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21.08.13 11:00

, von Wolf-Dieter Roth

Bose QC20 im Test: Welt aus, Musik an, Welt an, Musik aus...

Wer sich insbesondere anatomisch angepasste Ohrhörer einstöpselt, ist nicht mehr ganz von dieser Welt: Er hört von ihr nichts mehr. Das ist oft sehr angenehm, manchmal aber lästig, weil man sich erst die Ohrwürmer aus den Ohren pulen muss. Mit den neuen Bose QC20 reicht ein Knopfdruck.

Bose QC20. Bilder: W.D.Roth Bose QC20. Fotos: W. D. Roth

Als Bahnpendler nutze ich schon seit geraumer Zeit geräuschunterdrückende Ohrhörer. Nun erstmals nach langer Abkehr von diesem Prinzip wieder ein aktives System: Die Bose QC20, die ich schon beim Kurztest auf der Pressekonferenz sehr überzeugend fand und nun einige Wochen regulär testen durfte, bevor sie im September für knapp 300 Euro in den Handel kommen. Wie bewähren sie sich im Alltag?

 

Aktiv vs. passiv

Aktive Geräuschunterdrückung ist flexibler als rein passives Abkapseln der Ohren durch In-Ear-Ohrhörer, hat aber Nachteile: Die Geräuschunterdrückung funktioniert nur richtig, solange der Akku mitspielt und die Elektronik ist - insbesondere bei Sennheiser-Produkten - sehr funkempfindlich. Sie ist dort auf die Benutzung im Flugzeug ausgelegt, wo Handys ja verboten sind.

Fährt man im Zug in ein "Funkloch", wie bei Geltendorf, wo Mobilfunkgegner ein solches durch Verbot von Sendemasten erzwungen haben, regeln alle Handys im Zug verzweifelt auf maximale Sendeleistung, was dann nicht nur Kopfweh bei den Fahrgästen erzeugen kann, wenn sie plötzlich mit 50 x 2 W befunkt werden (was natürlich viiiiel gesünder ist als die Milliwatt eines Sendemasts). Man kann sich auch den brummenden Sennheiser-Kopfhörer nur noch entsetzt vom Kopf reißen, der über dieser Wellenflut kollabiert.

Auch der Kabelsalat ist größer als bei passiven Systemen, ein Akkubehälter benötigt eine sichere Bleibe und bei offenen Fenstern im Zug steigt so manches System kläglich aus.

Passive Systeme sitzen dafür unangenehm und fallen leicht heraus - in meine Ohren passt kein serienmäßiger In-Ear-Hörer -, wenn sie nicht anatomisch angepasst sind.

Bose kombiniert beides

Der Bose QC20 kombiniert nun beides: Ein In-Ear-System und aktive Geräuschunterdrückung. Also doppelte Probleme?

Nein, keineswegs. Das In-Ear-System benutzt extra weiche Passstücke und schafft es so, sich auch in meinen Ohren ohne anatomische Abformungen einzunisten. Für Extremohren gibt es auch noch eine kleine und eine große Variante der Standard-Passstücke. Dabei entfällt der unangenehme Druck vieler In-Ear-Hörer. Der Akku wiederum kommt neben die Musikquelle und fällt nicht als zusätzliches Objekt auf halbem Leitungsweg auf, das man sich irgendwo festklemmen muss. Geladen werden kann er über das Ladegerät des Smartphones in weniger als zwei Stunden.

Nun wird die Umwelt schon angenehm abgedämpft und man muss die Musik nicht laut stellen. Schaltet man dann die Geräuschunterdrückung ein, so kommt diese obenauf: Mit einem Klick wird aus dem VW Käfer ein VW Phaeton, nein, aus dem klapprigen Vorortzug ein ICE. Man sitzt völlig entspannt, keine Durchsagen nerven mehr, und der Klang wird noch etwas klarer.

