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22.01.13

DVB-T: Ist das terrestrische Fernsehen am Ende?

RTL hat vergangene Woche angekündigt, aus DVB-T aussteigen zu wollen. Nach groß angelegten Kampagnen der Rundfunkverbände und hohen Gesamtinvestitionen in den vergangenen Jahren wäre das eine schallende Ohrfeige für den Zuschauer. Allerdings könnte RTLs angekündigter Rückzug eine bloße Taktik sein, um die Kosten zu reduzieren.

Abgehackte Signale, lange Umschaltzeiten, nur maximal 32 Sender, nicht einmal Full HD: Das Digitalfernsehen über Antenne, DVB-T, ist nicht zum versprochenen Heilsbringer geworden. Der Nachfolger des analogen Antennenfernsehens hat Nachteile gegenüber digitalem Kabel- und Satellitenempfang. Kommen für einen Sender noch hohe Übertragungskosten hinzu, dann ist das Maß langsam voll: RTL hat angekündigt , seine Sender aus DVB-T nehmen zu wollen. Schon ab Juni soll das Programm der Gruppe im Raum München nicht mehr ausgestrahlt werden, bis Ende 2014 bundesweit. Dass dann andere Sender dem Beispiel folgen, wäre wahrscheinlich. Ist DVB-T damit schon am Ende? RTL macht deutlich, dass es vor allem um wirtschaftliche Gründe geht. Um die wegbrechenden Werbeumsätze zu kompensieren, müssen höhe Einnahmen her. Geld verdienen kann man etwa über Mediatheken im Netz und verschlüsselte Premium-Sender über digitalen Kabel- oder Satellitenempfang. Die begrenzten Frequenzen für DVB-T, die RTL nur wenige Sendeplätze erlauben, ließen sich nicht mit zusätzlichen Pay-TV-Kanälen bestücken. Zusätzlich weist RTL darauf hin, dass die Übertragungskosten für DVB-T angeblich 30 Mal so hoch seien wie über Satellit. Die Senderkette stellt in ihrem Protestschreiben in Aussicht, sich die ganze Sache zu überlegen, bekäme sie Planungssicherheit und feste Sendeplätze von Bund und Ländern zugewiesen. Doch auch dann bleibe DVB-T für die Kölner ein teurer Spaß.

Das wäre es dann mit terrestrischem TV in Deutschland

Es wäre vielleicht nicht all zu schade um DVB-T, aber eine echte Alternative gibt es bislang auch nicht. Satellitenschüsseln sind weder hübsch, noch fehlerfrei oder an jedem Mietshaus erlaubt, digitales Kabelfernsehen steht längst nicht flächendeckend zur Verfügung. DVB-T2 ist noch nicht verfügbar. Sauer wäre ich ganz persönlich auf die Rundfunkverbände, die DVB-T erst vor wenigen Jahren als das nächste große Ding angepriesen und mit diesem Argument das analoge Fernsehen nach und nach abgeschaltet haben. Jetzt ist doch alles nichts gewesen? Na gut, mit Kosten von zuletzt deutlich unter 100 Euro für eine DVB-T-Box will ich mich über die finanzielle Komponente nicht großartig beschweren. Mir tun aber gerade ältere Fernsehzuschauer Leid, die sich gerade erst an das neue Digitalfernsehen gewöhnen mussten und bald schon wieder in die Röhre gucken könnten.

Zumal nicht geklärt ist, wie es jetzt eigentlich weitergehen soll. Doch eine Schüssel? Warten, bis Kabel Deutschland oder Unity Media alle Orte flächendeckend mit DVB-C ausbauen? Aber würden wir jetzt auf DVB-T2 wechseln, bräuchten wir dann in vier, fünf Jahren schon wieder einen neuen Empfänger? Die Frage erübrigt sich eh, denn mal eben schnell auf DVB-T2 wechseln können wir nicht. Die Technik wird gerade erst in einigen Pilotprojekten getestet, es würde noch Jahre dauern, bis wir sie mit neuen Receivern in unseren Wohnzimmern empfangen könnten. Trotz der Vorteile, die DVB-T2 mit sich brächte (mehr Kanäle, schnelleres Umschalten, HDTV), dürfte das einfach zu spät sein. Macht RTL jetzt Ernst mit der Ankündigung, das Programm rauszunehmen (womit auch RTL II, Super RTL, n-tv, Vox verschwinden würden), dann wäre das terrestrische Fernsehen in Deutschland wohl am Ende.

Müssen mit Full HD schon zufrieden sein

Zum Schluss bleibt die Frage, wie es denn eigentlich weitergehen soll. Praktisch alle Technikmessen der vergangenen Monate stellten Fernseher mit 4K vor, also der vierfachen Full-HD-Auflösung. Gemessen an den Fortschritten der Display-Technik ist das auch nachvollziehbar und wünschenswert, hält man sich vor Augen, dass neueste Smartphones mit 5 Zoll bereits die gleiche Auflösung haben wie der handelsübliche 1-Meter-Fernseher, den ihr euch vor einem Jahr gekauft habt. Woher sollen aber die Signale kommen?

Die Kabel-TV-Anbieter werben verstärkt mit Full HD möglichst vieler ihrer Sender, die Satellitenbetreiber auch. HD und gut, mehr geht erst einmal nicht. Selbst eine Blu-ray, das gegenwärtige Optimum eines optischen Datenträgers, bringt es "nur" auf Full-HD-Auflösung. Wir bräuchten ein flächendeckendes Fiber to the Home (FTTH), um noch höhere Signale auf unsere Fernseher zu schicken. Bis wir das bekommen, werden aber noch einige Jahre ins Land ziehen. Die Display-Hersteller werden uns in der Zwischenzeit vor Augen halten, was wir alles versäumen: 8K-OLEDs gibt es schon jetzt,16K sind sicher auch nur eine Frage der Zeit. Der gemeine DVB-T-Zuschauer würde sich derweil schon über reibungslosen Empfang freuen, oder einfach darüber, dass RTL und Co. es sich vielleicht doch noch einmal überlegen.

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