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13.08.12

Changers Kalhuohfummi im Test: Das Smartphone mit der Sonne laden

Mit dem Starter Kit der Firma Blacksquared soll man die Sonne zum Laden von Smartphones nutzen können. Ich habe mir das Solarmodul und den Akkupack mit den interessanten Namen „Kalhuohfummi” und „Maroshi” einmal angesehen. Lohnt sich ein Kauf?

Das Berliner Startup Blacksquared will die Welt verbessern. Weniger CO2-Emissionen, mehr ökologisches Handeln. Wie wir alle aus eigener Erfahrung wissen, wirkt ein positiver Anreiz mehr als der erhobene Zeigefinger. Und so animiert Blacksquared zur CO2-Einsparung mit seiner „Changers Community” durch Vergünstigungen. Wie das im Einzelnen gelingt, werdet ihr nun erfahren.

Die Südsee als Inspiration

Das Starter Kit liefert mir der Paketdienst. Ein großer Aufkleber liest sich „GoGreen - CO2 neutrale Lieferung”. Dieses umsichtige Handeln zieht sich wie ein roter Faden hindurch: Die Verpackung besteht vollständig aus recycletem Papier, Plastiktüten sind hingegen nur bei den vielen Kabeladaptern zu finden. Das Starter Kit enthält „Kalhuohfummi”, den aufladbaren Akku, und „Maroshi”, das Solarmodul. Der Akku fasst 4.400 mAh und liefert 1.200 mAh Ladestrom am USB-Ausgang. Über einen runden Stecker erhält das Akkupack die Sonnenenergie aus dem Solarmodul, den Ladestand zeigt es über vier LEDs an. Mit einer Größe von 370 x 191 x 20 mm garantiert es eine gute Ausbeute. Die Namen sind übrigens von einer historischen Begebenheit inspiriert, bei der ein Schiff „Kalhuohfummi” hieß, das an der Insel „Maroshi” frisches Wasser aufnahm. Und so versorgt das Solarmodul den Akku mit immer frischem Strom.

„Mehr Licht”

Nicht nur Goethes angeblich letzte Worte, auch die meiner Wenigkeit lauten: „mehr (Sonnen-)Licht!” So schön regenerative Energieumwandlung auch ist, ohne Sonne läuft sie nicht ab. Am ersten Tag regnete es in Strömen und ich konnte nur eine der vier LEDs zum Aufleuchten bewegen. Der nächste Tag war trüb und grau, was zu einer Ausbeute von ca. 50 Prozent Ladespannung führte. Aller guten Dinge sind drei: Nach nur zwei Stunden Sonnenbad beruhigte sich die Lade-LED und zeigte volle Akkuladung an. Scheint die Sonne, erreicht man nach durchschnittlich vier bis fünf Stunden direkter Sonneneinstrahlung einen vollgeladenen Akku. Das ist recht gut, verglichen mit all den billigen Solargeräten, die Versprechungen machen und am Ende nicht halten. Andererseits macht es erst bewusst, wie wichtig das Wetter ist und wo die Sonne tagsüber hinscheint. Laut Blacksquared soll sich das Kalhuohfummi auch ohne Sonne laden lassen, dafür bedarf es aber eines speziellen Ladegeräts mit Rundstecker.

Akkuleistung

Rein nominal müssten 4.400 mAh ausreichen, um ein durchschnittliches Smartphone mindestens zwei Mal voll aufzuladen. Doch war es mir im tatsächlichen Betrieb nicht möglich, es mehr als anderthalb Mal zu laden. Um den Tag zu überstehen reicht dies völlig aus, mit Blick auf die technischen Daten ist das jedoch eher ernüchternd. Sogar erschreckend ist die Angabe der Software zum Status meines Akkus: „Deep discharge counter: 4”. Das bedeutet, dass ich bereits vier mal meinen Akku zu tief entladen habe. Lithium-Ionen-Akkus sollten aber genau das nicht, da dies die Lebensdauer der Zellen drastisch verringert, ein entsprechender Entladebegrenzer täte hier Not, eventuell legt Changers aber auch nur die Grenze höher an. Beim Ladevorgang zeigt sich Kalhuohfummi überraschend informativ: Die LEDs zeigen nicht nur den Ladestand an, durch eine erhöhte Blinkfrequenz visualisieren sie auch einen größeren Ladestrom. So wird sofort klar, ob man das Solarmodul optimal angebracht hat.

„Ich liefere Daten, also spare ich”

Der Spaß am Changers-Kit ist, dass die CO2-Ersparnis sofort sichtbar und messbar wird. In der Changers Community eingeloggt, vergleiche ich meine Daten mit denen der anderen. Zur Zeit bin ich auf Platz 114, habe bereits 84 Gramm CO2 ein- und mir 167 Credits angespart. Das spornt mich an. Ich suche nach Wegen höhere Energiewerte zu erreichen, suche den besten Ort im Haus, überlege den Sonnenverlauf motorgesteuert zu verfolgen, um eine bessere Platzierung zu erreichen. Es ist ein Wettstreit. Und so merke ich gar nicht, dass ich eigentlich die Umwelt schone, indem ich Strom von der Sonne beziehe.

Changers legt für die Umrechnung von Strom und CO2 die Werte der International Energy Agency zugrunde, demzufolge erzeugt man bei der Produktion einer Wattstunde elektrischer Energie 0,5 g CO2. Gleichzeitig sammle ich pro Wattstunde „Changers Credits”. Es soll eine Währung darstellen, die im Laufe des August 2012 gegen Dienstleistungen und Rabatte getauscht werden kann. Zugelassen für diesen Marktplatz werden nur Firmen, die sich für Umweltschutz und Klimawandel einsetzen. Carsharing, Bio-Produkte und ähnliches wären geeignete Partner.

Kritik und Fazit

Heutzutage ist es schwer zu erkennen, ob ein echtes Interesse an einem Wechsel besteht oder ob nur Geld den Antrieb darstellt. Im Gespräch mit Markus Schulz, Geschäftsführer und Gründer von Blacksuquared, hatte ich das Gefühl, dass er wirklich an die Sache glaubt und etwas bewegen will. Er gibt zu, nicht zu wissen, ob die Produktion von Maroshi und Kalhuohfummi durch die Energiegewinnung der Geräte wieder ausgeglichen oder überflügelt wird. Doch er hat sich das Ziel gesetzt, seine Produkte CO2-neutral zu produzieren. Manch einer mag diese Aktion als Tropfen auf den heißen Stein ansehen. Andere wiederum als Beginn einer großen Sache. Etwas befremdlich wirkt es schon, dass man zum Laden des Akkupacks ein spezielles Gerät benötigt. Mehr Energie um etwas Unnützes zu produzieren - warum nicht den Datenport zum Aufladen nutzen? Dann könnte auch ein Smartphone-Ladegerät mit microUSB eingesetzt werden.

Nüchtern betrachtet spiegelt sich der Preis von 120 Euro für Solarmodul und Akkupack in der effizienten Energiegewinnung wieder und ist deshalb gut angelegt. Wem es nur um ein mobiles Akkupack geht, der erhält für die Hälfte des Preises potentere und handlichere Möglichkeiten. Das Changers Starter Kit hingegen ist mehr als nur ein Akku und nur ein Solarmodul. Es ist ein Versuch die Natur zu schonen und gleichzeitig einen spürbaren Nutzen zu bringen.

Alle Produkte findet ihr hier im Changers-Shop.

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