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18.12.12Leser-Kommentare

Emporia Elegance im Test: Wie vertragen sich das "Senioren-Handy" und die Zielgruppe?

Die demografische Entwicklung macht nicht nur Sorgenfalten, wenn es um die Renten geht. Sie sorgt auch dafür, dass Produkte speziell für Senioren auf dem Vormarsch sind. Das ist ganz sinnvoll, denn der Markt wächst. Aber nur weil "Senior" draufsteht, muss es der Zielgruppe ja nicht unbedingt gefallen. Oder?

Wir hatten zwei Modelle von Emporia im Test, wobei ich mich etwas intensiver auf das Emporia Elegance für 59,99 Euro konzentriert habe. Eigentlich lautete der Plan, dass meine Mutter (70+) das Gerät testen würde. Sie hat sich leider sehr schnell geweigert, für eine Weile auf ihr geliebtes (und gleichermaßen verhasstes) Nokia 3710 zu verzichten. Mein taktischer Fehler war, nicht nur auf die Vorzüge und das nette Design hinzuweisen, sondern auch den Begriff "Senioren-Handy" fallen zu lassen.

Dazu kann man gleich mal anmerken: Nicht jeder aus der Zielgruppe möchte sich dieser zugehörig fühlen. Das ist sicher problematisch für das Marketing.

Der erste Eindruck

Was beim Auspacken angenehm auffällt, ist die dünne Bedienungsanleitung in großen Buchstaben. Das liegt natürlich auch an der einfachen Ausstattung des Emporia Elegance.

Eher unangenehm fand ich spontan die abgerundete Seifenform. Das Material ist sehr glatt und kann so recht leicht vom Tisch oder aus der Hand rutschen. Zu diesem Eindruck tragen auch die glatten Tasten bei, die ohne Absatz ineinander übergehen. Auch wenn man sich das nicht gern vorstellt: Mit fortschreitendem Alter lässt auch der Tastsinn ein wenig nach. Dann sind die einzelnen Tasten nur schlecht zu unterscheiden, und auch die Druckpunkte sind nicht eben ausgeprägt. Sehr bedauerlich: Es liegt keine Handschlaufe bei. Man könnte zwar eine anbringen, aber das ist die übliche Fummelarbeit - hätte man bei einem Seniorenhandy nicht eine spezielle Aufhängung mit einer etwas leicher zu befestigenden Schlaufe vorsehen können?

Für den Test bat ich meine Mutter, SIM-Karte und Akku einzulegen. Sie hatte ebenso Schwierigkeiten wie ich, den Plastikdeckel auf der Rückseite zu schließen. Man muss die Teile extrem genau führen, damit das funktioniert. Das finde ich sehr schade, denn auch an solchen Handhabungsdetails erkennt man die "Senioren-Tauglichkeit".

Das erste Einschalten

Wir haben es aber geschafft, also SIM-Karte und Akku eingelegt, den Deckel geschlossen. Das erwartete uns beim Einschalten: Das Display ist zweifarbig mit angenehm großer und kontrastreicher Anzeige. Es gibt keine Fotofunktion, kein Internet, nicht einmal MMS. Man kann Telefonieren und SMS versenden, außerdem gibt es eine Wecker- und eine Taschenlampen-Funktion. Per Knopfdruck wird es erstaunlich hell dank einer kleinen LED an der Oberseite. Andere Features sucht man vergebens - definitiv kein Handy für Tech-Geeks, aber das will es ja auch nicht sein.

Unerwarteter Spaßfaktor

Ein wahres Bonbon ist die Auswahl an Klingeltönen. Getreu dem Motto, niemanden überfordern zu wollen, gibt es nur acht Töne, darunter ein flotter "Boogie Woogie" und der Klassiker "Old Phone". Da ich simulieren wollte, wie man ohne Vorkenntnisse mit diesem Gerät umgehen würde, habe ich aber zunächst gar nicht ins Menü geschaut, sondern das Elegance einfach mal angerufen. Ich wählte nichts ahnend die Nummer, und dann ging die Show los: Brüllend laute Marschmusik, begleitet von hellem Blinklicht (wir erinnern uns an die Taschenlampen-Funktion!) und lautem Brummen. Das Telefon wanderte fröhlich lärmend quer über den Esstisch, und meine Mutter starrte fassungslos darauf, während ich vor Lachen fast vom Stuhl gekippt bin. Die Geräuschkulisse erinnerte frappierend an Opa Hoppenstedt!

