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23.07.12

Easypix EasyPet im Test: Tierkamera mit vielen Defiziten

Wir sehen, was unser vierbeinigen Fellfreunde tagtäglich für Unsinn anstellen. Aber wäre es nicht auch mal spannend, ihren Alltag in Form von Videos und Fotos aus ihrer Perspektive zu erleben? Eine Gadget-Lösung hat Easypix mit der EasyPet-Kamera parat. Dumm nur, dass sie Herrchen und Frauchen nicht glücklich macht. Hund und Katze sowieso nicht.

Testhündin Siska mit der EasyPet Kamera um den Hals. (Foto: sw)Die Idee der EasyPet ist simpel, aber klasse: Man hängt eine Kamera an das Halsband eines Hundes oder einer Katze, um so ihre Perspektive weitgehend nachzuempfinden. Das erste Problem offenbart sich schon gleich zu Beginn: Zwar sind die mitgelieferten Halsbänder der rund 70 Euro teuren Peripherie von guter Qualität, allerdings ist die Kamera insgesamt viel zu groß geraten. Das bis drei Meter wasserdichte und auf einen Meter Fallhöhe stoßfeste Gehäuse ist 6,5 cm lang, 5,5 cm hoch und 3,3 cm tief. Für eine durchschnittliche Hauskatze oder einen Hund, der eine Schulterhöhe von deutlich unter 35 cm besitzt, ist das Gerät viel zu wuchtig - und mit einem Gewicht von zirka 100 g (Kamera plus Halterung für Halsband) auch nicht gerade leicht.

Testhündin Siska, mit einer Schulterhöhe von 45 Zentimetern durchschnittlich groß, gefiel die Anbringung der EasyPet überhaupt nicht. Sie konnte sich nach der recht einfachen Montage nicht mehr völlig frei bewegen, sich „hundetypisch“ mit dem Kopf auf den Boden legen oder sich nach einem Bad in der Elbe auf der Wiese problemlos abtrocknen. Stets war die Cam im Weg und lästig. Deutlich besser sollte es bei großen Hunden funktionierten, bei Katzen dagegen - fast gar nicht. Hier schleift die EasyPet fast am Boden beziehungsweise zwischen den Vorderpfoten - suboptimal und demnach fast unbrauchbar.

Einrichtung

Abgesehen von dieser wirklich wichtigen Hürde, die erst einmal genommen werden muss, fallen schnell die weiteren Makel auf. Dass man mittels eines kleinen, mitgelieferten Schraubenziehers zwei Schrauben samt Abdeckung entfernen muss, um an den microSD-Slot sowie den Mini-USB-Anschluss (USB 1.1) zum Aufladen zu gelangen, ist noch nachvollziehbar. Denn nur so kann die Wasserdichtigkeit des Gehäuses gewährleistet werden. Viel lästiger ist die wenig intuitive Bedienung der EasyPet: Drei Knöpfe und ein winziger Display dienen zum Einschalten, Auswählen der Modi und Aktivieren der Kamera. Nur im Handbuch wird erklärt, wie man zu den gewünschten Optionen kommt. Von intuitiv und selbsterklärend kann keine Rede sein. Im schlimmsten Fall drückt man ständig auf den Buttons herum - während der Hund vor einem sitzt und sich fragt, was Herrchen und Frauchen da überhaupt am Halsband treiben.

 

Sei’s drum: Hat man das Prinzip verstanden, findet man sich zurecht und aktiviert die Kamera. Es stehen zwei Modi zur Verfügung: Zum einen kann man Videos in VGA-Auflösung (640 x 480 px, 29,99fps) aufnehmen, zum anderen Fotos im 1-, 3-, 5-, 10- und 15-Minuten-Takt automatisch knipsen lassen. Da nur ein CMOS-Sensor mit 0,3 Megapixeln verbaut wurde, ist die Auflösung auch hier auf 640 x 480 px beschränkt. Man kann so lange Aufnahmen schießen, bis die 4 GB große microSD-Speicherkarte voll oder der 550mAh starke Akku leer ist. Ebenfalls kann optional eine 16 GB große Karte eingesteckt werden. Praktisch: Ein Adapter auf das normale SD-Format liegt der Cam bei.

