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08.05.12

Das Smartphone als PC-Ersatz - ein Kommentar

Immer mehr Gigahertz-Power schlummert in aktuellen Smartphones. Damit diese auch voll ausgenutzt wird, bietet Canonical sein Ubuntu für Android-Smartphones an. Ist das die Zukunft oder ein großer Irrtum?

Mittlerweile sind die Grenzen beim Begriff "Smartphone" fließend. Die einfachste Definition eines Smartphones dürfte wohl über Apps laufen: Wenn Du Apps installieren kannst, ist es ein Smartphone. Oder muss ein Smartphone mindestens eine 4-Zoll-Diagonale besitzen? Der Focus zum Beispiel rettet sich mit dem deutschen Begriff des "Computer-Telefons" aus der Affäre. Ein sehr uneleganter Name, für etwas das bald genau dazu in der Lage sein könnte: Canonical arbeitet nämlich an einer Ubuntu-Version für Android-Telefone.

 

Desktop-Linux neben Android

Eine, wenn nicht die bekannteste, Linux-Distribution ist Ubuntu. Durch die einfache Installation, Ähnlichkeit zu Windows und die gute Softwareauswahl, hat sie sich schnell einen Namen gemacht. Auch der Ableger Android basiert auf Linux. Und was wäre schöner, als die gesamte Familie zusammenzuführen? Laut Canonical sei es möglich, auf einem aktuellen Dual-Core-Android parallel ein Ubuntu zu installieren. Motorola hat die Praktikabilität mit der Webtop-Integration bereits bewiesen: Wird das Smartphone mit einem Dock verbunden, kann der Desktop-Firefox gestartet werden - leider nur in einer veralteten Version. Mit einer aktuellen Ubuntu-Version wären nicht nur die Update-Nöte vergessen, sondern auch die Notwendigkeit eines Laptops. Einfach HDMI-Stecker rein, Bluetooth-Tastatur an und schon ist der Arbeitsplatz gekapert. Die Ubuntu-Entwickler zeigten mit einem Motorola Atrix 2, dass dies möglich ist.

 

 

Die hass-geliebte Unityoberfläche würde zum jetzigen Zeitpunkt zum Einsatz kommen. Es ist eine neue Benutzeroberfläche für Ubuntu, die vor allem den Zugriff auf Programme und dessen Funktionen vereinfachen soll. Ich halte davon nichts und merke außer den gestiegenen Hardware-Anforderungen keinen positiven Effekt dieses Launchers. Doch abgesehen davon schreit die Demo richtiggehend nach Folgeprodukten.

 

Praktischer Einsatz

Nach der ersten Euphorie sollten wir jedoch noch einmal innehalten: Wie groß ist die Verbreitung von Linux auf Desktop-PCs? StatsCounter zählt Linux unter "ferner liefen", dieser Posten macht insgesamt um die 2% aus. Doch den Großteil nimmt Windows mit seinen unterschiedlichen Versionen ein. Wer würde freiwillig auf Linux wechseln?

Die Anwender sind da, doch ich befürchte, dass diese nur einen kleinen Teil ausmachen. Wer schaut beim Kauf darauf, dass ein HDMI-Ausgang dabei ist? Wie spielt man mit dem Smartphone Blu-Ray-Filme ab? Und wie kriegt man die riesige Multimedia-Sammlung in den kleinen, teuren Flashspeicher?

Die eigentliche Idee hinter Google Android war ein einfaches Betriebssystem für mobile Geräte zu schaffen. Doch mit der vermehrten Nutzung steigen auch die Ansprüche. Es reicht heute nicht mehr, nur E-Mails verschicken und Anrufe tätigen zu können. Facebook und Twitter wollen genutzt, Flashfilme angeschaut und Fotos bearbeitet werden. Wozu braucht man noch einen PC, sollte die Frage lauten und nicht: Wann kommt der PC aufs Smartphone.

Mein persönliches Fazit

Ich freue mich riesig auf ein Desktop-Linux im Smartphone. Für mich wird das die nächste große Evolutionsstufe und ein völlig neues Nutzerverhalten nach sich ziehen. Doch für den Großteil bedeutet das eher einen Rückschritt: einen "Laptop" ohne eigenen Bildschirm. Ein Smartphone mit 1001 Funktionen, wovon sowieso nur 10 im ständigen Einsatz sind. Ganz tolle Idee, aber wahrscheinlich in die falsche Richtung.

Via Canonical.

Seid ihr auch schon gespannt auf Ubuntu am Smartphone? Oder reicht Euch das Smartphone völlig aus? Ich bin gespannt auf Eure Kommentare.

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