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15.09.15

Das kollektive Gedächtnis: Vergangenheit und Zukunft der Speicherung und Übermittlung von Wissen

Das Wissen der Menschheit gehört zu ihren wertvollsten Gütern und führte innerhalb der kurzen Geschichte zu bahnbrechenden Entwicklungen. Ohne das Festhalten der wichtigen Daten, Informationen, der Anleitungen und Erklärungen der komplexen Welt, wäre eine Reise zum Mond oder die fortschreitende Analyse von Genen bis zur Veränderung des Erbguts kaum möglich gewesen. In Zukunft werden die unzähligen Datenmengen noch weiter ansteigen und die Wissenschaft arbeitet stetig an komprimierten Datenträgern, welche das Wissen für die Zukunft haltbar machen und es bewahren sollen.

Bild 1 Nervenzellen

 

1. Grundlagen der Erinnerung – Genetik und Instinkt

a. Die grundlegenden Funktionen des Gedächtnisses

In der äußeren Schicht des Großhirns, dem Neocortex, ist das Gedächtnis zu finden und seine Funktionen sind meist in zwei Kategorien unterteilt, in die qualitativen und die zeitlichen Stadien. Das bedeutet beispielsweise, dass Ereignisse oder Wissen, das unbewusst erfahren wird (nicht deklarativ), an anderen Stellen gespeichert wird, als bewusste Erinnerungen (deklarativ).

Quelle: Spornitz, Udo M. (1996). Anatomie und Physiologie. Berlin, Heidelberg: Springer-Verlag. [S. 219] Quelle: Spornitz, Udo M. (1996). Anatomie und Physiologie. Berlin, Heidelberg: Springer-Verlag. [S. 219]

In die nicht deklarativen Bereiche fallen beispielsweise das Fahrradfahren, Laufen, Schreiben oder erlernte Ängste und Gewöhnungen. Deklarativ ist das Faktenwissen, das jederzeit bewusst wieder abgerufen werden kann. In den zeitlichen Stadien werden die Impulse der Sinnesorgane in verschiedenen Registern gespeichert, vom Ultrakurzgedächtnis, zum Kurzzeit- und Langzeitgedächtnis. Dabei organisiert das Hirn die wichtigen Informationen in die dauerhafte Speicherung, wenn sie regelmäßig wieder angeregt werden. Im Kurzzeitgedächtnis verbleiben die Informationen meist von 30 Sekunden bis zu zwei Stunden, bevor sie als wichtig oder unwichtig aussortiert werden. Weitere Informationen gibt es dazu in dieser PDF.

b. Die zelluläre Erinnerung

Die DNA-Sequenz besteht aus den Basen Adenin, Thymin, Guanin und Cytosin; Pixabay.com © PublicDomainPictures (CC0 1.0) Die DNA-Sequenz besteht aus den Basen Adenin, Thymin, Guanin und Cytosin; Pixabay.com © PublicDomainPictures (CC0 1.0)

Die Zellen gelten nicht ohne Grund als Grundbaustein des Lebens, denn sie tragen die Erbinformationen in sich und sind das statische Element für alle grundlegenden Lebensfunktionen. Viele genetische Informationen sind in den meisten Lebewesen gleich und doch ist die Ausprägung eine ganz andere. Die DNA der Zellen ist der Genotyp, der alle Informationen beinhaltet und der Phänotyp zeigt die individuellen Schwankungen. Die Erinnerung des genetischen Codes musste sich im Laufe der Evolution anpassen und neue Informationen verarbeiten, so dass mit veränderter Umgebung ein Leben vor Ort möglich sein konnte. Wissenschaftlich umstritten ist die Erinnerung der Zellen beispielsweise bei Organspenden, in denen sich Charakter und Wesenszüge der Empfänger veränderten, hin zu dem der Spender. Vorherrschend ist die Meinung, dass die Erinnerungen der Menschen im Nervensystem und im Immunsystem gespeichert sind und sich nicht übertragen lassen. Allerdings haben Forscher es bereits erreicht, falsche Erinnerungen in Versuchen mit Mäusen zu generieren, was dieser Artikel erläutert.

