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21.03.08

"China Export": Gadgettester leben gefährlich

Importe aus China sind nicht nur öfters mal bleihaltig. Auch mit der elektrischen Sicherheit steht es nicht immer zum Besten. Und auch das CE-Zeichen steht inzwischen nicht mehr für "Conformité Europénne", sondern mitunter auch für "China Export"!


"Wie bringe ich nur meine Schwiegermutter um?". Na beispielsweise mit diesem chinesischen Netzkabel. Das macht aus einem zweipoligen Eurostecker für schutzisolierte Geräte, die ohne Schutzerde auskommen, eine dreipolige Kaltgerätekupplung beispielsweise für PC-Tower, die unbedingt eine Schutzerdung benötigen - so aber nicht bekommen. Selbstverständlich hat diese gefährliche und völlig illegale, aber serienmäßig zu Tausenden gefertigte Konstruktion ein (ebenso illegales) VDE-Zeichen aufgedruckt - und ebenso die Schweizer Zulassung. (Bild: W.D.Roth)

"Was? Du testest Handys? Na das ist ja wenigstens ungefährlich!". So bekommt man es öfters zu hören. Aber nich nur, daß ab & zu Akkus abbrennen und in die Luft fliegen, weil Sicherheitsbestimmungen mißachtet wurden - man bekommt auch schnell mal eine Frisur wie Rod Stewart, wenn man sich die Geräte vor dem Einschalten nicht genau genug ansieht:

 

Das oben zu sehende, absolut kriminelle Netzkabel lag so einem jener vielen Geräte bei, die im Laufe eines Jahres bei einem Gadgettester über den Tisch wandern - und 99% der Leute würden es sicher ohne weiteres Nachdenken in Betrieb nehmen: Es ist ja keine Bastelware von so jemandem wie mir, der sich am ersten April vielleicht einen etwa makabren Scherz geleistet hat, sondern ein sauber gefertigtes und verschweißtes industrielles Massenprodukt.

Immerhin: Der Lieferant, in dessen Karton dieses Teil zum Vorschein gekommen war, war äußerst erschrocken, zog sofort die ganze Charge im Lager aus dem Verkehr und ließ neue Netzkabel einpacken. Wieviele dieser "Schwiegermutterkiller" aber schon im Karton eines eine handvoll Euro teuren Gadgets unter die Leute gekommen sind, das weiß keiner. Ebenso, wieviele der chinesische Produzent davon weiterhin Tag für Tag herstellen läßt.


Original und Fälschung Nachahmung (Bild: Elektrofachkraft)

Ein gewisses Problem für den Hersteller ist dabei, daß er CE-, VDE- und UL-Zeichen natürlich völlig illegal auf solche Produkte drucken läßt: Der VDE würde ein solches Kabel selbstverständlich nicht mal im Vollrausch zulassen.

Doch dieses Problem haben die schlauen Chinesen nun gelöst: Nun verletzen sie keine CE-Sicherheitsrichtlinien mehr. Also sind die Produkte nun sicher? Nein, natürlich nicht. Nur das CE-Zeichen wurde leicht verändert - und neu als "China Export" definiert.


So sieht eine reguläre CE-Erklärung aus

Wie die Fachzeitschrift Elektrofachkraft in ihrer März-Ausgabe berichtet, werden dazu einfach das C und das E des CE-Zeichens etwas näher zusammengerutscht. Das merkt keiner, schon gar nicht Zoll oder Käufer, aber so entspricht es nicht mehr dem genormten Sicherheitszeichen und gilt damit nicht mehr als strafbare Fälschung. "Problem mit diesen sicherheitsparanoiden Langnasen gelöst, Chef!"

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