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21.06.13

Emopulse Smile: Futuristische Smartwatch mit Doppeldisplay und vielen Fragezeichen

Die Emopulse Smile Smartwatch scheint einem Science-Fiction-Film entsprungen und doch soll sie bald erhältlich sein. Technisch gesehen ist sie ein Smartphone, das man wie ein Armband am Handgelenk trägt. Mit künstlicher Intelligenz ausgestattet soll es dabei zudem schlauer als schlau sein. Aber man kann an der Glaubwürdigkeit des Projekts zweifeln.

Die Zukunft der Smartwatches und der Smartphones in einem will die Emopulse Smile sein.

Um es gleich vorauszuschicken: Ich bin enorm skeptisch, was die Emopulse Smile angeht. Was dort auf der Indiegogo-Projektseite vorgestellt wird, klingt einfach zu gut, um wirklich umsetzbar zu sein. Vor allem habe ich vom Hersteller vorher noch nie gehört. Selbst erfahrene Unternehmen wie Apple oder Samsung dürften ihre Schwierigkeiten haben, ein so ambitioniertes Gerät umzusetzen. Und selbst wenn es tatsächlich auf den Markt kommen sollte, bleibt die Frage offen, wie gut das alles funktioniert, was die Emopulse Smile können soll. Nicht zuletzt kann man darüber streiten, wie sinnvoll und praktikabel das Design wirklich ist.

Aber der Reihe nach.

In diesem bereits neun Monate alten Video sieht man, wie sich die Macher ihre Super-Smartwatch in Aktion vorstellen:

Wie man sieht, handelt es sich im Prinzip um ein Smartphone mit zwei gebogenen Displays. Sie sollen sich jeweils nur dann einschalten, wenn man eine entsprechende Handgeste macht – dreht man beispielsweise das Handgelenk, schaltet sich das untere ein. Diese gebogenen Displays sind noch nicht auf dem Markt, sollen es aber noch im Laufe des Jahres sein.

High-End-Features und Science-Fiction-Funktionen

Fürs Innere wird die nächste Generation Mobilprozessor versprochen. HD-Videos sollen damit kein Problem sein und trotzdem hält der Akku angeblich zwei Tage durch, sieben Tage im Stand-by. Und damit fängt die Liste der phantastischen Eigenschaften und Features erst an. Thunderbolt und USB 3.0 werden als Datenverbindung angegeben, dass 4G-Mobilfunk möglich ist, erscheint da schon fast selbstverständlich. Auch NFC für berührungsloses Bezahlen und andere Anwendungen ist mit an Bord. Und mit 128 oder 256 GB Flash-Speicher wäre die Emopulse Smile nicht nur besser ausgetattet als aktuelle Smartphones, sondern sogar besser ausgestattet als ein Tablet.

Klingt alles schon zu gut, um wahr zu sein? Dann bitte festhalten: Die Emopulse Smile erfasst auch Daten über den Nutzer wie beispielsweise seinen Puls, wertet das aus und reagiert darauf. Es schaltet in einen speziellen Ruhezustand, sobald man sich Schlafen legt. Und dank "künstlicher Intelligenz" lernt es den Besitzer immer besser kennen und kann beispielsweise passende Musik oder Filme empfehlen – das funktioniert sogar bei Pärchen, wo die Smartwatch dann den perfekten Kompromiss findet. Aus dem Beschreibungstext:

The system uses data gathered by emo-sensors to enhance the self-learning process. Because of this, The Smile can learn 7-8 times faster than any other system.