c. Schwarmintelligenz in der Tierwelt

Gedächtnis Grafik 2Die kollektive Intelligenz der Tiere ist vor allem in Schwärmen und großen Gruppen zu erkennen, die das Überleben der Spezies sichern soll. Grundlegende Eigenschaft ist die Bewältigung eines Problems ohne eine zentrale Steuerung: Einzelne Gruppenmitglieder beginnen mit der Tätigkeit, die von den anderen übernommen wird, wie die Flugrichtung bei Vögeln oder der Transport der Nahrung bei Ameisen. Es geht um die Optimierung der Ressourcen, eine Leistung, die vor allem Ameisen perfektioniert haben. Diese hinterlassen Duftmarken, um die kürzeste Route zu markieren und verbessern so unter anderem die Sicherheit des Volkes. Allerdings übernimmt ein Schwarm nicht immer die Signale eines einzelnen, wenn diese Entscheidung zum Nachteil des Volkes führen könnte, wie in diesem Beispiel eines Versuchs mit einem Roboter bei Fischen und Bienen. Nur wenn ein größerer Prozentsatz des Schwarms mitzieht, erfolgt ein Richtungswechsel oder eine Veränderung. Der Schwarm verhält sich meist klüger, als ein einzelnes Mitglied.

d. Die Tücken der Erinnerung – falsche Bilder geprägt durch Emotionen

Das Gedächtnis arbeitet nicht ohne Fehler. Viele Erinnerungen sind durch Emotionen gefärbt, so dass bei Traumata falsche Bilder und Informationen haften bleiben oder diese vollständig blockiert sind. Das Gehirn will nur die relevanten Daten speichern, sortiert diese entsprechend nach Thema und gibt sie auch wieder ab. Die abrufinduzierte Hemmung stellt nur die „sinnvollen“ Informationen zur Verfügung, die in dem spezifischen Moment gebraucht werden, sonst wäre das Gehirn ständig überflutet mit sinnlosen Informationen.

2. Die Entwicklung von physikalischen Speichermedien

a. Die Revolution der Schrift – speicherbare Informationsübermittlung

Stift, Papier und Buchdruck revolutionierten die Kommunikation; Pixabay.com © webvilla (CC0 1.0) Stift, Papier und Buchdruck revolutionierten die Kommunikation; Pixabay.com © webvilla (CC0 1.0)

Die mündliche Überlieferung war wertvoll für die Entwicklung der menschlichen Kulturen, Bräuche und der technischen Revolution. Doch die Schrift bildete letztendlich den entscheidenden Impuls für den Fortschritt der Menschheit. Die ersten nachhaltigen Schriften waren beispielsweise die Hieroglyphen in Ägypten oder die Runen im Norden Europas, die zunächst für religiöse und heidnische Rituale gebraucht wurden. Bald war die Reproduzierbarkeit jedoch gegeben und mit der Weiterentwicklung der Schrift als Träger für Informationen konnten nicht nur Geistliche, Adlige oder reiche Personen sich fortbilden und austauschen, sondern auch sämtliche Bevölkerungsschichten. Mit Erfindung des Buchdrucks war schließlich der Knoten geplatzt und die Revolution der Schrift unaufhaltsam, zumindest in den Ländern, in denen die technische Entwicklung gleichzog. Die Chronik der Schrift und die Geschichte der Technisierung der Kommunikation gibt folgender Eintrag ausführlich wieder.

Schriftarten Beschreibung
Quadrata Majuskelschrift der Römer nach geometrischen Formen
Rustika Schräge Federhaltung, Schnellschreibweise der Quadrata
Unziale Kursive Schrift der Römer, ohne Serifen und abgerundet
Minuskelschrift Nach Karl dem Großen kamen die ersten echten Kleinbuchstaben dazu
Gotik Eckige und dichte Schrift verdrängen das Runde
Antiqua Anlehnung an karolingische Schrift, i-Punkt und Minuskelschrift
Sütterlin Schreibschrift mit verringerten Ober- und Unterlängen

