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28.10.11Kommentieren

Der grosse Bluetooth-Headset-Vergleichstest (5/7): Plantronics Backbeat903+ und Sony Ericsson HBH-IS800

Nachdem die beiden wasserfesten Sportskanonen ordentlich vorgelegt haben, warten auch das Plantronics Backbeats 903+ und das Sony Ericsson HBH-IS800 auf ihr Startsignal - wollen wir doch einmal sehen, was die beiden auf dem im Kasten haben.

Plantronics Backbeat903+ (Bild: kaz)Jeder Mensch ist verschieden und nicht alle schwitzen gleich viel. Und so verzichten unsere heutigen Kandidaten auf spezielle Massnahmen gegen Wassereinbruch. Das Plantronics Backbeat 903+ ist sogar so wagemutig besonders viele Tasten anzubringen. Das HBH-IS800 versucht sich dagegen als Asket und verzichtet gänzlich auf Tasten.

Plantronics Backbeat 903+

Die bisher getesteten Kopfhörer klingen nicht schlecht, bieten allerdings viel Raum für Verbesserung. Das Plantronics nutzt diese Schwäche aus und macht vieles richtig. Äusserlich wirkt es nicht so sportlich-schlank wie das Jabra Sport und die glänzenden Seitenflächen sind alles andere als zurückhaltend. Das Backbeat 903+ kann es sich auch leisten: Die beweglich gelagerten Ohrhörer können in der Länge und im Winkel individuell verstellt werden, extra Tasten für Telefonanrufe und Musikgenuss, sowie eine Akkulaufzeit von bis zu sieben Stunden sprechen für sich. Statt sich die Hörer nur auf die Ohrmuschel zu legen oder mit Gewalt in den Gehörgang zu pressen, umschlingen sie das Ohr, während man die verlängerten Gummiausläufer sachte ins Ohr schiebt. Darüber freuen sich empfindliche Ohren und Brillenträger können aufatmen.

Bei korrekter Placierung klingt der Hörer klar und räumlich, bei den Bässen jedoch zurückhaltend. Darum weiss auch Plantronics und erlaubt mittels langem Druck auf die Play-Taste die «Bass-Boost-Zuschaltung». Leider schiesst man damit übers Ziel hinaus: Nur Titel mit zarten Bässen profitieren davon, alles andere wirkt masslos übertrieben und verzerrt. Das Backbeat 903+ klingt trotzdem richtig gut. Eine Aussage, für die mich so manch ein Audiophiler lynchen würde, denn Bluetooth kann die Reinheit und Differenzierung der Töne guter kabelgebundener Headsets nimmer erreichen. Für unterwegs eignet sich der Plantronics Hörer trotzdem und macht richtig Laune.

Plantronics Backbeat903+ (Bild: kaz)Das eingebaute Mikrofon hält einen kleinen Spass bereit: Drückt man auf die Play-Taste, pausiert der Song und man wechselt in den Hörgerätemodus. Damit soll man Umgebungsgeräusche besser hören können, ohne das Headset abnehmen zu müssen. Das ist eine lustige Sache, bringt aber wenig Nutzen. Die Hörer schirmen nur leicht gegen Umgebungsgeräusche ab, wodurch man seine Umwelt auch ohne Hilfsmittel wahrnimmt. Ausserdem weiss das Gegenüber nicht um diese Finesse und fühlt sich womöglich vom unflätigen Verhalten beleidigt. Für Telefonate eignet sich die Placierung des Mikrofons gut, in Kombination mit der digitalen Geräuschunterdrückung lassen sich auch wichtige Gespräche in unruhigen Umgebungen führen.

Das Plantronics Backbeat 903+ hat das Zeug zu einem guten Freizeit-Headset, das Verbindungskabel ist kurz und steif für einen perfekten Sitz, die Tasten decken die meisten Aktionen ab und Telefongespräche stellen keine akustische Herausforderung dar. Sobald man aber anfängt zu schwitzen, sieht das Backbeat 903+ Land unter: Die vielen Schlitze und Öffnungen lechzen förmlich nach Feuchtigkeit und saugen alles auf. Schade, denn das wäre ein guter und ausdauernder Joggingpartner geworden.

Sony Ericsson HBH-IS800

Sony Ericsson HBH-IS800 (Bild: kaz)Das HBH-IS800 ist ein Hauch von Nichts und wenn «Nichts» ein preiswürdiges Design ist, dann hat sich Sony Ericsson eine Auszeichnung verdient. Ausser zwei metallenen InEar-Hörern und einer kleinen Verdickung im Kabel stört nichts das spartanische Äussere. «One Size fits all», «Einer für alle» und alle Funktionen für eine Taste. Der silberne Knopf muss alles auf sich nehmen: Kurz drücken für Telefongespräche, lange für Wahlwiederholung, noch länger fürs Ausschalten - man kann es auch übertreiben. Nur eine winzige LED gibt Aufschluss, ob es gerade ein- oder ausgeschaltet ist. Noch abenteuerlicher wird es, wenn man den Winzling aufladen möchte. Die Ladebuchse versteckt sich nämlich hinter einer der beiden Hörerabdeckungen und ist ohne Anleitung fast nicht zu entdecken. Es dauert nicht lange, um sich das einzuprägen, denn drei Stunden Akkulaufzeit sind schnell vorbei, häufiges Aufladen also vorprogrammiert.

Bei der Akustik ist es wie so oft eine Frage persönlicher Vorlieben: Das In-Ear-Design ist nicht jedermanns Geschmack und je nachdem wie tief man die Stöpsel einführt, variiert der Klang zwischen bassarm-nichtssagend und kräftig-betont gut. Was aber in allen Positionen auffällt, ist die immens laute Einstellung. Gerade bei Nokia-Telefonen, die bei Bluetooth-Headsets nach unten beschränkt sind, ist die geringste Lautstärke fast schon schmerzhaft laut. An einem Blackberry dagegen liess sich das HBH-IS800 zu erträglichen Klangeinstellung überreden. Aus dem Fehler keine Ladegeräte mitzugeben – wir erinnern uns an das MW600 aus diesem Test – hat Sony Ericsson gelernt. Zumindest ein Bisschen: Jetzt ärgert man den Kunden mit einem proprietären Ladestecker, einen standardisierten microUSB-Port sucht man hier vergeblich.

Für den kurzen Sprint zum Bäcker eignet sich das SE HBH-IS800 prächtig, auch die kurze Pendelei morgens überbrückt man gut damit. Für sportliche Zwecke könnte das Headset geeignet sein, darauf vertrauen würde ich nicht, denn wer viel schwitzt könnte schnell unglücklich damit werden. Irgendwo habe ich mal gelesen, dass die Form der Funktion folgen sollte...

Folgt mir lieber in den vorletzten Artikel zum Nokia BH-111 und dem Nachzügler in der Business-Kategorie «Jawbone Icon» für weitere Kopfhörer-Vorschläge.

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