Das Betriebssystem selbst ist offenbar eine Eigenentwicklung. Genaueres erfährt man auch im langen Beschreibungstext auf Indiegogo nicht. Aber es ist nicht nur lernfähig, sondern reagiert zudem auf natürliche Sprache, ohne dass man Kommandos lernen müsste. Nimmt man die Emopulse Smile ab, ist die Smartwatch gesperrt und lässt sich nur durch eine Stimmenerkennung wieder reaktivieren – ähnlich wie man sie aus Banken und von anderen Sicherheitssystemen kenne, heißt es. Selbstverständlich ist auch der drahtlose Klang via Bluetooth besonders gut. Drei Kameras sind eingebaut und die Smile kann Fotos mit 12 Megapixel und Videos in 1.080p aufnehmen. Da wundert man sich fast: Keine Videoaufnahmen in 4K-Auflösung? Wie kommt's?

Die Liste der High-End-Features ließe sich weiter fortsetzen. Teilweise wird es auch schon absurd, wie der eingebaute Unternehmensberater, mit dem man auch ganz ohne passendes Studium seine Businessplan-Strategie erstellt...

Fotos mit 12 Megapixel und Video mit 1.080p werden versprochen.

Wie praktikabel ist das Design?

Abgesehen von alldem stellt sich aber sowieso die Frage, wie praktikabel das Design der Emopulse Smile wirklich ist. Zwar soll es das schlaue High-Tech-Armband wohl in verschiedenen Größen geben, aber wie fest kann es wirklich sitzen? Wie bequem wird es sein, dieses Gerät den ganzen Tag (und nach den Vorstellungen der Macher auch nachts) zu tragen? Wie kratzfest kann das untere Display eigentlich sein?

Und das alles zum Mittelklasse-Preis? Ja, nee...

Nun sammelt das Unternehmen Emopulse mit Adresse im Silicon Valley also Geld über die Crowdfunding-Plattform ein. Und hier findet sich dann noch die letzte Überraschung: Gerade einmal rund 360 Euro soll das Wunderwerk in der 128-GB-Version kosten, rund 415 Euro in der 256-GB-Version.

Vielleicht bin ich an dieser Stelle zu skeptisch, aber es wird nirgends der angeblich funktionierende Prototyp gezeigt. Beim Gerät im Video ist die gesamte Benutzeroberfläche nachträglich hinzugefügt. Es gibt keine Informationen darüber, woher das Unternehmen all sein Fachwissen für diese revolutionären Funktionen hat. Das Team bleibt im Dunkeln, falls es eines gibt. Nirgends gibt es einen Zeitplan. An keiner Stelle wird erklärt, wofür die Gelder verwendet werden sollen. Auch diese Liste ließe sich fortsetzen.

Fazit: Kaum zu glauben

Fassen wir zusammen: Eine Betriebssystem-Eigenentwicklung? Hardware-Komponenten, die noch gar nicht auf dem Markt sind? Funktionen, die Ingenieure bei Apple, Google oder Samsung in Ehrfurcht erstarren lassen würden? Und das alles zu einem Preis, der trotz erheblich besserer Eckdaten unter handelsüblichen Smartphones liegt? Mir persönlich fällt es sehr schwer, das alles zu glauben.

Emopulse-Gründer Nick Koloskov hatte noch im September 2012 auf Quora gefragt, ob er die Smartwatch wohl über Kickstarter oder mit Venture Capital finanzieren soll. Antworten gab's keine – bei nur einem Follower auf Quora allerdings auch nicht so erstaunlich. Dass es nun statt Kickstarter Indiegogo geworden ist, ist ebenfalls wenig überraschend, denn die Vorschriften für Hardware-Projekte sind dort wesentlicher laxer. Nicht zuletzt ist es eine Kampagne mit "flexibler Finanzierung": Am 17. Juli gehen alle Gelder an den Projektstarter, ob die anvisierten 300.000 US-Dollar erreicht wurden oder nicht. Da hört man doch doch schon einen ganzen Nachtigall-Schwarm trappsen.

Alles in allem bleibt festzuhalten: Interessant wäre so ein Gerät wie die Emopulse Smile sicherlich. Aber dieses Projekt riecht doch sehr verdächtig...

Weitere Informationen hier auf Indiegogo.

Gefunden bei Gizmag.

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