Quelle: homepage.univie.ac.at

b. Papier, Pergament, Papyrus und Tücher – Religiöse Überlieferungen und Regeln

Papyrus wurde in Ägypten vor über 3000 Jahren aus der Papyrusstaude hergestellt, ein Schilfgras, das in mehreren Schichten gepresst und getrocknet wurde. Pergament bestand aus Häuten von Kälbern, Rindern, Schafen oder Ziegen und wurde gebeizt und gereinigt. Ab 2700 vor Christus waren darauf hauptsächlich literarische und religiöse Werke verzeichnet und die kunstvoll gearbeiteten Bücher wurden in der Buchbinderei noch bis ins 17. Jahrhundert verwendet. Tapa war ein Tuch, das aus der Rinde von Büschen und Bäumen entstanden ist, eingeweicht in Wasser und mit Schlaghölzern bearbeitet. Die Mayas sollen ebenfalls ein Rindentuch verwendet haben, für ihre Kalender und Weissagungen, was folgender Artikel erläutert.

c. Lochkarten und Magnetbänder – Wissensspeicherung und Computerentwicklung

Im Zeitalter der Digitalisierung wurden die Speichermedien um das Papier erweitert. Die Lochkarte geht auf Spieldosen zurück, in denen die Stifte oder Löcher das Abspielen einer Melodie ermöglichten. Der Lochkartenlocher kodierte die Karte mit Tabellen, numerisch und alphanumerisch und eine Maschine las entsprechend die Informationen aus. Als Erfinder ist Herman Hollerith angegeben und vor allem im ersten Weltkrieg waren die Lochkarten Hilfsmittel und Kodierungssystem Nummer eins.

Dieses Video erläutert die Funktionsweise:

In der Vergangenheit mussten die Lochkarten per Hand gestanzt werden; Pixabay.com © WikiImages (CC0 1.0)

Das Magnetband besteht aus einer Kunststofffolie, die mit magnetisiertem Material wie Eisen oder Chromoxid beschichtet ist. Die Magnetnadeln speichern binäre Informationen, die bei einem Abspielen in konstanter Geschwindigkeit wieder abgerufen werden können. Entweder kommt dabei das Start-Stopp- oder das Datenstromverfahren zum Einsatz.

d. Floppydisk und Disketten – Weit verbreitete Einsatzmöglichkeiten

Die Floppydisk und Diskette sind Weiterentwicklungen des Magnetbandes, da sie mehrere Magnetspuren, Sektoren und Blöcke besitzen, die ein mehrmaliges einfacheres Speichern und Lesen am Computer ermöglichen. Allerdings war die Datenmenge anfangs mit 180 Kilobytes und später bis zu 3520 Kilobytes im Vergleich zu heutigen Methoden gering. Mit der Erfindung der tragbaren Diskette und den Laufwerken konnten wichtige Informationen gespeichert und ausgetauscht sowie Installationen von Software auf jedem Gerät ermöglicht werden.

e. Compactdisc, DVD und Blu-ray – Lasertechnik für wenig Geld

Gedächtnis Grafik 31977 gab es den ersten Prototypen der CD, 1982 die serielle Anfertigung. Die Daten der CD sind in Pits und Lands, also Vertiefungen und Ebenen, auf dem Rohling gespeichert, den ein Laser lesen und wiedergeben kann. Der Laserstrahl wird von der CD reflektiert und wandelt das Signal in optische Signale um. Eine technische Beschreibung des Vorgangs liefert

diese PDF .

Aktuell ist die Blu-ray Disc das gängige Format, das hochauflösende Videodaten und große Datenmengen speichern und wiedergeben kann. Die Blu-ray hat eine höhere Speicherkapazität durch die Verkleinerung der Struktur der Disc, die auf einer Wellenlänge von 405 Nanometern liegt. Die Massenproduktion macht das Speichermedium erschwinglich.

f. Memory Cards und USB-Sticks – Immer kleiner und besser

Gedächtnis Grafik 4

Quelle: www.tecchannel.de

Memory Cards für Fotoapparate oder andere Geräte nutzen einen Flash Speicher, der den Effekt der Halbleiter zur Speicherung von Daten nutzt. Nachdem der Strom abgeschaltet wurde, sind die Daten dauerhaft auf dem Medium gespeichert und eine erneute Stromversorgung führt zu einem Datenaustausch. USB-Sticks arbeiten mit dem USB, dem Universal Serial Bus der Computer und einem eingebauten Datenspeicher, so dass sie als Wechseldatenträger genutzt werden können. Die Übertragung erfolgt ebenfalls mit dem Flash Speicher und die fortschreitende Entwicklung der immer kleineren Chips ermöglicht mittlerweile Sticks mit einer Speichergröße von einem Terrabyte. Weitere Informationen zur Technik und Entwicklung finden sich unter flash-speicher.at.