Während der Testphase hielt der Akku ausgesprochen lange, ohne weiteres kann man Videos mit einer Stunde Länge oder etliche Stunden Fotos erstellen lassen - eine kleine Lampe signalisiert stets, ob gerade etwas aufgenommen wird oder sich der „Saft“ dem Ende nähert.

Ernüchterung? Enttäuschung!

Soweit, so gut. Passt die Größe des Haustieres, kann man mit allen genannten Aspekten leben. Nur was bringt es, wenn die Ergebnisse nicht zufriedenstellen? Hier scheitert die EasyPet Kamera auf ganzer Linie. Da ein Bildstabilisator fehlt und die Auslösezeit jenseits des Hinnehmbaren ist, sind die schlechten Ergebnisse vorprogrammiert. Der feste Fokus (F-2,6 / f=4,8mm) ist nicht das Hauptproblem, der dürfte für den Alltag draußen im Grünen oder in der Wohnung ausreichen. Allerdings haben die Macher des Gerätes nicht berücksichtigt, dass sich Hunde und Katzen in der Regel bewegen. Auch bei einem normalen Gang sind die Bilder total verwischt, man kann fast nichts erkennen. Sobald Mietze oder Wauwau mal ruhig sitzen oder stehen, sind die Resultate weitgehend scharf. Doch das ist ja nicht der Sinn der Sache, oder? Man möchte schließlich sehen, was die Haustiere erleben.

Bei der Videoaufnahme sieht es nur marginal besser aus. Da ebenfalls kein Bildstabilisator zum Einsatz kommt und die erstellten DivX-Videos unverständlicherweise viel zu schnell abgespielt werden, sind die Ergebnisse ein Krampf für die Augen. Kurzum: völlig ungeeignet für einen spaßigen, tierischen Filmabend. Optimierungs- oder Einstellmöglichkeiten? Die gibt’s grundsätzlich nicht.

Dass man eigentlich gar nichts mehr erkennen kann, wenn sich die Lichtverhältnisse ändern oder die Nacht hereinbricht, dürfte wohl niemanden überraschen. Letztlich wirkt die gesamte verbaute Technik total veraltet und billigst - für den Preis hätte man heutzutage schon mehr erwarten können.

Testweise wurde die EasyPet Kamera in einem Aquarium platziert - das Gerät ist schließlich wasserdicht. Das funktionierte an sich tadellos, nur hier stört dann der feste Fokus. Scharfe Bilder kann man leider in diesem etwas anderen Umfeld nicht erwarten.

Fazit

Keine Frage: Die Idee ist reizvoll und der Grundgedanke spannend. Die Kamera scheint gut geschützt worden zu sein, die Halsbänder für Katze und Hund sind sichtlich stabil und ordentlich verarbeitet. Der Rest des Produktes dagegen sorgt nur für Unzufriedenheit. Die Kamera selbst ist viel zu groß sowie zu schwer für die meisten Haustiere, die verbaute Technik stammt aus der Digitalkamera-Steinzeit. Bildstabilisator, höhere Auflösungen, kurze Auslösezeiten? All das, was wirklich wichtig für ein solches Produkt gewesen wäre, besitzt die EasyPet Kamera nicht. Übrig bleiben ein spaßiger Ansatz und eine Kaufwarnung. Unausgereift, offenbar nicht an Tieren ausprobiert und unbrauchbar - wer sollte so etwas kaufen, werter Hersteller?

Hier findet ihr die offizielle Produktseite zur Easypix EasyPet. Bei Amazon gibt es die Kamera derzeit für rund 50 Euro.

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