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30.09.16

Test

Kleine Hardware für mehr Privatsphäre: E-Blocker hilft gegen Datenspionage

W.D. Roth

Beim Stichwort „mangelnde Privatsphäre im Netz“ denkt man zunächst an die Überwachung durch Geheimdienste wie NSA und BND. Doch die „kommerziellen Überwacher“ können viel gefährlicher und zudem finanziell schädlich sein. Eine kleine Box soll Abhilfe schaffen.

(Bild: E-Blocker)

Das Internet vergisst nichts

Im Netz sind wir alle anonym? Von wegen! Im Internet werden wir stärker überwacht, als im normalen Leben. Warum? Weil es technisch automatisiert ohne großen Aufwand möglich ist, also ohne deshalb jede Menge Personal abstellen zu müssen wie zu Zeiten der Stasi. Und deshalb machen dies nicht nur Geheimdienste, sondern auch vermeintlich harmlose, normale Unternehmen.

Sie haben es ja sicher selbst schon erlebt: Sie schauen einmal im Netz nach einem neuen Bürostuhl – und schon wird Ihnen dieser monatelang immer wieder in Werbeeinblendungen angeboten, obwohl Sie ihn längst gekauft haben – oder einen anderen. Wie kommt das zustande? Die Werbenetzwerke haben sich Ihr Interesse gemerkt. 

Lästiges Web-Elefantengedächtnis

Es mag auf den ersten Blick nützlich erscheinen, wenn man nur Werbung erhält, die einen auch tatsächlich interessiert. Es kann aber auch ärgerlich werden. Der Klassiker sind jene hartnäckig wiederkehrenden Werbeeinblendungen für kleine blaue Pillen oder Treppenlifte, mit denen sich der so umworbene User sofort 20 Jahre älter fühlt.

Ärgerlicher ist es schon, wenn nach einer privaten Recherche nach Feierabend am nächsten Tag am Notebook ausgerechnet im Kundengespräch gehäuft Erotikwerbebanner auftauchen oder auffallend oft Medikamente gegen Herpes angepriesen werden. Das sorgt dann für peinlichen Erklärungsbedarf.

Doch auch andere Kriterien werden von Online-Anbietern ausgewertet. So wird sich mancher wundern, warum er die AVM Fritzbox 7490 im Büro am Windows-PC bei Amazon für 194 Euro€ angeboten bekommt, doch zuhause am Mac kostet sie plötzlich 199 Euro. Erst am nächsten Tag im Büro ist sie wieder für 194 Euro zu haben. Will Sie der Online-Shop ärgern?

Nein. Aber das System geht davon aus, dass der Mac-Besitzer wohlhabender ist und gibt ihm deshalb zuhause einen anderen Preis als im Büro. Ebenso unterwegs am Smartphone. Dazu wird die Rückmeldung des Browsers ausgewertet, die dann auch das Betriebssystem enthält, unter dem er läuft.

Damit soll jetzt Schluss sein - dank dem E-Blocker!

Das bietet der E-Blocker

Die kleine Box erlaubt es, viele Parameter fest einzustellen. So kann man den Mac zu einem Windows-PC machen und damit dann günstiger einkaufen. Oder auch andersherum.

Außerdem blockt der E-Blocker alle Adressen, die als Datensammler bekannt sind. Werbung wird per se jedoch nicht geblockt – man will nicht der Online-Branche schaden –, nur solche, die von einem bekannten Tracking-Netzwerk stammt. Werbung, die direkt vom Webseiten-Betreiber ausgespielt wird, bleibt dagegen erhalten.

Doch tatsächlich wirkt manche Website so unaufdringlicher, weil gerade die Werbenetzwerke auch die schlimmsten Banner ausliefern. Normale Ad-Blocker tun dagegen nichts gegen das Profiling, sammeln unter Umständen sogar selbst Daten.

Für das ganze Firmennetzwerk

Der Vorteil des E-Blockers mit der eigenen Hardware gegenüber einer reinen Softwarelösung wie beispielsweise speziellen Browsern oder Add-Ons ist, dass er sich auf das ganze Heimnetzwerk auswirkt: Auch Smart-TVs wie das Präsentationsgerät im Meetingraum und Smartphones können so nicht mehr getrackt werden. Letztere natürlich nur, solange sie nicht über Mobilfunk, sondern im Firmennetzwerk über WLAN online gehen.

Schließlich ist auch noch ein Anonymisierungs-Modus enthalten, in dem das Gerät die Verbindungen über den Verschlüsselungsdienst TOR leitet. Dies sogar erstaunlich flott, allerdings bislang nur mit nicht voraussagbaren Exit-IPs und für alle aktuellen Dienste. Das kann dann schon einmal dazu führen, dass ein Video nicht nur langsam lädt, sondern unerwartet gar nicht abrufbar ist, weil es im betreffenden Land, dessen IP simuliert wird, gesperrt ist.

E-Blocker im Test


(Bild: E-Blocker)

Das Gerät funktioniert genial einfach: Es ist nur an einem freien Port des Routers anzustecken. Das war's. Zukünftig ist auch eine drahtlose Anbindung über WLAN möglich. Dann werden alle Datenverbindungen automatisch über den E-Blocker geleitet – die Konfiguration erfolgt selbsttätig innerhalb weniger Minuten.

Die Betriebssoftware des E-Blockers wird regelmäßig mit den neuesten Filterlisten upgedatet. Zukünftig soll man diese auch selbst modifizieren können, aktuell ist dies noch nicht möglich. Unerfreulich ist hierbei, dass das Zählpixel der VG Wort vom E-Blocker ausgesperrt wird und damit die Online-Autoren um die Abgaben für die Zweitverwertung ihrer Artikel gebracht werden.

Christian Bennefeld von E-Blocker hierzu: "Es kann niemand von außen beurteilen, was ein Unternehmen mit den gesammelten Daten macht. Daher blockieren wir alles, was nach Datensammlung riecht. Durch die extreme Verbreitung der VG Wort ist es ein Kinderspiel, genaue Persönlichkeitsprofile durch die Verknüpfung der besuchten Websites zu erstellen. Ob das passiert, können wir alle weder ausschließen, noch bestätigen. Technisch wäre es jedenfalls trivial.§ 

Do-it-yourself-Blocker möglich

Wer will, kann sich die Hardware übrigens auch selbst bauen und nur die Filterlisten von Eblocker.com abonnieren. Zukünftig sind auch Jugendschutz-Funktionen geplant, derartige Filterlisten sollen ab 2017 abonnierbar sein.

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