3. Mündliche Überlieferungen als Basis für kulturelle Erinnerungen

a. Geschichten und Erinnerungen als mündlicher Vortrag – mehr als Literatur

i. Überlieferungen in China: Volkslieder, Rätsel und Mythen im Wandel

Trotz der langen Schrifttradition ist die mündliche Überlieferung in China relevant; Pixabay.com © tpsdave (CC0 1.0) Trotz der langen Schrifttradition ist die mündliche Überlieferung in China relevant; Pixabay.com © tpsdave (CC0 1.0)

Nicht nur die geschriebene Sprache ist relevant für die Erinnerung der Geschichte, denn die mündlichen Überlieferungen sind auch heute noch ein wichtiger Bestandteil der Kultur und der Wissensübertragung. In China gehen Volkslieder und Mythen immer noch durch die Familien. Eines der wichtigsten Werke ist das Buch der Lieder, das Konfuzius aus über 3000 Gedichten der mündlichen Überlieferungen ausgewählt haben soll. Es enthält 160 Volkslieder für vielfältige Traditionen zu Zeremonien oder zum Lobpreis der Ahnen, die mit mündlichen zusätzlichen Elementen versehen sind. Im Jahr 213 vor Christus wurden zahlreiche Bücher verbrannt, die Sagen, Mythen und ähnliches enthielten und im Laufe der Geschichte wurden zahlreiche Mythen durch die mündliche Überlieferung verändert und gingen unwiderruflich verloren. Einige Geschichten halten sich aber bis heute hartnäckig im Bewusstsein vieler chinesischer Gruppierungen. Das Dorf Lüjahe hält zum Beispiel zahlreiche Volkslieder durch mündliche Überlieferungen am Leben, was dieser Artikel beschreibt.

ii. Orale Traditionen in Westafrika - Mündliche Vorträge als philosophischer Diskurs

Orale Überlieferungen haben in Westafrika eine sehr lange Tradition, da Schriften und Schriftsprachen erst spät Einzug hielten. Vor allem in der Bedeutung als Orientierung für Jung und Alt, für Ratschläge und Streitigkeiten sind die mündlichen Vorträge in vielen Gemeinschaften relevant. Das Wissen der Älteren ist durch die mündliche Weitergabe geschärft, jedoch nur zu bestimmten Anlässen abrufbar. Die Griots, die oralen Sprecher Westafrikas, waren ursprünglich eine eigene Kaste, welche die kollektive Erinnerung der Gesellschaft bewahren sollte. Zu Hochzeiten, Taufen, Beerdigungen stehen die Dienste zur Verfügung und auch heute noch finden sich die Griots in westafrikanischen Gesellschaften wieder. Hier ein Beispiel des Erzählers Mamadou Diabate, begleitet auf der Stegharfe:

b. Sagen und Märchen als Grundlage für Bildung und Moral

i. Bildung aus Sagen – Beispiele aus Österreich

Die Figur des Krampus ist in der österreichischen Kultur fest verankert; Wikimedia.commons.org © Matthias Kabel (CC BY-SA 3.0) Die Figur des Krampus ist in der österreichischen Kultur fest verankert; Wikimedia.commons.org © Matthias Kabel (CC BY-SA 3.0)

Nicht nur in China oder Afrika sind Sagen und Märchen für kulturelle Erinnerung zuständig gewesen, auch in Europa gehörten sie bis zur Verbreitung der Schrift in jede Gesellschaft dazu. Noch heute üben die Geschichten auf viele Personen eine starke Faszination aus, besonders auf Kinder. In Österreich sind Tausende Sagen gesammelt worden, die im Laufe der Jahrhunderte wichtige Informationsquellen waren und zum einen die Region und Geografie genau beschrieben und zum anderen Lehren und Ratschläge für Kinder und Erwachsene beinhalteten. So erläutert die Sage des lieben Augustin die Schwere der Pest und gibt gleichzeitig Hoffnung darüber, dass die Seuche nicht unbesiegbar ist. Die Sage der „Übergossenen Alm“ am Hochkönig deutet sogar den Klimawandel richtig, da der Gletscher die übermütigen Senner „verschlingt“. Unter sagen.at findet sich eine der größten Sagensammlungen aus Österreich und Europa.