Das Problem mit den offenen Fenstern hat allerdings auch der Bose-Hörer: Die tieffrequenten Luftdruckschwankungen führen ab etwa 80 km/h zum Übersteuern der Elektronik, die plötzlich laute Knalltöne erzeugt. Da hilft dann nur schnelles Abschalten, was leider nochmals einen weiteren Knall erzeugt. Dann - im Passiv-Modus - ist es allerdings bei offenen Fenstern mit Bose-Hörer angenehmer als ohne, während es sich bei den Passiv-Systemen, die den Ohrgang komplett abdichten, genau andersherum verhält.

Auch im VW Käfer sollte man den Bose QC20 nicht verwenden, um ihn in eine Luxuskarosse zu verwandeln. Als Fahrer ohnehin nicht, das wäre lebensgefährlich, aber auch nicht als Beifahrer: Das Schließen einer Tür führt ebenso zu einem lauten Knall durch Übersteuern der Elektronik. Wie übrigens auch ein in Gegenrichtung passierender LKW bei offenem Fenster.

Das sind aber die einzigen Situationen, in denen die Geräuschunterdrückung des Bose-Hörers abgeschaltet werden muss - und in denen er immer noch seinen Zweck gut erfüllt.

Umgebung zuschalten auf Knopfdruck

Dafür ist es einfach nur genial, dass mit einem Knopfdruck die Musik gestoppt werden und mit einem weiteren (bei eingeschalteteter Elektronik) die Umgebung zugeschaltet werden kann. Will man also eine Durchsage hören - oder die Frage eines Mitfahrers - muss man die Ohren nicht mehr freimachen. Das erspart Stress und den Eindruck eines minderbemittelten Idioten bei den Mitfahrern zu hinterlassen; ermöglicht es sogar, die Hörer im Büro zu nutzen, wenn dies notwendig sein sollte. An einem Smartphone kann zudem auch ein Anruf direkt angenommen werden, ohne die Hörer absetzen zu müssen.

Nur die Option, auch noch die Lautstärke der Musik - oder des Anrufs - am QC20 regeln zu können, statt MP3-Spieler oder Smartphone auspacken zu müssen, ist auf das Apple-Modell QC20i beschränkt, das diese Funktion an Apple-Geräten (iPod, iPhone...) bietet. Beim QC20 ohne i für Windows- und Android-Geräte fehlt diese Funktion. Allerdings ist die Geräuschunterdrückung des QC20 auch so gut, dass ein Nachregeln der Lautstärke eigentlich nur durch das Musikmaterial notwendig werden kann, nicht durch den Umgebungslärm.

Lästig wird der QC20 auch nach Stunden nicht, Bose hat hier definitiv ein gutes Gerät geliefert, das neue Standards setzt. Wenn nun auch noch die Infraschallfestigkeit erhöht werden könnte und das Knallen beim Abschalten entfiele, bliebe mir nichts mehr zu kritisieren...

Weitere Informationen auf dieser Website. Den Bose QC20 gibt es unter anderem hier bei Amazon.

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Kommentare: Bose QC20 im Test: Welt aus, Musik an, Welt an, Musik aus...

Wieso mit der Bahn pendeln, wenn man Artikel ortsunabhängig tippen kann?

Diese Nachricht wurde von Rüdiger Hoffenheimer am 21.08.13 (17:39:32) kommentiert.

Weil man vom Artikelschreiben nicht leben kann.

Diese Nachricht wurde von Wolf-Dieter Roth am 21.08.13 (23:23:04) kommentiert.

300 Euro für einen Kopfhörer - da sollte man erwarten dürfen, dass Bose die externe Geräuschminderung (anders als den Toneingang) in der Dynamik und der Gesamtlautstärke begrenzt und eben keinen Knall auch noch selbst erzeugt. Für das Geld jedenfalls erwarte ich ein Produkt, dass mich nicht zusätzlich nervt.

Diese Nachricht wurde von Tom Stein am 23.08.13 (05:41:03) kommentiert.
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