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16.03.12 07:00

, von Wolf-Dieter Roth

Blick in die Apollo-Computer (2/3): Manuell zur Mondlandung

Liefen die Apollo-Computer störungsfrei? Nein, sie stürzten ausgerechnet bei der Landung auf dem Mond ab – infolge eines vorherigen Bedienungsfehlers. Aber was so ein richtiger Cowboy Astronaut ist, der landet sowieso lieber ohne Computerunterstützung...

Der berüchtigte AGC-Computerausstieg (Fehler 1201 / 1202) bei der Landung von Apollo 11, hier nachgespielt als Szene aus dem Computerspiel 3D Eagle LanderDas im Orbit um den Mond verbleibende Kommandomodul und die eigentliche Mondfähre waren mit den dafür entwickelten Apollo Guidance Computern (AGC) autark zu steuern - und im Notfall manuell. Auf den letzten Metern der Landung von Apollo 11 übernahm Neil Armstrong auf diese Weise die Steuerung, um noch einige im Wege liegende Gesteinsbrocken zu überfliegen und einen ebenen Landeplatz zu wählen. Zuvor hatte der Bordcomputer infolge Überlastung mehrfach von den Astronauten gestartete Berechnungsprogramme abgeschaltet und neu gestartet. Die Ursache: Neben dem Landeradar war noch für Notfälle das zum Andocken am Kommandomodul bestimmte Rendezvousradar eingeschaltet gewesen, das beim Anfordern von Rechenkapazität eine höhere Priorität hatte.

Der Start von Apollo 11 von Cape Canaveral, Florida (damals: Cape Kennedy) war am 16. Juli 1969. Nach drei Tagen war die Mondumlaufbahn erreicht und am 20. Juli um 20:17:39 UTC setzte die Mondfähre im Meer der Ruhe auf.

Vor dem Rückflug stellte sich heraus, dass ein Schalter beim Aussteigen durch Aldrins Rucksack abgebrochen worden war und mit einem Kugelschreiber betätigt werden musste - Computerprobleme traten dagegen nicht mehr auf. Die Kommandokapsel mit den drei Astronauten landete am 24. Juli 1969 um 16:50 UTC wieder auf der Erde, im Pazifik.

Tatsächlich hatte jede Apollo-Crew bei der Landung in einer Höhe von etwa 100 bis 200 m die manuelle Steuerung übernommen (AGC-Programm «P67»), obwohl der AGC die Landung bis zum Boden automatisch durchführen konnte (Programm «P66»). Der Grund hierfür waren meist am automatisch gewählten Landeplatz ungünstig liegende Felsen und andere Unebenheiten - allerdings trauten die Astronauten der Automatik auch nicht so recht.

Die einzelnen Landeprogramme bei fortschreitender Annäherung der Mondfähre an die Mondoberfläche wurden der Reihe nach wie folgt aufgerufen:

 

Landeprogramme des AGC

P63 - Landeanflug: Abbremsen

P64 - Landeanflug: Annäherung

P65 - Landeanflug: Automatik

P66 - automatische Landung

P67 - manuelle Landung

P68 - Landung bestätigt

Die Apollo Guidance Computer in Kommandokapsel und Landemodul waren von der Hardware her gleich aufgebaut. Es wurde nur, den unterschiedlichen Berechnungsaufgaben angepasst, jeweils eine andere Software eingespielt. Ihre Entwicklung hatte bereits 1961 begonnen, sie gelten als erste «embedded» Computer, da sie optisch für die Astronauten nicht als eigenständige Computer in Erscheinung traten, sondern nur als Bestandteil der Steuerung. Zur Eingabe von Befehlen dienten zweistellige Zahlencodes, siehe Bildergalerie.

In Teil 3 des Blicks in die Apollo-Computer gehen wir morgen auf die tatsächlich verwendeten Bauteile ein - und zeigen sogar eine Nachbauanleitung.

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Kommentare: Blick in die Apollo-Computer (2/3): Manuell zur Mondlandung

da möchte man doch anmerken.. das sieht aus wie ein Apple Tastatur.. ja da hat wer geklaut!

Diese Nachricht wurde von Robert am 16.03.12 (22:13:55) kommentiert.
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