ii. Grimms Märchen – Werte und Botschaften für die Zuhörer

Gedächtnis Grafik 5Die Gebrüder Grimm sammelten in ganz Europa Märchen und Sagen und fassten sie schriftlich zusammen. Die Grausamkeit der Märchen und ihrer Moral ist für viele Personen auch heute noch schwierig einzuordnen, doch die Straftaten für böse Wesen oder unartige Personen lassen sich durch den fiktionalen Kontext mit Abstand betrachten. Der abstrakte und verfremdete Stil hilft es den Zuhörern, sich einerseits in die Märchen einzufühlen und andererseits die Inhalte nicht zu ernst zu nehmen. Beispielsweise handelt der Froschkönig von der Emanzipation des Kindes, da die Prinzessin sich zunächst nur auf den Frosch verlässt und mit dem Wurf an die Wand eine eigene Entscheidung fällt, die zwar grausam anmutet, aber symbolisch zu verstehen ist. Gruenschnabel.at gibt Tipps für besorgte Eltern, welche Märchen gut vorgelesen werden können.

4. Verloren gegangenes Wissen und die Zukunft der Speicherung

a. Verlorenes Wissen – Baukünste, Medizin und Handwerk

i. Megalithen in Europa, Asien und Afrika

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Nicht immer konnten mündliche Überlieferungen oder alte Schriften das Wissen der Vergangenheit bewahren. Die Megalithenkultur ist bis heute zum Teil unerklärt, obwohl die Wahrscheinlichkeit groß ist, dass diese als Gräber oder Kultstätten gedient haben. Es gibt unterschiedliche Anordnungen der großen Steine, als überwölbte Anlage oder als überdachte Dolmen, die vermutlich um 4000 vor Christus entstanden sind. In Österreich lassen sich ebenfalls unzählige Steinmonumente finden, welche diese Homepage sammelt. Die Steinreihen von Carnac in der Bretagne sind weltberühmt, wie Stonehenge in England, aber auch der Monumental-Komplex bei Cap Verde an der Atlantikküste Afrikas oder die Megalithen auf Sumatra.

ii. Die Medizin der Maya – Pflanzen als Heilmittel

Die Bauwerke der Maya zeugen von einer hoch entwickelten Kultur; Wikimedia.commons.org © Daniel Schwen (CC0 1.0) Die Bauwerke der Maya zeugen von einer hoch entwickelten Kultur; Wikimedia.commons.org © Daniel Schwen (CC0 1.0)

Viele bedeutende Werke der Maya sind nach dem Untergang der Kultur und der Zerstörung durch Krieg und Eroberung verloren gegangen. In Mexiko erforschen Biologen seit Jahrzehnten die Kraft der Heilpflanzen, unter den 30.000 erfassten Pflanzenarten. Die Maya hatten früh Methoden entwickelt, die Kraft der Natur zu untersuchen und für sich zu nutzen und sie dokumentierten ihre Funde mit Zeichnungen und Erläuterungen. Rund 900 dieser beschriebenen Pflanzen aus rekonstruierten Schriften erhalten tatsächlich Inhaltsstoffe, die als Tinktur oder Pille zur Linderung oder Heilung eingesetzt werden können. Bis die Pflanzen analysiert sind, wird jedoch noch einige Zeit vergehen, doch viele Stoffe sind der Welt bereits jetzt schon bekannt, wie die Agave, Aloe oder die Passionsblume. Weitere Informationen unter diesem Eintrag.

iii. Altes Handwerk – Arbeitswelten vor der Industrialisierung

Nicht nur Pflanzen und Riten sind verloren gegangen, auch alte Handwerkskunst verliert an Bedeutung, da Technik und Maschinen die Arbeitswelten von heute verändert haben. In Österreich gibt es nur noch vereinzelt Lederhosenmacher, Briefmarkenstecher, Glassetzer, Zistelmacher oder Maultrommel-Hersteller. Zistelmacher stellen beispielsweise geflochtene Körbe aus Holz her, die meist aus Eschenholz in vielen Formen zu früheren Zeiten bedeutende Aufbewahrungsorte für Nahrung und Kleidung waren. Die Maultrommel war ein beliebtes Musikinstrument, das mit Metallrahmen und Stahlzunge einen eigentümlichen Klang von sich gab. Die Mollner Maultrommel ist mittlerweile in das immaterielle Kulturerbe der UNESCO aufgenommen.

b. Speichermedien der Zukunft

i. DNA als ewig haltbares Medium?

