen und es vor dem sonst unvermeidlichen Abriss retten. Die Telekom hatte dieses Objekt ähnlich zu den Sendeanlagen am Funkerberg Königswusterhausen aufgegeben und alle Antennen der Erdfunkstelle Raisting Ende 2005 verkauft. Auf Dauer ist angedacht, dass ein anderer Interessent, beispielsweise der Freistaat Bayern anstelle des damit finanziell doch sehr geforderten Landkreises Weilheim die Trägerschaft für den Unterhalt des Radoms übernimmt.

Der Landkreis Weilheim sieht allerdings große Probleme, die laufenden Betriebskosten aus den Einnahmen eines Museums zu decken. Schon die Heizung des Radoms ist sehr energieaufwendig. Deshalb wurden mit der neuen Hülle Gewebeschläuche installiert, die für Mikrowellen durchlässig sind und über die gezielt in den Zenit des Radoms Warmluft geleitet werden kann. Der Rest der Hülle wird nun im Winter nur noch knapp über der Frostgrenze gehalten, während früher bei drohendem Schneefall die gesamte Kuppel auf 26°C hochgeheizt werden musste. Auch die Heizungs- und Belüftungsanlage wird modernisiert - die Gebläse sind bereits durch effizientere Motoren ausgetauscht, doch auch die Fernwärmezuführung entspricht nicht mehr dem Stand der Technik und taut im heutigen Zustand im Winter ungewollt auch die Zufahrtswege zum Radom auf.

Die erste Schutzhülle war von Oktober 1963 bis September 2010 über der Antenne - Garantie gab es nur bis 1970 - und musste nun wegen Baufälligkeit ausgetauscht werden. Dies war etwas knifflig, da die technische Ausrüstung 1963 erst unter die bereits aufgesetzte Hülle gebaut worden war, während nun die Hülle über der Antenne abzunehmen und eine neue aufzusetzen war, ohne die Antenne zu beschädigen. Doch es gelang innerhalb von zwei Tagen, Zeitraffer-Videos hiervon sind hier zu finden.

Hat die Sanierung geklappt und kann die Radom-Antenne nun wieder benutzt und besichtigt werden? Das beschreibt der letzte Teil unserer Satellitenfunk-Zeitreise.

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