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24.05.15

Deuba Sandkasten mit Veranda im Test: Low-Tech-Sandkastenspiele

Manche Gadgets sind schlecht gefertigt. Manche sind schlecht konstruiert. Kommt beides zusammen, verzweifelt auch ein geübter Tester....

Warum sind von mir jetzt etliche Wochen keine Berichte erschienen? Nun, das hatte mehrere familiäre Gründe. Einer davon war ein online bestellter Sandkasten, der sich nicht nur als Montags-, sondern mindestens als Neujahrsprodukt herausstellte und über Wochen alle Freizeit beanspruchte. Damit blieb einfach keine Zeit mehr für andere Dinge.

Sandkästen sind wohl eins der ersten Gadgets in Flachbildschirmgröße, das man im Laufe eines Lebens ausprobiert. Kein High-Tech und sogar völlig ohne Batterien, was bei Babyspielzeug hingegen schon lange nicht mehr der Fall ist. Also auch einfach aufzubauen? Eigentlich ja, aber...

Bei einer bekannten elektronischen Sandkastenbucht hatte sich für etwa 100 € ein Sandkastenmodell gefunden, das zusätzlich zum eigentlichen Sandbehälter noch eine Abdeckung, ein Sonnendach und eine Art Veranda bieten sollte. Gut, damit Nachbars Katzen den Sandkasten nicht als Katzenklo benutzen, die spielenden Kinder vor der Sonne geschützt sind und noch eine kleine zusätzliche Bühne/Veranda zum Spielen haben.

Der stets zuverlässige DPD brachte eine riesige Schachtel. Nach dem Auspacken fanden sich neben einer Unmenge Schrauben und zwei Rädern ein Stapel Blätter, die eine Bauanleitung simulieren sollten: Im Gegensatz zu IKEA-Anleitungen stellten sie nämlich eher Bilderätsel dar. Es war kaum klar, was wie zusammengebaut werden sollte.

Relativ schnell klar war allerdings, dass Teile falsch geliefert waren: Teil B1 war 4x statt 2x geliefert, Teil B dafür 2x statt 4x. Der Klassiker bei jedem Selbstbaumöbel, dafür gibt es ja eine Hotline, um die beiden fehlenden Teile B nachliefern zu lassen. Doch es war schwierig, überhaupt das Sandkastenmodell zu bestimmen: Dies ging nur über die DPD-Sendungsnummer, die nicht in der Anleitung stand, auch nicht im Mailverkehr, sondern auf dem angesichts seiner Größe bereits entsorgten Pappkarton.

Schon eine Woche später waren die fehlenden Teile da. Doch o je: Die passten nun überhaupt nicht zum vorhandenen Sandkasten, Größe, Form und Farbe waren völlig anders.

Also wieder die Hotline gewählt und nochmal die fehlenden Teile nachbestellt.

Nach einer Woche war klar: Diese waren ebenso falsch. Die Hotline war ratlos.

Schließlich wurde um einen komplett neuen Sandkasten gebeten, da es mit der Nachlieferung ja nicht klappen wollte. Aber aus zwei Sandkästen sollte sich ja wenigstens einer bauen und der Rest zurückschicken lassen.

Eine weitere Woche später kam Sandkasten Nummer 2. Und nun war auch klar, warum es mit den Nachlieferungen nicht geklappt hatte: Dieser sollte zwar am Ende ebenso aussehen wie das zuerst gelieferte Modell, war aber völlig anders zusammenzubauen und bestand auch aus ganz anderen Einzelteilen - deshalb war "Teil B" jedesmal völlig falsch gewesen.

Also nun nur noch zusammenbauen? Nein, jetzt ging der eigentliche Ärger erst los!

Die Schrauben waren soweit ok, nur erstaunte ihre enorme Anzahl von knapp 400. Die Schrauben für die Montage der beiden kugelgelagerten Rollen waren allerdings zu kurz und die anderen in Größen wie 2,5 x 25, 3 x 25, 3 x 30 und 3 x 35 kaum zu unterscheiden. Da musste erst einmal längere Zeit sortiert werden.

Die Holzteile waren dagegen dünn und spröde, teils bereits angeknackst und eine absolute Garantie für regelmäßige Kinder-Krankenhausbesuche wegen eingefahrener Splinter.

Die Konstruktion war schließlich von einer Art, wie man sie wohl nicht mal bei von Gefängnisinsassen zusammenzubauenden Artikeln verwenden würde: Alleine die Abdeckung des Sandkastens verwendete 12 Balken, die mit je 8 Schrauben zu befestigen waren. Elektroschrauber durften dazu nicht verwendet werden, sonst wäre es ja zu einfach gewesen und schon nach zwei Stunden beendet. Löcher waren je nach Laune mal vorgebohrt und mal nicht und das Holz so dünn, dass kein Kind je auf der Veranda würde stehen können, ohne durchzubrechen, Ganz abgesehen davon, dass die Bretter beim Eindrehen der Schrauben gerne brachen.

Viele Schrauben waren gar in die Stirnfläche der teils gerade mal 4 mm dünnen Bretter einzudrehen. Diese zerbrachen dabei fast immer.

Nach einigen Feierabenden in Sonne, Wind und Regen war dann doch alles zusamengebaut. Nachdem der damit zu Beschenkende davorstand und einmal laut nieste, brach jedoch die erste Beplankung wieder ab und alles stand schief.

Sand einzufüllen, versuchten wir schließlich gar nicht mehr, dann wäre wohl auch noch der Sandbehälter geplatzt, wollten den Schrott nun komplett retournieren. Der Händler wollte jedoch kein Rücksendeetikett spendieren und auch nur einen nicht zusammengebauten Sandkasten zurücknehmen. Gut, dass wir zwei hatten. Porto als Sperrgut kostete 42 €.

"Natürlich" wollte der Händler zunächst das Porto nicht zahlen, weil es ja eine Rücksendung sei. Doch bei Rücksendung unbrauchbarerer Ware muss auch das Porto ersetzt werden. Angesichts der inzwischen katastrophalen Kundenbewertungen sah der Händler dies schließlich auch ein, zahlte auch den Kaufpreis zurück. Und verkaufte die verbliebenen Sandkästen als "B-Ware" für 60 €.

Leider muss man sagen, dass man diesen Sandkasten nicht einmal erwerben sollte, wenn der Händler ihn einem schenkt und noch 20 € drauflegt.

Ein etwas teureres Modell aus dem lokalen Baumarkt war schließlich in 30 Minuten aufgebaut und erfüllt seinen Zweck.

Fazit: Nicht alles, was man online kaufen kann, sollte man auch online kaufen.

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