Die DNA ist jetzt bereits wichtiger Datenträger für das Erbgut. Seit einigen Jahren entwickeln Forscher neue Methoden, Daten zu speichern und über Jahrtausende haltbar zu machen. Wissenschaftler des European Bioinformatics Institute (EBI) kodierten 739 Kilobyte Daten (alle Sonette von Shakespeare, ein Foto, ein Paper über die DNA-Struktur, ein MP3-Stück aus Martin Luther Kings Rede und eine Information über die Kodierung) in ein DNA-Stück so groß wie ein Staubkorn. Die erneute Entschlüsselung gelang anschließend zwei Forscherteams und inzwischen wird die Speicherung als Zukunftsmodell gehandelt. In einem Gramm DNA lassen sich angeblich zwei Petabyte, also 2,3 Millionen Gigabyte speichern. Spektrum.de spricht zum Vergleich von 100 Millionen Stunden HD-Videomaterial, in einer Menge einer Kaffeetasse DNA.

ii. Flash Speicher für vielseitige Verwendungen

Die Mikrotechnologie machte in den letzten zehn Jahren rasante Fortschritte; Wikimedia.commons.org © David Carron at en.wikipedia.de (CC BY-SA 3.0) Die Mikrotechnologie machte in den letzten zehn Jahren rasante Fortschritte; Wikimedia.commons.org © David Carron at en.wikipedia.de (CC BY-SA 3.0)

Der Flash Speicher, der in USB-Sticks und Festplatten steckt, wird in Zukunft noch schneller und zuverlässiger Daten übertragen und sichern. Eine externe Festplatte besitzt meist ein magnetisches Laufwerk, das die Informationen über einen Motor überträgt. Jetzt gibt es bereits schnelle SSDs, Solid State Discs, die mit wenig Strom auskommen und Halbleiter-Technologie verwenden. Das bedeutet, dass der Speicher nicht die ganze Zeit mit Strom versorgt werden muss, um Daten zu speichern und er ist gegenüber Stößen und Stürzen sehr unempfindlich.

iii. Nanotechnologie für Chips

Gedächtnis Grafik 7Die Flash Speicher beinhalten Speicherchips, die immer weniger Platz benötigen. So arbeiten Forscher mittlerweile an Chips in Nanogröße, die mit Multi-Leveln die Speicherkapazität pro Flash-Baustein erhöhen. Eine weitere Möglichkeit liegt darin, Speicherzellen aus Molekülen herzustellen. Forscher nutzen Metalloxid-Cluster oder Polyoxometallate, um mit unterschiedlichen Landungszuständen eine Speicherung zu ermöglichen, die mittlerweile bereits bis zu 14 Stunden anhält. Diese sind meist nur einen Nanometer groß und stellen die Wissenschaft vor neue Herausforderungen auf dieser Größe Daten für die Ewigkeit zu speichern.

5. Fazit

Ohne das vergangene Wissen kann sich die Menschheit nicht weiterentwickeln oder bereits erlernte Informationen weitergeben und für sich nutzen. Forscher überlegen bereits seit Jahren wie beispielsweise das Wissen um die Gefahren der Atomkraft und des Atommülls über Jahrtausende weitergegeben werden kann, denn viele Symbole oder Schriften könnten in Zukunft ihre Bedeutung verlieren. Das Zeichen für die Strahlenwarnung entspricht einem Flügelrad und ist auf den ersten Blick nicht besonders düster oder erklärend. Neue Warnzeichen versehen radioaktive Strahlungen mit Totenschädeln und Fluchtzeichen, um die Gefährlichkeit zu verdeutlichen. Einiges an Wissen aus Handwerk oder Technik wird weiter verloren gehen, da der Nachwuchs fehlt und auch Sagen und Erzählungen können ihre Kraft verlieren, wenn sie nur noch schriftlich vorliegen und die mündliche Überlieferung ihre Wirkung nicht mehr verbreiten kann. Trotzdem geben die vielseitigen Speichermöglichkeiten Hoffnung, das gesamte vorhandene Wissen der Menschheit zu erfassen und für einen langen Zeitraum zu bewahren.

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