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30.11.12Leser-Kommentare

Vivo, Meizu, Oppo & Co: Chinas Smartphones werden für den Westen interessant

China ist zum weltgrößten Markt für Mobiltelefone aufgestiegen. Die dort ansässigen Hersteller produzieren schon lange zu einem großen Teil nur noch für den Heimatmarkt. Neu ist, dass einige dieser Modelle so fortschrittlich wirken, dass sie auch für westliche Kunden attraktiv werden. Doch die müssen warten, denn mittlerweile lässt sich konkurrenzfähige Hardware schneller herstellen als es dauert, eine Android-Oberfläche zu lokalisieren.

Vivo X1: Das derzeit wohl dünnste Smartphone der Welt kommt aus China - und bietet konkurrenzfähige Hardware.

Das wahrscheinlich dünnste Smartphone der Welt ist nur 6,55 Millimeter hoch - 1 Millimeter weniger als das iPhone 5 - und kommt aus China. Anbieter des Gadgets der Marke "Vivo" ist BBK, der größte Hersteller für DVD-Player im Reich der Mitte, der nebenbei halt auch noch Smartphones baut. 4,7 Zoll misst das Display in der Diagonale, die qHD-Auflösung von 960 x 540 Pixel könnte allerdings wahrlich höher sein. Kein Snapdragon S4, aber ein Cortex A9 mit 1,2-GHz Dualcore-Prozessor arbeitet im Innern. Das Vivo X1 ist mit aktuellen Geräten der namhaften Hersteller auf Augenhöhe: 1 GByte RAM, 8-Megapixel-Kamera, 16 GByte interner Speicher, 2.000 mAh-Akku, Android 4.1 Jelly Bean, verfügbar in weiß oder schwarz, sowie ein Design, das wohl nicht ganz zufällig an das iPhone 5 erinnert. Kostenpunkt: 2.500 Yuan, umgerechnet 310 Euro. Für das Geld sicher kein schlechter Deal.

 

 

Hauptsache dünn?

Madhav vom Techblog "The Android Soul" ärgert sich, dass er sich keins kaufen kann. Denn erhältlich ist das Vivo X1 zwar ab sofort in China - aber auch erst einmal nur dort. In Europa und Nordamerika guckt man beim X1 ebenso in die Röhre wie beim Meizu MX2. Das ist zwar mit 10,2 Millimetern deutlich dicker und hat mit 4,4 Zoll ein etwas kleineres Display, dafür steckt mehr Leistung darin. Der Cortex A9 ist in diesem Falle ein Quadcore mit 1,6 Ghz, die Auflösung beträgt 1.280 mal 800 Pixel. Die 8-Megapixel-Kamera verfügt über einen BSI-Sensor. Bluetooth 4.0 und HSPA+ sind drin; Betriebssystem ist ein Android 4.1 Jelly Bean mit der eigenen "FlyMe"-Oberfläche. Der Preis ist mit umgerechnet 310 Euro für die 16-GByte-Variante der gleiche wie beim Vivo X1.

Noch weitere Beispiele gefällig? Die Hersteller des chinesischen Oppo Finder machen jetzt lange Gesichter, weil sie den Titel "dünnstes Smartphone der Welt" (6,65 mm) gerade einmal fünf Monate halten durften. Davor war es das Ascend P1 S vom chinesischen Hersteller Huawei (6,68 mm). Noch nicht erschienen ist das bereits im Mai vorgestellte ZTE Athena, ebenfalls aus China, das nur 6,2 mm dick sein soll. Allen Modellen gemeinsam: der geringe Preis von um die 2.500 Yuan (310 Euro) oder noch darunter. Ebenfalls von Vivo im Programm etwa: Das S12 und das S9 für je 2.500 Yuan. Wenn es etwas weniger sein darf, gibt es das Vivo S7 für 1.800 Yuan (222 Euro), das mit hiesigen "Plastikbombern" vergleichbar ist.

Jeder kann etwas herstellen, das wie ein iPhone aussieht

Was auffällt: Fast alle Modelle imitieren vom Aussehen her das iPhone. Meizu etwa hat sogar eine Website im Apple-Stil, auf der man haarklein erklärt, dass man jedes Teil des iPhone 5 auch hat - oder teilweise sogar ein besseres. Der Prozessor des MX2 ist leistungsfähiger als der des iPhones, mit 347 ppi erreicht man eine höhere Pixeldichte als Apple (326). Alles in allem macht iPhone 5 schon das Rennen, aber das Meizu ist bereits in seinem Windschatten. Die aktuellen chinesischen Spitzenmodelle sind derzeit nicht die allerbesten auf dem Weltmarkt, aber sie übertrumpfen so manches ein Jahr alte Gerät der namhaften Hersteller.

Kein iPhone, ein Meizu MX2

Es ist in der chinesischen Kultur verankert, von einem Meister zu lernen und ihn so gut zu kopieren, bis man ihn eines Tages eingeholt hat und dann selbst zum Meister wird. Da man zu Hause schon den größten und einen durchaus kaufkräftigen Mobilfunkmarkt besitzt, können es die Hersteller es sich sogar erlauben, erst einmal nur zu Hause zu bleiben. Eine Expansion in westliche Märkte dürfte vor allem derzeit noch an der Sprache und den unterschiedlichen Vorstellungen in Sachen Benutzerfreundlichkeit scheitern. Mal eben schnell eine FlyMe-Oberfläche nach Europa zu portieren, dürfte mittlerweile eine größere Herausforderung darstellen, als konkurrenzfähige Hardware zu bauen.

So schnell werden es die Chinesen also nicht auf den westlichen Markt schaffen. Ihre Hardware unter den Namen westlicher Marken schon eher. Die etablierten Hersteller haben eigentlich nur noch die Chance, auf kluge Software und das Gesamterlebnis zu setzen. Das Thema Hardware scheint durch zu sein.

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Kommentare

  • grossermanitu

    30.11.12 (12:13:34)

    Hardware ist durch, das stimmt. Was zählt ist zurzeit Design und Zusatzfunktionen bei der Software. Aber auch hier denke ich, dass wir in 3 Jahre einen Standard erreicht haben bei dem es nur dann noch um Preis und Prestige geht. So wie wir es momentan von den Autos kennen. Alle Neuwagen fahren und das ziemlich gut. Ich kaufe nach Aussehen, Preis und Prestige.

  • Markus

    01.12.12 (17:53:25)

    Hallo, interessanter Artikel zum Thema China Smartphones. In meinen Augen haben die Smartphones von Meizu, Oppo, Newman, Xiaomi etc. im Vergleich zu den bis dato hier gängigen Smartphones einen ganz entscheidenden Vorteil: Sie bieten für weniger Geld mindestens vergleichbare Leistung und in Relation zum Preis sogar sehr oft eine hervorragende Verarbeitung. Die Aussage, das bei diesen Smartphone aus China oft ein bekanntes Design kopiert wird, darf nicht gelten. Vielmehr ist es so, das gerade diese Smartphones einfach schneller in das öffentliche Interesse rücken. Es gibt aber genug hervorragende Smartphones aus China mt einem durchaus eigenständigen Design. Und entgegen der Information aus dem Artikel: Es gibt sehr wohl legale Wege, diese Smartphones in Europa zu erwerben und auch ohne Zollprobleme. Zudem gibt es Aussagen der CEO's von Meizu, Oppo als auch Xiaomi den europäischen Markt in absehbarer Zeit mit Smartphones beliefern zu wollen. Beste Grüße, Markus / DSLundMobilfunk-Blog

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