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12.06.07

Desaströses Win-Safari: Schritt zurück für Apple

Apple ist eine tolle Firma, kein Zweifel. Am meisten beeindruckt mich an Steve Jobs' Keynotes immer der Satz: "And we will be starting shipping these tomorrow." Also nicht: "Vielleicht im Q-4" (was eh niemand glaubt), oder: "Ihr könnt sofort bestellen" (aber wann es kommt, sagen wir nicht), sondern dass sie wirklich das Zeug fertig haben. Normalerweise.

Gestern lancierten sie auch noch ein Produkt, bei dem man sowieso erwartet, dass man es bald bekommt: eine neue Software. Safari, den geliebten Browser der Mac-Gemeinde, in einer Version für Windows.

Die Presse und die Blogger waren kurz begeistert (auch Hans Dorsch kommentierte hier bei uns: "Ein überaus schlauer Zug."), aber auch wirklich nur ganz, ganz kurz. Denn es braucht keine Hacker, die nach Sicherheitslücken suchen (was sie auch machen, mit grossem Erfolg).

So sieht neuerdings.com mit Safari aus:

neuerdings_gr.jpg

Hm. Fehlt da nicht etwas? Grosse Lücken ist man ja als leidgeprüfter Multibrowseroptimierer gewohnt, aber, ach ja genau, die Überschrift fehlt ganz.

Wie sieht's denn weiter unten aus? Ogottogott. Riesenlücke nach dem Post und fehlender Titel vor dem nächsten:

Ich suche, vielleicht Folge eines unbewältigten Erlebnisses in meiner Kindheit, in so einem Fall immer den Fehler zuerst bei mir, und denke, da müssen wir wohl noch viel arbeiten.

Doch ein kurzer Blick mit Safari auf Spiegel Online (das in Firefox und IE praktisch nicht unterscheidbar ist, also wohl ziemlich durchoptimiert sein dürfte) zeigt: Auch dort sind die Titel weg.

Noch ein Versuch, noch ein Blog, was nehmen wir mal, Bildblog? Auch keine Titel. Nicht mal durch Invertieren kann man etwas lesen, sondern es wird einfach nicht dargestellt.

Die simpelste Website der Welt, die ich regelmässig nutze: useit.com von Usability-Guru Jakob Nielsen.

Auch nichts. Nicht mal mit der Anweisung "H1, H2, H3, H4, H5, H6 {font-family: Verdana, Arial, Helvetica, Geneva, SunSans-Regular, sans-serif ; }" im Stylesheet, die kaskadierend alle bekannten Sans-Serif-Optionen auslotet, kann Safari etwas anfangen. Der Fall ist deutlich schlimmer als man zunächst denkt.

Unsere Leser von neuerdings.com hatten das alles gestern Abend schon kommentiert. Und auch in Blogs wie dem Unofficial Apple Weblog türmen sich die Negativkommentare, nicht nur über Darstellungsfehler, sondern auf langsamen Aufbau (Apple behauptet, zweimal schneller als alle anderen zu sein) und zahlreiche Abstürze.

Fazit: Die Strategie ist durchaus nachvollziehbar. Wenn der Berg nicht zum Propheten kommt (= alle Windows-User zu Mac wechseln), wäre es durchaus sinnvoll, dass Apple den Windows-Usern neben ihrer Hardware auch mit der Software etwas entgegen kommt. Aber doch bitte nicht so. Wie stehen jetzt alle die Mac-User dar, die seit einem Jahr etwas mitleidig auf uns herabgeschaut haben?

Wie hiess noch diese Gameshow, bei der der letzte Kandidat am Ende auf einer Treppe steht und bei jeder richtigen Antwort eine Stufe weiter hoch steigen kann, bei jeder falschen aber eine runter muss? Für Apple ging es in den letzten Monaten unglaublich oft nacheinander aufwärts, aber das hier war ein klarer Rückschritt - eine Neuigkeit weniger gestern, wäre mehr gewesen.

Für mich vor allem unverständlich, dass man bei der Einschätzung der Beta-Reife offenbar so daneben lag. Aber vermutlich hatte Steve keinen PC, um es auszuprobieren.

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