Irgendwann kriegte ich wieder Luft und habe dann im Menü herausgefunden, dass dieser Klingelton "Wilhelm Tell" heißt. Aber: Den Radetzky Marsch gibt es auch zur Auswahl. Vielleicht war im Produktmanagement ein Loriot-Fan am Werk? Wir werden das wohl nicht erfahren. Der Kommentar der Zielgruppe, vertreten durch meine Mutter, war aber weniger freundlich: "Das ist eine Frechheit, als ob man im Alter nur so einen Mist hören will".

Noch mehr Eigenschaften

Damit sich Mutti schneller mit dem Testgerät anfreunden kann, wollte ich es vor Gebrauch aufladen. Die Ladezeit wird mit mindestens vier Stunden angegeben, und wenn der Akku voll ist, bleiben die Anzeigebalken für den Ladezustand auf Vollausschlag stehen. Da habe ich mich schwer gewundert, warum das nicht funktioniert - bis ich dann am zweiten Tag "Laden" feststellte, dass der Stecker offenbar keinen Kontakt hatte. Man muss ihn mit vergleichsweise großem Kraftaufwand ins Gehäuse drücken. Es ist mir sogar beim zweiten Ladezyklus erneut passiert, obwohl mir diese Schwäche schon bekannt war. Das ist nicht gut gelöst - hier kann man es noch unter persönlicher Blödheit verbuchen, aber wenn jemand vielleicht nicht mehr ganz so firm mit der Technik umgehen kann, ist das eine vermeidbare Schwachstelle.

Ansonsten soll der Akku des Elegance laut Datenblatt für etwa 480 Stunden Bereitschaftszeit und für 240 Minuten Sprechzeit ausreichen. Der Lautsprecher dieses Dualband-Handys (GSM 900/1.800) ist hörgerätetauglich, und das Display hat eine Diagonale von 1,8 Zoll mit 160x128 Pixeln.

Fazit

Auch wenn mich das Emporia Elegance nicht überzeugen konnte: Wer für Eltern, Großeltern oder für sich selbst ein unkompliziertes Mobiltelefon sucht, sollte sich die Emporia-Modelle ruhig mal näher ansehen. Es gibt von Emporia verschiedene hörgerätetaugliche Telefone mit gut lesbarer Schrift im Display und ohne großen Schnickschnack. Manche auch mit einer besonderen Notfalltaste auf der Rückseite, die dann eine eingespeicherte Nummer wählt. Dabei sind die Preise durchaus vernünftig, das Elegance etwa reisst mit einer Preisempfehlung von 59,99 Euro keine großen Löcher ins Portemonnaie.

Was man nämlich bei allem Gemecker nicht vergessen darf: Dinge, die ich hier als "nicht Senioren-gerecht" oder "nicht Nutzer-freundlich" angemahnt habe, sind bei den meisten Wald- und Wiesenhandys nicht anders. Und ich habe in meinem Umfeld schon häufiger erlebt, dass zu viele Funktionen verwirrend sein können. Diese Gefahr ist bei einem solchen Modell zumindest gebannt.

Wir hatten zwei Modelle von Emporia im Test: Das hier vorgestellte Emporia Elegance für 59,99 Euro und das Emporia Click für 99,99 Euro. Erhältlich sind die Geräte beispielsweise bei der Telekom, bei Vodafone und über amazon.de.

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Kommentare

  • SL

    18.12.12 (16:29:20)

    Ich bin selbst gerade knapp 40 und doch ein "letzte Technik Must Have" Fan, aber ich habe als "Festnetzersatz" zu Hause mit einer Geheimnummer auch ein Emporia. 1) Lange Laufzeit 2) Kein nutzloses Zeugs, will ja nur telefonieren 3) Man kann das Teil recht gut beim telefonieren "einklemmen" und hat beide Hände frei (ja klar ginge mit Freispreche auch, aber will ja nicht dauernd mit dem Ding im Ohr durch die Wohnung laufen 4) Gute Freispreche 5) Tischladestation (Talk comfort)

  • Prepaid

    25.01.13 (01:10:51)

    Ich habe für meine Oma auch mal ein Senioren Handy gekauft, aber damit ist sie nicht klargekommen und wollte auch nicht ein Handy das ausieht wie ein Taschenrechner. Jetzt hat sie ein altes Nokia Handy und kommt damit prima klar :-)

  • trashschollie

    08.02.13 (12:55:51)

    geht so das ding. nicht gut gelöst sind die seitlichen schieber (wecker und tastensperee) die viel zu leichtgängig sind. ständig hat man versehentlich den wecker aktiviert oder in der Hosentasche quasselt der ADAC los, weil sich die tastensperre selbst entriegelt hat und die erste Nummer im telefonbuch angerufen wurde. bei einer taste fehlt nach wenigen monaten schon eine ecke, nicht gerade hosentaschentauglich. empfang bedienung usw sind ok.

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